Die Dorfkapelle von Urswil/Hochdorf, wo ich aufgewachsen bin, ist unter anderem der Hl. Ottilia geweiht. Heute ist ihr Gedenktag: 13. Dezember! Am frühen Morgen dieses Tages kam jeweils ein Priester von Hochdorf, um mit der Dorfbevölkerung die heilige Messe zu feiern. Meine Kindheitserinnerungen sind: Es war immer kalt. Die Kapelle hat keine Heizung. Bei jedem Wort sah man den Hauch vor dem Mund. Nach dieser Frühmesse waren wir froh und auch etwas stolz, dass wir Kinder mit den Erwachsenen dabei gewesen waren!

Gemäss der Überlieferung wurde Ottilia 662 auf einem Schloss im Elsass geboren (heute: Mont Sainte-Odile). Sie war von Geburt an blind. Deshalb – und weil die Erstgeburt kein Knabe war – wurde sie vom Vater verstossen. Der Mutter ist es aber gelungen, das Kind einer Amme zu geben. Als das Mädchen im Alter von zwölf Jahren getauft wurde, öffneten sich seine Augen und es bekam den Namen «Odile», fille de lumière – Tochter des Lichts! Ottilia ist die Heilige, die bei Augenleiden angerufen wird. Viele besuchen die St. Ottilien-Kapelle bei Buttisholz, um dort den Augensegen zu empfangen.

Sainte Odile ist die Patronin des Elsass! Der 13. Dezember 720 war ihr Todestag. Alles war bereit, heute das 1300-Jahr-Jubiläum zu eröffnen. Über dem Kirchenportal steht schon lange geschrieben: Ouvre mes yeux – Öffne meine Augen! Doch wegen Corona ist der Wallfahrtsberg bis auf weiteres geschlossen. Ottilia wird uns helfen, mit den «inneren Augen» zu sehen. Das Licht von Weihnachten wird aufstrahlen!

Beat Jung
(Foto: Hl. Ottilia, mit Augen, St. Ottilien-Kapelle Buttisholz, Beat Jung)