Vor einigen Tagen sah ich einen Film, der mir nicht mehr aus dem Sinn und Herzen geht. «Capharnaum – Stadt der Hoffnung» handelt vom zwölfjährigen syrischen Flüchtlingsjungen, Zain, der in Beirut lebt. Als «Sans Papier» haben Zain und seine Familie keine Rechte und werden nach Strich und Faden ausgenutzt, was ihn aber nicht daran hindert, sich für ein lebenswertes Leben, Gerechtigkeit und für seine geliebte Schwester einzusetzen. Der Alltag von Zain zeigt eine Welt, die zu der unsrigen in der Schweiz unterschiedlicher nicht sein könnte. Die Armut, Ungerechtigkeit und Verwahrlosung werden schonungslos gezeigt und sind nicht leicht zu ertragen. Sollte man einen solchen Film überhaupt ansehen? Weshalb tue ich mir das an? Wäre nicht etwas Entspannendes besser gewesen? Ich gestehe: ich musste mich bewusst entscheiden, einen solchen Film zu sehen. Es war wahrlich kein Vergnügen. Aber die Bilder und die Geschichte rüttelten auf und zeigten eine Wirklichkeit, die so viele Familien, Kinder und Erwachsene in Krisengebieten tagtäglich erfahren. Was wissen wir schon von ihnen? Und wie viele Menschen mit solchen Erfahrungen leben unter uns, sind vielleicht sogar unsere Nachbarn? Während des Schauens des Films fragte ich mich mehrmals, weshalb dieser den Titel «Capharnaum – Stadt der Hoffnung» trug. Einerseits zeigt sich die Hoffnung im Kampf dieses kleinen Jungen für Gerechtigkeit und einer lebenswerten Zukunft. Aber vielleicht liegt diese Hoffnung auch darin, dass die Welt – und damit auch ich – die Not dieser Menschen wahrnimmt, ihre Geschichten hört und alles daransetzt, dass aus der Hoffnung eine neue Lebenswirklichkeit wird. Manchmal muss man hinhören und hinsehen, auch wenn es wehtut. Heilung ist anders oft nicht möglich. Auch das hat mit Ostern zu tun.

Lukas Briellmann (Foto: Zerstörung in Essaouira, Marokko / Lukas Briellmann)