Im Baum vor unserem Haus lebt eine Rotkehlchen-Familie. Diese Vögel sind extrem klein und leicht. Nur gerade 16 bis 20 Gramm wiegen sie. Umso mehr staune ich, wie sie die Temperaturen in diesen Wintermonaten aushalten. Teilweise sank das Thermometer in den Januar-Nächten auf bis zu minus 8 Grad. Ich würde es bei einer solchen Kälte nachts nicht lange aushalten. Aber diese leichtgewichtigen Vögel mit ihren dünnen Beinchen trotzen der Kälte unseres Winters und zeigen eine eindrückliche Ausdauer und Widerstandskraft.

In unserer Gesellschaft geht es in erste Linie um Grösse. Grösse beeindruckt, Grösse schüchtert ein, Grösse lässt die Muskeln spielen. Aber im Blick auf das Rotkehlchen wird Grösse anders definiert. Das wahrhaft Eindrückliche und Staunenswerte findet sich oft nicht in der grossen Öffentlichkeit und muss weder laut noch aufdringlich sein. Dieser unscheinbare Vogel im Baum vor meinem Haus lässt mich die Kraft entdecken, die im Kleinen liegt. Und er erinnert mich an die wunderbare Gabe Jesu, das Unbedeutende in den Mittelpunkt zu rücken und ihm Grösse zuzusprechen!

«Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?»
(Mt 6,26)

Lukas Briellmann (Foto: Lukas Briellmann)