Schon seit längerer Zeit suchen Christ*innen nach neuen Gottesbildern. Gott als Richter, als Hirte, als König, als Herr – in diesen Vorstellungen finden sie sich nicht mehr und diese männlichen Bilder sind ihnen zu einseitig. Untersuchungen von biblischen Texten und Bildern haben zu diesem Thema in den letzten Jahrzehnten einiges zu Tage gefördert. Zum einen ist es die Feststellung, dass in der alttestamentlichen Rede vom Gottesgeist das hebräische Wort ruach für Geist ein Femininum ist, also weiblich. In der griechischen Bibel wird die hebräische ruach zum neutralen pneuma, in der lateinischen zum männlichen spiritus. In dieser ruach finden einige Menschen die im Hauptstrom der Christentumsgeschichte verdrängte weibliche Seite Gottes. Dabei erfinden sie auch neue und für sie stimmige Bilder für Gott und berufen sich auf die dynamische ruach, diese turbulente Geistkraft, die inspiriert und weht wo sie will. Und es macht den Betenden auch nichts aus, wenn solche Bilder nicht mehr in die herkömmlichen Schubladen passen. Auch die Trinitätsdarstellung aus Urschalling am Chiemsee aus dem 14. Jahrhundert wird dahin interpretiert, dass die Gestalt in der Mitte eben eine Frau sei und hier die weibliche Seite von Gott dargestellt werde. Auch wenn gerade in der kunstgeschichtlichen Forschung nicht alle diese Meinung teilen, so belebt dieses Dreifaltigkeitsfresko zumindest die Diskussion um die Suche nach weiblichen Gottesbildern. Und das passt doch zu Pfingsten, denn an Pfingsten weht uns die dynamische Geistkraft um die Nase. Nicht still und heimlich säuselt sie an Pfingsten durch die Kirchenbänke, sondern kraftvoll, dynamisch, inspirierend, fröhlich und sicher nicht harmlos.

Regina Osterwalder (Foto: wikipedia, Dreifaltigkeitsfresko Urschalling)