Da gab es doch vor ein paar Wochen eine Frau, immerhin Bundeskanzlerin eines grossen Nachbarlandes. Sie stieg die Treppe hoch, senkte den Kopf, entschuldigte sich bei der vor ihr stehenden Politprominenz und den Bürgerinnen und Bürgern vor den Bildschirmen. Sie hatte vor einigen Wochen eine Entscheidung getroffen, die von massgebenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gremien nicht standhielt. Und nun stand sie vor dem Mikrofon. Dazu brauchte es Mut. Wem es nach dieser mutvollen Aktion wohler war – den Bürgerinnen und Bürgern oder ihr – trotz der Welle der Sympathie und des Respekts, die ihr entgegenwehte, kann ich nicht beurteilen.

Ich glaube aber fest, dass es Angela Merkel nach dem Auftritt wirklich leichter und wohler war.
Mut heisst ja nicht allein den Mount Everest erfolgreich zu besteigen, einen Segeltörn über die Weltmeere im ersten Rang abzuschliessen oder den Vierwaldstättersee im Badedress erfolgreich zu überqueren.
Ich meine, es ist ebenso mutig, einmal den Kopf gen Boden zu richten, zu einer Sache zu stehen, auf einen Menschen zuzugehen, sich zu entschuldigen, ihn vielleicht zu trösten, um nachher den Kopf wieder hochzuheben, und mutvoll weiterzugehen.

Da fallen mir gerade Worte aus dem Johannes-Evangelium zum Hohen Donnerstag ein. Es wurde gesagt, dass Jesus vor seinen Jüngern niederkniete, ihnen die Füsse wusch, damit sie das tun, was Jesus vorgelebt hat. Und was ist aus diesem mutvollen Auftritt geworden?

Hans Egli (Foto: shutterstock.com)