Ich hoffe, Sie sind gut durch die wilden Sommertage und die beängstigende Coronasituation gekommen. Ich verstehe die Sorgen und Nöte vieler Menschen, versuche aber immer wieder die Sonnenstrahlen zu sehen. Dabei versetzt mich der Einsatz vieler Menschen in Heimen und Spitälern, im Zivilschutz, bei Feuerwehr oder Polizei, in Unternehmen oder Betrieben immer wieder in Staunen. Ich bewundere mehr denn je die Geduld von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Das macht mir doch Mut. Und da steigt mir immer wieder der Spruch von Anita Weyermann auf – etwas für unsere Situation angepasst – «Gring ache ond dore».

Weiter noch. Ich erinnere mich in diesen Tagen an meine Wanderung auf dem Jakobsweg.

Ich denke an die frühlinghaften und berauschenden Blumenfelder beim Abstieg aus dem französischen Zentralmassiv, dann anderntags an den Marsch durch kaum begehbaren Matsch oder die ausgeglittenen Pilger im Dreck liegend. Ich erlebe nochmals den Aufstieg auf den Pyrenäenübergang, vorbei an aufgeschichteten Steinhaufen. Jeder Stein auf dem Haufen ist ein Symbol für eine Sorge, ein Anliegen. Ich nehme einen Stein wie andere Pilgernde auf, tragen ihn weiter zum nächsten Haufen und so weiter, bis der Stein in Santiago ankommen wird. Der Marsch geht weiter, vorbei an Kreuzen, die an Verstorbene auf dem Weg erinnern. Dann endlich in weiter Ferne, die Türme der Kathedrale von Santiago. Ein langer, ermüdender Weg entlang dem Flugfeld und dem Flugplatz von Santiago steht noch bevor. Dann die Wanderung durch die Vorstadt, Richtung Zentrum. Die Augen auf die Türme der Kathedrale gerichtet.

Und dann endlich die Kathedrale. Pilgernde, die Arme und Hände gegen den blauen Himmel recken. Ich auch, voller Dankbarkeit. Radfahrer, die die Tour auf dem Rad hingelegt haben, schmeissen das Rad auf den Boden, küssen den Boden. «Gring ache ond dore». Die Freude war unbeschreiblich. Viele Ereignisse und Erlebnisse werden im Kopfe bleiben.

Ich wünsche Ihnen am beginnenden Ende dieses Sommers, dass sie trotz aller Unbill die Arme in die Luft werfen und rufen können. Ich habs geschafft.

Text und Foto: Hans Egli