Der Traum des bulgarischen «Verpackungs-Künstlers» Christo und seiner Frau Jeanne-Claude ist nach ihrem Tod doch noch in Erfüllung gegangen: die Verhüllung des «Triumphbogens» von Paris! Vom 18. September bis 3. Oktober 2021 war das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt, von dem sternförmig zwölf Avenuen ausgehen (z. B. Champs-Élysées), für zwei Wochen «verhüllt».

Der Bau des Triumphbogens wurde 1806 von Kaiser Napoleon I. zur Verherrlichung seiner Siege nach der Schlacht von Austerlitz in Auftrag gegeben. Doch erst 1836 wurde das riesige Monument fertiggestellt (49 x 44 x 22 m). Der sogenannte «Altar des Vaterlandes» hat in seiner Geschichte viele Deutungen erhalten. Heute wölbt sich der Bogen über das das Grab des unbekannten Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg (1914–1918).

Der Name des Künstlers Christo bleibt über seinen Tod hinaus mit spektakulären Verhüllungen verbunden, die – immer von ihm selber finanziert – nur kurze Zeit dauerten, aber langfristige Wirkung erzeugten! So auch 1995 beim deutschen «Reichstagsgebäude». Vier Jahre davor hatte Deutschland nach der Wiedervereinigung beschlossen, den Regierungssitz von Bonn (wieder) nach Berlin zu verlegen. 1999 war es dann so weit. Die Verhüllung des Reichstagsgebäudes löste in diesem Veränderungsprozess viele alte Vorurteile gegen diesen Monumentalbau auf. Es heisst, Massen von Menschen seien vor dem – mit silbernem Stoff verhüllten – Gebäude friedlich verharrt. Dank dieser «Kunstaktion» erlebte Berlin ein Sommermärchen!

In unserer Kirche werden nach altem Brauch am 5. Fastensonntag die Kreuze verhüllt – und dann am Karfreitag wieder enthüllt! Das ist bei weitem nicht so spektakulär wie bei Christo. Aber wir können von ihm lernen: Die bewusste Verhüllung von etwas Vertrautem kann uns helfen, eingefleischte Bilder, Widerstände und Vorurteile abzulegen. Neu hinschauen! Dank Christo auf Christus!

Beat Jung (Foto: Andrei Antipov / Shutterstock.com, fotografiert am 18.9.21)