Ein wunderbarer Abend. Ich sitze auf dem Balkon. Vor mir im Dunst der Pilatus, rechts vor mir der grüne Kirchenwald, auf der linken Seite die dunklen Hänge der Rigi und auf der anderen Seite im späten Abendlicht das hügelige Gelände, auf der Anhöhe die Turmspitze der Rainer Kirche. Der Himmel bedeckt, in der Ferne, zwischen den Wolken ein zartes Abendrot.

Vor mir ein kleines Tischchen, nicht, wie man es etwa meinen könnte, ein Glas Bier oder Wein vor mir, sondern ein kleines Buch darauf. Der aufgeschlagene Text packt mich. Er passt zur Stimmung, zur Umgebung und meinem Inneren. Angst vor dem grassierenden Virus und den beängstigenden Aussagen zur Klimasituation.

Ich will ihnen diese Zeilen nicht vorenthalten, die mir für diesen Abend zu Mut und Zuversicht verhalfen, verbunden mit der Hoffnung, dass Beides mich morgen tragen wird. Das wünsche ich auch Ihnen.

 

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

 

Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

 

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“

 

Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.“

 

Margaret Fishback Powers

Copyright © 1964 Margaret Fishback Powers
Übersetzt von Eva-Maria Busch
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag GmbH, Gießen. www.brunnen-verlag.de

 

 

Lassen wir uns doch von diesem Text inspirieren. Gehen wir mutig auf den Weg. Wir sind getragen.

Text und Foto: Hans Egli