Lilie, Rose, Pfingstrose, Iris, Veilchen, Akelei, Gänseblümchen, Walderdbeere – all diese Blumen werden seit jeher mit Maria in Verbindung gebracht. Hinter diesen Blumennamen stehen oft Traditionen, die aus vorchristlicher Zeit stammen und Naturgöttinnen als Vorbilder haben. Auch wenn die Kirche in ihrer Lehre immer versucht hat, Maria klar von solchen ausser-christlichen Einflüssen abzugrenzen, liegt es offensichtlich in der Natur des Menschen, in Maria das Weiblich-Göttliche zu suchen. Gott kann und darf nicht einfach nur männlich sein. Insofern hat die moderne Genderfrage die Kirche unbewusst schon sehr lange beschäftigt. Gott: männlich, weiblich oder non-binär?

In den Ferien fand ich in einem alten Olivenbaum eine kleine Marienstatue. Das sah sehr romantisch aus und bot ein tolles Fotomotiv. Auf Wanderungen treffen wir an besonderen, schönen Orten immer wieder auf solche kleinen Zeichen, die Maria mitten in der Natur darstellen. Sie sind Ausdruck dafür, dass unser Gottesglaube weit mehr ist, als wir oft als kirchlich oder christlich definieren. Ist das falsch? Ich denke nein, solche Orte und Zeichen weisen uns darauf hin, dass Gott weitaus grösser ist, als wir uns das vorstellen können, und dass es keinen Ort gibt, an dem wir dies nicht erfahren könnten. Die Natur ist dafür eine gute Lehrmeisterin, die alle unsere Sinne anspricht, das Herz weitet und uns die weibliche Seite Gottes erahnen lässt. Lukas Briellmann

Text und Foto: Lukas Briellmann