Mut zum Teilen und Weitergeben

Die vernetzte Welt findet da Zweierlei:
«Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.» (Albert Schweizer)
«Liebe ist das Einzige, was wächst, wenn man es verschwendet.» (Ricarda O. Huch)

Das Wort «Glück» stammt übrigens vom mittelhochdeutschen «Ge-lücke» und meint eigentlich die «Art, wie etwas schliesst, endet oder ausgeht». Glück ist das Gelungene, das, was am guten Ende zu seiner Bestimmung findet: Eine Lücke schliesst sich. Anscheinend kommt die Bedeutung von Glück im Sinne des positiv wirkenden Zufalls erst später dazu, wahrscheinlich in Zeiten, in denen Lebensentwürfe von Menschen immer weniger in einem Zusammenhang mit Gott gesehen werden. Popstar Robbie Williams ist vielleicht typisch für unsere Zeit. Im Jahr 2004 sagt er: «Ich bin glücklich wie schon lange nicht mehr.» Auf die Frage, was ihn denn so glücklich mache, antwortete er: «Täglich 270 Milligramm Effexor.» – Glück auf Rezept!

Jesu Rezept für unser Leben heisst: Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. (Markus 12:29–31). Meine Grossmutter zitierte dazu öfters einen Sinnspruch, welcher Glück und Liebe zusammenfasst: «Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück, denn Liebe, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück. »

Paulus erweitert unseren Horizont betreffend «Dingen», welche sich vermehren, sofern wir sie teilen, indem er schreibt: «Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; am grössten aber unter diesen ist die Liebe.» (1.Kor.13:13) – Auch Glauben und Hoffnung lassen sich teilen und somit vermehren.

Ein eindrückliches Beispiel und Sinnbild dafür ist für mich der biblische Bericht von der Speisung Jesu von über fünftausend Menschen mit anfänglich nur fünf Broten und zwei Fischen, nachzulesen in Matth. 14:13–21; Mark. 6:30–44; Luk. 9:10–17 und in Joh. 6:1–13.

Ich denke, es gibt immer wieder Menschen, die Angst haben, sie würden etwas verlieren, wenn sie das, was Gott ihnen schenkt, loslassen und mit anderen teilen. Aber wir wissen: Geteilte Freude ist doppelte Freude und geteiltes Leid ist halbes Leid!

Das Wunder in der biblischen Geschichte von der Speisung der 5000 zeigt uns: Wenn ich etwas weggebe, bleibt zuletzt viel mehr übrig als ich am Anfang eingesetzt habe. Wer seine Habe und Kräfte auch für andere Menschen einsetzt, wird nicht ärmer oder schwächer dabei, sondern viel reicher, froher, stärker.

Jemand sagte einmal: «Liebe ist die Fähigkeit und ehrliche Bereitschaft, in wohlwollender Zuneigung das Gute für andere zu erkennen, zu wollen und zu vollbringen.» – In dieser Liebe dient Gott uns jeden Tag; stellen wir uns an den richtigen Platz vor Gott und dienen wir einander in derselben Liebe mit dem Mut zum Weitergeben und Teilen.

Thomas Steiner, reformierter Pfarrer, Ebikon (Foto: pixabay.com)

 


Bibeltext:

Joh. 6:1 Danach kam Jesus an das andere Ufer des Galiläischen Meeres, das man auch See von Tiberias nennt. 6:2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie gesehen hatte, wie er Kranke heilte. 6:3 Zusammen mit seinen Jüngern ging Jesus auf eine Anhöhe. Dort setzten sie sich, und Jesus unterrichtete sie. 6:4 Das war in den Tagen kurz vor dem jüdischen Passahfest.

6:5 Als Jesus die vielen Menschen kommen sah, fragte er Philippus: «Wo können wir für alle diese Leute Brot kaufen?» 6:6 Er wollte aber nur sehen, ob Philippus ihm vertraute; denn er wußte natürlich, wie er die Menschen versorgen würde. 6:7 Philippus überlegte: «Wir müßten ein Vermögen (zweihundert Denare) ausgeben, wenn wir für jeden auch nur ein kleines Stückchen Brot kaufen wollten.»

6:8 Da brachte Andreas, der Bruder von Simon Petrus, ein Kind zu ihnen: 6:9 «Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische mitgebracht. Aber was ist das schon für so viele Menschen!» 6:10 Jetzt forderte Jesus die Jünger auf: «Sagt den Leuten, daß sie sich hinsetzen sollen!» Und alle – es waren etwa fünftausend Mann, Frauen und Kinder gar nicht mitgerechnet – lagerten sich auf der Wiese. 6:11 Dann nahm Jesus die fünf Gerstenbrote, dankte Gott dafür und ließ sie an die Menschen austeilen. Mit den beiden Fischen machte er es ebenso. Jeder bekam so viel, wie er wollte. 6:12 Als alle satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: «Sammelt die Resten ein, damit nichts verdirbt!» 6:13 Da füllten die Jünger noch zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übriggeblieben.