Diese Spiegelung habe ich letzten Herbst im Bündnerland fotografiert. Der Anblick hat mich fasziniert. Ich liebe Spiegeleffekte. Wobei ich mit meinem eigenen Spiegelbild oft sehr kritisch bin. Manchmal erfreut es mich mehr, manchmal weniger, je nachdem, ob es gerade frühmorgens vor dem ersten Kaffee ist oder ob ich mich sorgfältig für einen Tanzabend herausgeputzt habe. Letzteres kann grossen Spass machen, ersteres grosse Unzufriedenheit auslösen. Und ja, das sind tatsächlich Dinge, über die ich nachdenke – auch wenn sich Seelsorge klassischerweise eher mit inneren Werten befasst. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass sich das Aussehen meiner Mitmenschen nicht auf meine Wahrnehmung von ihnen auswirkt. Dagegen ist wohl niemand immun. Aber oft ist es schwierig, die Grenze zu ziehen, wo eine gesunde äusserliche Selbstpflege aufhört und wo unbewusst verinnerlichte Schönheitsideale uns und anderen das Leben unnötig schwer machen. Ich denke, letztendlich wünscht sich jeder Mensch, weder auf seine äusseren noch auf seine inneren Werte reduziert, sondern als Gesamtpaket gesehen und geschätzt zu werden.

Text und Foto: Christa Grünenfelder