Mut zum Gang zur Chefetage

In meiner Kindheit spielte ich öfter Fussball mit einem Fabrikantensohn. Er war Einzelkind und wollte auch immer der ‘Chef’ sein; im Fussball hiess das: Die Tore schiessen! Meine Kameraden und ich spielten aber trotzdem sehr gerne mit ihm, denn am Schluss spendierte jeweils der Papa, welcher hoch oben im Fabrikgebäude über dem Garten-Fussballplatz ‘thronte’ für alle ein Glacé. Der Sohn beauftragte Chef-gemäss jeweils einen der Mitspieler, beim Papa oben das nötige Geld abzuholen und in der Migros nebenan gleich die Glacés für alle zu besorgen.

Als ich zum ersten Mal dran war, diesen Botengang zu erledigen, fiel mir erst beim Betreten des Bürotrakts auf, dass meine Schuhe total verdreckt waren von der nassen Spielwiese. Ich drehte um und putzte sie notdürftig im hohen, feuchten Gras und am Veloständer. Ein Ausziehen meiner Schuhe kam für mich nicht in Frage. Also stieg ich mit stark verschmutzten Schuhen die Treppen hoch in den obersten Stock. Alles blitzte vor Sauberkeit und ich schämte mich sehr wegen meiner Schuhe; Mamma hätte mich zuhause arg beschimpft, wenn ich so durchs Haus gegangen wäre! Aber ich musste meinen Job erledigen. Problemlos kam ich an den beiden Sekretärinnen vorbei, denen ich den Zweck meines Besuches nannte, und wurde ins sehr vornehme Büro des Direktors gewiesen. Dort wurde ich von ihm überraschend freundlich empfangen und zu seinem riesigen Pult beordert. Dabei musste ich über einen schönen Teppich gehen. Der Herr Direktor fragte mich freundlich, wie viele wir denn seien und gab mir das Geld passend mit einem Lächeln. Ich freute mich sehr, bedankte mich, wohl etwas verlegen, und suchte recht schnell das Weite.

Es erstaunte mich zutiefst, dass ein Unbekannter, welcher im Namen des Sohnes zum Boss nach ganz oben kommt, so sehr willkommen ist. – Ganz ähnlich geht es mir mit Jesus: Durch Jesus Christus, den geliebten Sohn, dürfen wir jederzeit zu unserem himmlischen Vater gehen und bei ihm – als Geliebte und Geschätzte – vorsprechen.

Jesus Christus sagt Joh.14:6: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich. (vgl. Joh. 11:25; Mat.11:27; Röm. 5:1+2)
Joh.16:24 Bis jetzt habt ihr noch nie um etwas in meinem Namen gebeten.

Thomas Steiner, reformierter Pfarrer, Ebikon (Foto: pixabay.com)