Heute ist also der vierte Tag von noch genau fünfzig Tagen. Es ist nicht so, dass ich jetzt jeden Tag zähle und es ist auch nicht so, dass ich in fünfzig Tagen etwa Namenstag habe oder Geburtstag feiere. Es ist auch nicht so, dass ich in fünfzig Tagen pensioniert werde oder ich einem befreundeten Paar zu ihrem Hochzeitstag gratuliere. Am fünfzigsten Tag – da legen sie richtig los, da sind sie nicht mehr zu bremsen. Sie hören sich gut zu, wenn sie miteinander reden und verstehen sich. Fremde gehen sich nicht aus dem Weg. Das Kopfschütteln einiger, das stört sie nicht. Ihre Begeisterung steckt an.

Heute ist nun der vierte Tag von noch genau fünfzig Tagen – den Ostersonntag mitgezählt. Neunundvierzig Tage plus den Ostersonntag – dann sind es fünfzig Tage. Fünfzig – eine fast magische Zahl. In der Antike war die Fünfzig eine Zahl, die Reichtum und Fülle bedeutete. Noch ist das Osterlicht sichtbar und um das zu fassen, was an Ostern geschah – das braucht Zeit.  Ob da fünfzig Tage wohl ausreichen? Denn bald kommt das nächste Fest. Pfingsten – von griechisch Pentekoste = fünfzig. Diese fünfzig Tage nun – sie werden als Sinnbild der Ruhe und der Freude begangen. Fünfzig Tage – Zeit darüber nachzudenken, was wirklich trägt und was bewegt. Oder nach einem Rat des heiligen Ignatius: «Verwerft das, was in euch Angst, Beklommenheit, Zorn und Trauer bewirkt, haltet euch an das, was in eure Seele Frieden, Freude, Mut und Freiheit bringt». Fünfzig Tage nun, um diesem Rat zu folgen.

Regina Osterwalder (Foto: pixabay.com)