Es ist nichts Neues, was ich in diesem vorläufig letzten Mutwort vor einer kreativen Pause und kurz vor Jahresende 2021 mit euch teilen möchte. Genauer gesagt ist der Text etwas über 77 Jahre alt. Er wurde am 19. Dezember 1944 vom bekannten evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Dietrich Bonhoeffer verfasst – wenige Monate bevor er hingerichtet wurde.

Seine Worte berühren mich. Zwar könnte einem die letzte Gedichtstrophe, die es als Lied auch in unser Kirchengesangbuch geschafft hat, je nach Situation kitschig oder zynisch erscheinen. Und bei der mittleren Strophe war ich kurz davor, sie rauszustreichen. Nehme ich bittere Kelche wirklich dankbar und ohne Zittern aus Gottes Hand an und finde ich das überhaupt erstrebenswert? Aber wenn ich Bonhoeffers Worte im Wissen um seine damalige Situation und sein mutiges Handeln lese, dann ist sein Gedicht als Ganzes für mich ein unglaublich starkes Glaubenszeugnis. Jedes Mal wenn ich es lese, schöpfe ich daraus Kraft und Zuversicht.

Genau das, Kraft, Zuversicht und natürlich Gottes reichen Segen wünsche ich mit diesem Gedicht auch euch für das Jahr 2022 und für alles, was da noch kommen mag.

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

 

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

 

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

 

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

 

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Dietrich Bonhoeffer

 

Christa Grünenfelder (Bild und Text)