Heute am 1. Fastensonntag hören wir von Jesus in der Wüste: 40 Tage, ganz alleine, das Leben auf das Allernötigste reduziert, nur vom Teufel versucht. Eine echte Wüstenerfahrung.

Wir erleben gerade ebenfalls eine ganz besondere Wüstenerfahrung – und das bereits seit weit mehr als 40 Tagen. Die Corona-Massnahmen schränken unser seit Jahren gewohntes Leben ein: Essen gehen, sich unbeschwert mit Freunden treffen, Oma und Opa besuchen, sich zur Begrüssung umarmen oder wenigstens die Hand geben, Lädelen, in den Urlaub gehen oder gar fliegen und noch vieles andere mehr ist reglementiert. Unfreiwillig stecken wir in dieser „Wüstenerfahrung“ und wissen leider noch nicht einmal, wie lange es noch dauern wird.

Was viele von uns spüren ist, dass diese Zeit etwas mit uns nachhaltig machen wird. Wie bei Jesus wird auch unsere „Wüstenzeit“ Spuren hinterlassen: gesellschaftlich, aber auch bei jedem Einzelnen. Welche Spuren, wissen wir noch nicht.

Jesus wurde nach seinen 40 Tagen sein Auftrag klar. Das führte ihn zu der Aussage: „die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe“. Man könnte auch sagen: Jetzt reicht es. Das Bisherige hat uns hierher gebracht, es tut uns Menschen dauerhaft nicht gut. Es braucht andere Perspektiven und Sinnversprechungen. Folgerichtig forderte er die Menschen zum Umdenken auf: „Kehrt um“ – macht es ab jetzt anders als bisher. Was uns wohl nach unserer Wüstenzeit klar werden wird? Und was werden wir tun?

Johannes Frank (Foto: Giorgio Parravicini, unsplash.com)