Gute Taten: die Pfadileiter*innen investieren unzählige Stunden in die Freizeitgestaltung der Kinder. Hier: Aufbruch ins Pfingstlager 2021. (Foto Lukas Briellmann)

 

Die wenigsten wachen am Morgen auf und sagen zu sich: «Heute will ich böse sein, und niemand soll mich daran hindern.» Das sagt der Philosoph und überzeugte Atheist Alain de Botton in einem Interview, das ich kürzlich gesehen habe. Wir alle wollen irgendwie gut sein, oder zumindest gut ankommen. Aber dann läuft der Tag ab ohne zu fragen, ob ich noch Tritt halten kann. Da kommen unerwartete Aufgaben auf mich zu, mein Gegenüber schaut eher säuerlich in die Runde, der Bus fährt mir vor der Nase ab und zu guter Letzt ist das Wetter auch nicht so, wie ich es mir wünsche. Und als Folge geht mein Ideal, gut zu sein, im Stress unter. Eine der grossen Vorzüge der Religionen sei, so sagt Alain de Botton, dass sie uns immer wieder daran erinnern, gut zu sein. Die Pfadfinder sprechen von der täglichen guten Tat. Das klingt nun vielleicht etwas altertümlich, aber im Grunde genommen ist es das, was unser menschliches Wesen ausmacht und uns Gott täglich zutraut: gut zu sein. Das macht zufrieden und glücklich und gibt meinem Leben einen Sinn. Heute schon probiert?

Lukas Briellmann