«So soll, was in uns dunkel ist,
was schwer uns auf dem Herzen liegt,
aufbrechen unter deinem Licht
und dir sich öffnen, Herr und Gott.»

(Nach: Nox et tenebrae et nubila; Prudentius, 4. Jh.)

Mit Schutzmaske vor Nase und Mund bete ich seit einiger Zeit regelmässig vorne im Chor der Hofkirche in der kleinen Gruppe der Chorherren. So auch an einem trüben Morgen. Da trifft mich ein Abschnitt aus dem Tageshymnus mitten ins Herz. Meine innere Stimmung unterscheidet sich nicht wesentlich vom  grauen Morgen draussen. Die Corona-Vorschriften empfinde ich als eine Belastung. Und daneben beschäftigt mich vieles, was mir «ablöscht» – zusätzlich zu den täglichen Nachrichten.

Das Morgengebet, das ich schon oft gebetet habe, spricht mich heute ganz anders an. Es holt mich ab und holt mich heraus aus dem, was schwer mir auf dem Herzen liegt. Es gibt mir Kraft für den Tag! So wie das Licht Pflanzen und Blumen in seine Richtung zieht, so will das Licht auch mir heute die Ausrichtung und die Blickrichtung geben.

Aufbrechen, sich öffnen – Worte aus der Natur. Ich sehne mich nach dem Frühling. Und ich sehne den Tag herbei, da wir wieder gemeinsam singen dürfen. Damit aus dem Eröffnungsruf am Morgen wieder Gesang wird: «Herr, öffne meine Lippen. Damit mein Mund dein Lob verkünde!»

Beat Jung (Foto: Beat Jung, Glasfenster in der Kapelle der St. Anna-Schwestern, Luzern)