Wie schön du bist, meine Freundin, wie schön! Deine Augen sind wie Tauben.
(Hl 1,15)

Die Maskenpflicht hat in den letzten Monaten in vieler Hinsicht für Gesprächsstoff gesorgt. Die Maske an sich hat keinen guten Ruf. Die einen bezweifeln ihre Wirksamkeit, andere leiden unter verschiedensten unangenehmen Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen und Hautproblemen und nochmal andere fühlen sich sogar in ihren demokratischen Rechten eingeschränkt, wenn sie eine Maske tragen müssen.

Ich persönlich habe so meine liebe Mühe, mich hier im Pastoralraum einzufinden, weil ich die meisten Pfarreimitglieder entweder nur telefonisch oder auf Distanz und mit Maske kennen lerne. Das erschwert noch zusätzlich den sowieso schon schwierigen Prozess, Namen mit den dazugehörigen Menschen und Geschichten zu verknüpfen – und diese in der persönlichen Begegnung wiederzuerkennen.

Aber eins muss ich der Maske lassen: Ich habe noch nie vorher so bewusst die Augen meiner Mitmenschen wahrgenommen. Mir sind zwar noch keine Augen begegnet, die aussehen wie Tauben, so wie der Liebende die Augen seiner Geliebten im Hohelied der Liebe beschreibt. Aber ich muss zugeben, dass die meisten Augen meiner Mitmenschen schon viel früher meine Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten, da sie wunderschön sind. Manchmal kann ich mir dann nicht verkneifen, das auch zu sagen. Aber naja, ich finde, gerade in der jetzigen Zeit können wir Komplimente doch ganz gut gebrauchen.

Christa Grünenfelder (Foto: pixabay.com)