Bernhard von Clairvaux, Gründer des Zisterzienserordens, rief im 12. Jahrhundert unzählige Tochterklöster seiner Abtei Clairvaux ins Leben.

Auf der Bildungsreise, die ich als Gemeindeleiterin in Kriens organisierte, besuchten wir auch die ab 1147 errichtete ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Maulbronn. Das Kloster gilt als die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters in Europa und wurde 1993 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Bei der Führung durch die Anlage entdeckten wir das Alltagsleben der Zisterziensermönche im Mittelalter. Zwei Dinge haben den Zisterziensern auf Dauer, unabhängig von ihrem Abt Bernhard von Clairvaux, Anerkennung und Bewunderung eingebracht: ihre technischen Meisterleistungen und ihr architektonischer Stil.

Hygienische Standards und liturgische Reinheit gingen bei den Zisterziensern Hand in Hand. Wasser spielte darum immer eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben des Klosterbetriebs. Die Wasserkraft war eine wichtige Energiequelle. Vielleicht sprach Bernhard von Clairvaux gerade deshalb dem lebensspendenden Nass eine spirituelle Bedeutung zu. Hier von ihm einen Text zur Meditation:

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter …
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird zur See. Die Schale schämt sich nicht, nicht überströmender zu sein als die Quelle …
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.
Bernhard von Clairvaux (1090-1153)

Regina Osterwalder (Foto: pixabay.com)