Vollmond

Letzte Nacht stand der Mond besonders hell und klar am Himmel.

Es war Vollmond. Wunderschön!

Am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern wir Ostern.

Die Erfahrungen dieses Festes und der Tage davor sind schwierig einzuordnen.

Was wir heute sehen, ist morgen schon wieder anders.

Worauf wir heute bauen, ist morgen vielleicht keine Grundlage mehr.

Woran können wir uns halten?

 

In seinem Lied “Der Mond ist aufgegangen” beschreibt Matthias Claudius

diese Erfahrung der wechselnden Wirklichkeit oder was wir dafür halten.

Doch ob der Mond nun gross ist oder nur eine schmale Sichel,

ob sichtbar oder gänzliche verborgen:

die Quelle des Lichts bleibt dieselbe.

 

Abendlied

Der Mond ist aufgegangen

Die goldnen Sternlein prangen

Am Himmel hell und klar:

Der Wald steht schwarz und schweiget,

Und aus den Wiesen steiget

Der weiße Nebel wunderbar.

 

Seht ihr den Mond dort stehen?

Er ist nur halb zu sehen,

Und ist doch rund und schön.

So sind wohl manche Sachen,

Die wir getrost belachen,

Weil unsre Augen sie nicht sehn.

 

Matthias Claudius (1779)

(Foto: Lukas Briellmann)