Ich lasse mich gerne von Pierre Stutz inspirieren. Einige seiner Bücher handeln von Alltagsritualen und wie wir mit unserm Körper beten können.

Wenn ich alleine unterwegs bin, baue ich in meine Spaziergänge gerne das achtsame Gehen ein. Als Vorbereitung stelle ich mich an einem schönen Platz breitbeinig und aufrecht hin und schliesse für einen Moment die Augen. Ich lausche meinem Atem. Wie er kommt und geht. Wie ich beschenkt werde und wieder los-lasse, damit ich den neuen Sauerstoff wieder aufnehmen kann. Einfacher fällt es mir, wenn ich meine Hände auf den Bauch lege und merke, wie sie sich heben und senken.

Nach einer Weile öffne ich die Augen wieder und konzentriere mich auf meine Füsse. Auf einem ebenen Wegstück praktiziere ich das achtsame Gehen. Ich hebe den einen Fuss und setze ihn ganz bewusst wieder auf den Boden. Ich achte darauf, dass die Zehen zuerst die Erde berühren, dass ich den ganzen Fuss abrolle und dann die Ferse auf dem Boden ankommt. Erst wenn ich wieder guten Stand habe, hebe ich den andern Fuss achtsam und wiederhole diese Übung ein paar Mal. Dieses neue Bewegungsmuster kann das alte ersetzen. Nach ein paar Schritten staune ich, wie bereichernd dieses aufmerksame gehen ist. Es hilft mir, nach jedem Schritt einen Atemzug Pause einzulegen, damit ich in Ruhe bleibe. Manchmal experimentiere ich mit Rückwärtsschritten. Gelegentlich stelle ich mir einen Sandstrand oder einen moosigen Waldboden vor. Ich erinnere mich an Momente, wo ich solche Wege barfuss gegangen bin. Im Schnee oder im Sand werden meine Spuren sichtbar.

Dieses bewusste gehen kann natürlich auch in der Stube mit den Socken oder barfuss praktiziert werden oder als Pause im Homeoffice.
Mir hilft diese Übung mich wieder zu zentrieren, ins Gleichgewicht zu kommen und «der Weg ist das Ziel» vor Augen nicht zu verlieren. Mit jedem Schritt gebe ich Alltagsballast dem Boden ab und lasse los von den vielen Gedanken, die mich beschäftigen.  Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

So wie jeder Fussabdruck einzigartig ist, sind auch Sie einzigartig!

Nicole Sigrist (Foto: Nicole Sigrist)