Die unscheinbare Treppe mitten in der Wiese gegenüber dem Schloss Lenzburg trägt den bedeutungsschweren Namen «Himmelsleiterli». «Himmelsleiterli?», mag man sich fragen, «Gibt es da ein Leiterli zum Himmel?» Zunächst fast nicht erkennbar, führt ein schmaler Pfad den Hügel hoch. Schritt für Schritt lässt man die umliegenden Häuser sowie die Stadt hinter sich und Schritt für Schritt nähert man sich «dem Himmel». Oft ist jedoch nicht das Ziel das Entscheidende, sondern der Weg dorthin. Anfangs noch voller Elan beginnt man bald, schnaufend innezuhalten und nach hinten zu schauen. Man darf stolz darauf sein, was man bereits erreicht hat. Schliesslich wendet man seinen Blick wieder nach vorne und beschreitet mit neuer Energie auch die höheren oder etwas abweichenden Treppenstufen mit Leichtigkeit.

Oben angekommen breitet sich nun die ganze Landschaft vor einem aus. Was zuvor noch gross und teilweise bedrohlich vor einem stand, scheint nun aus diesem Blickwinkel klein und unbedeutend. Gebäude sind zu winzigen Punkten geworden und die Menschen auf den Strassen sind fast nicht mehr erkennbar. Stattdessen geniesst man die Aussicht, die Weiten und die Sicht bis zum Horizont.

Manchmal ist es wichtig, eine neue Perspektive zu gewinnen, um der Hektik des Alltags zu entfliehen und seine Sorgen hinter sich zu lassen. Gerade in schwierigeren Zeiten kann eine neue Betrachtungsweise der eigenen Situation hilfreich sein und einem neuen Auftrieb und Zuversicht verleihen. So kann selbst das kleine «Himmelsleiterli» Grosses bewirken.

Dunja Kohler-Pfister (Bild und Text)