Halt an.

Ich eile zum nächsten Termin, als mir auf einmal auffällt, dass kein anderer Mensch auf der Strasse so schnell geht wie ich. Wieso spule ich meinen Weg in einem solchen Tempo ab? Was gewinne ich dabei? Bin ich wirklich so viel schneller am Ziel, wenn ich auf diese Weise von einem Ort zum anderen renne? Ich verlangsame ganz bewusst meinen Schritt, achte auf meinen Körper und nehme einen wohltuenden Unterschied wahr. In den folgenden Tagen erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich in den schnelleren Schritt fallen möchte. Ich wehre mich dagegen. Ein Wort von Angelus Silesius, einem spirituellen Lehrer aus dem 17. Jahrhundert, hilft mir dabei:

Halt an, wo läufst du hin.
Der Himmel ist in dir.
Suchst du Gott anderswo,
du fehlst ihn für und für.

Wenn ich nun zu einer Ampel komme, die gerade auf Rot wechselt, oder beim Warten an der Kasse in der längeren Schlange stehe, dann wiederhole ich in meinem Herzen diese Worte und versuche diese ruhigen Momente als Geschenk anzunehmen. Und tatsächlich, etwas Himmel zeigt sich dabei schon.

Text und Foto: Lukas Briellmann