Erinnern Sie sich? Spickzettel in der Schule? Vielleicht haben Sie ja nie einen geschrieben und mit in den Test genommen. Ich gestehe: ich schon …

Jedoch habe ich ihn nie benutzt: Zum einen hatte ich nie die Nerven, während des Tests den Zettel herauszuziehen und ihn anzuschauen. Andere waren da viel kaltschnäuziger. Zum anderen, und das ist viel interessanter: je mehr Mühe ich mir bei meinem Spickzettel gemacht habe, desto weniger habe ich ihn gebraucht. Nach einem guten Spickzettel hatte ich den Stoff im Kopf. Und trotzdem: zu wissen, dass ich im schlimmsten Fall doch auf den Zettel hätte schauen können, das gab mir Sicherheit. Man könnte auch sagen, das war meine „Lebensversicherung“ – für den Notfall. Dann fühlte ich mich sicher und ging entspannt in den Test.

Vielleicht ist das mit Gott ja auch so: einfach die Gewissheit, dass er da ist, ohne ihn anschauen zu müssen, das kann uns Sicherheit schenken, wie so ein Spickzettel eben. Dann wäre er so eine Art „Lebensversicherung“, in schwierigen Momenten, wo wir nervös oder sogar ängstlich werden und uns zu verlieren drohen.

Das können wir gerade gut gebrauchen – so einen „Spickzettel“ – den wir gar nicht anschauen müssen und der uns trotzdem Sicherheit und Halt gibt.

Johannes Frank
(Foto: Santeri Viinamäki)