Bild: Wurzelstumpf, Lukas Briellmann 

Auf einer Wanderung in den Bergen traf ich auf eine Ansammlung abgestorbener Bäume. Die Stämme hatte man abgehauen und nur noch die toten Wurzeln zurückgelassen. Mein Ordnungssinn sagte mir sofort, dass dies nicht sehr schön aussähe. In meinem Garten hätte ich sicherlich aufgeräumt und das tote Holz beseitigt. Doch da folgte gleich die Stimme meines Verstands, die mir zu verstehen gab, dass diese abgestorbenen Wurzeln nicht nur Lebensraum für unzählige Insekten schafften, sondern den Boden auch vor Erosion und Hangrutschen schützten.

Auf dem weiteren Weg gesellte sich dann noch meine spirituelle Stimme hinzu. «Ist es nicht auch so», sagte sie, «mit unseren Verstorbenen?» Sie leben nicht mehr unter uns, und doch sind ihre Wurzeln noch heute erfahrbar. Ihr Glaube und ihre Werte, ihr Ringen und Kämpfen, ihr Lieben und Suchen, ihr Schaffen und ihre Geschichte haben unsere heutige Gesellschaft, mein und dein Leben, geprägt und geben dem Boden, auf dem wir in die Zukunft gehen, Halt. Auch auf diese Weise sind sie noch unter uns. So dachte ich und ging dankbar weiter.

Lukas Briellmann