Wer kennt es nicht, das Gedicht «Stufen» von Hermann Hesse. Immer wieder wird es zitiert, vorgelesen, abgedruckt oder daraus Zeilen hervorgehoben. Ich habe dies in meinem Mut-Wort vom Sonntag getan und heute noch einmal.

Hermann Hesse (1877–1962) schrieb das Gedicht im Mai 1941, also mitten im Krieg und nach langer Krankheit. Eigentlich erwartet man da eher ein Gedicht mit düsterer Stimmung. Und genau das fällt an diesem Gedicht auf. Es kommt einem ein optimistischer Klang entgegen. «Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten». Der Dichter beschreibt in diesem Gedicht das Leben des Menschen als einen Prozess von Stufen. Er denkt dabei aber nicht allein an die Lebensjahre, sondern an Lebensprozesse, in denen sich der Mensch weiterentwickelt und offen ist für Neues.

Auch wenn nun das neue Schuljahr gerade ein paar Tage alt ist und eben Neues begonnen wurde, so wird es neben dem Schönen, Lustigen, Spannenden ab und zu Schwieriges, Zermürbendes und einiges mehr geben, was auch belastet. Vielleicht helfen dabei die Zeilen aus dem Gedicht «Stufen» von Hermann Hesse, Durchzuhalten und den Mut nicht zu verlieren.

Wir sollen heiter Raum und Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
(Hermann Hesse, Die Gedichte, Suhrkamp Taschenbuch, Bd 2, 676).

Regina Osterwalder (Foto: pixabay.com)