Ich weiss nicht, ob es am Sonnenschein lag oder an meinen verrückten Ideen im Kopf. Vielleicht war es auch einfach nur der Zauber der Musik, die ich gerade hörte – irgendwelche Jazzlieder aus den 1920-er Jahren mit fröhlichen Rhythmen und Texten, die mich immer mal wieder zum Schmunzeln bringen. Jedenfalls habe ich plötzlich angefangen in meinem Schlafzimmer zu tanzen.

Im Normalfall wäre das für mich nichts Besonderes, weil ich sowieso zwei bis drei Mal pro Woche Lindy Hop und Blues tanze. Aber Paartanz ist leider nicht coronakonform, ausser wenn man gerade das Glück hat, mehrere Tänzer*innen in einem Haushalt zu sein. Deshalb war vor einem Jahr plötzlich Schluss mit Tanzabenden und Tanzkursen.

Dummerweise ist für mich vor allem das gemeinsame Umsetzen der Musik in Bewegung und die Kommunikation zwischen den Tanzpartner*innen das Spannende am Tanzen. Deshalb kam bei den digitalen und analogen Soloklassen und sonstigen coronakonformen Angeboten, die es seit dem ersten Lockdown gab, nie die gleiche Lebensfreude auf, die ich insbesondere mit Lindy Hop verbinde. Aber da war sie plötzlich wieder. Mindestens für eine halbe Stunde. Ich war einfach glücklich, habe alles um mich herum vergessen und nur noch der Moment zählte.

Wenn ich mich in meiner Berufsausbildung schwer tat mit Stillsitzen und Meditieren, dann habe ich manchmal gesagt, dass ich mich beim Tanzen Gott oft näher fühle als bei gewissen Gebetspraktiken, die wir im Rahmen unserer Ausbildung ausprobierten. Und mit dieser Erfahrung stehe ich nicht alleine da. Auch in der Bibel taucht Tanzen als eine Form des Gottesdienstes auf, etwa wenn die Prophetin Mirjam nach der Durchquerung des Meeres zum Tanz aufspielt oder wenn König David vor der Bundeslade hüpft und tanzt. Ich glaube, so verschieden wie wir Menschen sind, so verschieden sind auch die Wege, über die Gott uns begegnen kann.

Christa Grünenfelder (Foto: Christa Grünenfelder)