Wer diesen lateinischen Ausdruck kennt, hat jetzt wahrscheinlich mittelalterliche Szenen mit Totenköpfen vor Augen – was auch ganz gut zu seiner Bedeutung passt: „Gedenke des Todes!“ Ich habe aber zur Illustration meines Textes keinen Totenkopf gewählt, sondern ein Bild, das mich entspannen und tief durchatmen lässt. Seit ich während meines Studiums nebenbei als Nachtwache und Pflegehilfe in einem Altersheim gearbeitet habe, ist es dieses Gefühl, das ich mit Memento mori verbinde.

Im Altersheim damals habe ich den Tod als Teil des Lebens kennen gelernt. Aber vor allem bin ich Menschen in ihrer letzten Lebensphase begegnet. In verschiedenen Gesprächen bei Tag und bei Nacht habe ich einiges davon mitbekommen, was sie beschäftigt hat, was sie zufrieden oder unzufrieden auf ihr Leben hat zurückblicken lassen. Was bei ihnen Bitterkeit ausgelöst und was sie glücklich gemacht hat.

Seither habe ich mir angewöhnt, in manchen Momenten, wenn ich ganz besonders unzufrieden bin, mir die Frage zu stellen: „Wenn ich heute sterben würde, wäre ich zufrieden mit dem, was ich aus meinem Leben gemacht habe?“ Dadurch gelingt es mir meist, für einen kurzen Moment auf Abstand zu meinem Alltagsfrust zu gehen und zu überprüfen, ob die Grundentscheidungen noch stimmen – und meistens kann ich dann mit Ja antworten. Ich habe das Gefühl, dass ich seither bewusster und intensiver lebe. Nicht jeden Tag. Aber oft genug.

Christa Grünenfelder (Foto: pixabay.com)