Das wog zentnerschwer – der Tod ihres Freundes und Lehrers. Fast drei Jahre haben sie ihre Zeit mit ihm verbracht. Haben mit ihrem Zweifel gerungen, Machtkämpfe unter sich ausgetragen, ihren Beruf an den Nagel gehängt, ihn missverstanden, mit ihm gelacht und nächtelang diskutiert. Und dann seine Ermordung. Ja – die lag wie ein zentnerschwerer Stein auf ihrer Brust. Ob sie damit weiterleben konnten – sie wussten es nicht. Zuerst mal weg, sich nicht blicken lassen – die Gefahr war zu gross, die Soldaten der Besatzungsmacht hatten ihre Ohren und Augen überall. Als Anhänger*innen dieses getöteten Jesus von Nazareth war es klüger, mal zu verschwinden und sich zu verstecken.

Ein paar Frauen – sie kamen nur langsam voran an diesem Tag – noch war es dunkel. Die letzten Tage wogen zentnerschwer – der Stein in der Brust nahm ihnen fast den Atem. Und dieser schwere Stein vor dem Grab, dachten sie. Den letzten Dienst wollten sie noch tun. Das war Frauensache. Den Toten salben. Ob es der erste Morgenstrahl war, sie wussten es nicht mehr genau. Die Zeit stand für Momente wie still. Und da fiel ihnen ein Stein vom Herzen. Es verging Zeit, bis sie es fassten. Da war wieder Hoffnung. Da war noch nicht alles zu Ende. Da sprachen sie über ihn. Die Erinnerungen an seine Worte brachten sie in Bewegung. Sie konnten nicht mehr schweigen. Und eine Botschaft ging um die Welt. «Mir ist ein Stein vom Herzen genommen» (Lothar Zenetti).

Regina Osterwalder (Foto: shutterstock.com)