Gravur für den mächtigsten Mann der Welt – und nicht nur für ihn

Heute wird Joe Biden als neuer Präsident der USA vereidigt. Gespannt blickt die Welt nach Washington – auch mit etwas Bangen nach all den Spannungen, die sich in den letzten Monaten und Jahren aufgebaut haben. Wird es weitere Unruhen geben oder gar Gewaltakte? Kann diese Feier überhaupt in einem respektvollen Rahmen über die Bühne gehen? Wie wird die USA einen Weg zur Versöhnung finden?

Die Medien haben den politischen Kampf in den USA dankbar aufgriffen. Es gibt Themen, die wecken unsere Aufmerksamkeit und zahlen sich (für einige wenigstens) im wahrsten Sinne des Wortes aus. Vor allem Skandale regen unsere Phantasie an und füllen die Klatsch- und Kommentarspalten. Aber irgendwann kommt der Punkt, da wird dieses ewige Blossstellen und die aggressiven Worte, das Hinterfragen, Intrigieren und Schwarz-Weiss-Denken ermüdend und wir sehen nur noch die Abgründe unserer menschlichen Gesellschaft. Ich hoffe sehr, dass die USA diesen Punkt der Umkehr erreicht haben. Dabei liegt es mir fern, mit dem Finger einfach nur auf die anderen zu zeigen, denn ich weiss, dass wir alle immer wieder in Gefahr sind, in diese Sackgasse der Machtspielchen zu laufen. Dann brauchen wir einen Wendepunkt und Neuanfang. Und es braucht eine Richtschnur, an der wir unser Verhalten positiv ausrichten können, zum Beispiel die Botschaft des Paulus an die zerstrittene christliche Gemeinde in Korinth. Die Welt und unser Umgang miteinander würden ziemlich anders aussehen, wenn wir diese Worte in unsere Herzen eingravieren würden:

«Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie verletzt nicht den Anstand, sucht nicht den eigenen Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.»
1 Kor 13, 4-7

Lukas Briellmann (Foto: Lukas Briellmann)