Auf dieser Seite finden Sie Pastoralraumanlässe. Gottesdienste und weitere Anlässe finden Sie auf den Websites der Pfarreien und im aktuellen Pfarreiblatt.

Gottesdienste

Aktuelle Anlässe

Covid-19-Situation

Covid-19-Situation

Ab Freitag, den 1. April sind die letzten Massnahmen in der Covid-19-Verordnung besondere Lage aufgehoben: die Isolationspflicht für infizierte Personen sowie die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in Gesundheitseinrichtungen. Nun sind die Kantone wieder für die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung zuständig. Es bleibt eine Übergangsphase bis Frühling 2023.

Frühling – alles erwacht

Frühling – alles erwacht

 (Bild: pixabay.com)

 

Es sind nicht die bunten Farben,
die lustigen Töne und die warme Luft,
die uns im Frühling so begeistern.
Es ist der stille weissagende Geist
unendlicher Hoffnungen, ein Vorgefühl
vieler froher Tage des gedeihlichen
Daseins so mannigfaltiger Naturen,
die Ahndung höherer ewiger Blüten
und Früchte, und die dunkle Sympathie
mit der gesellig sich entfaltenden Welt.

 

Novalis

 

Mut-Worte

Wir machen Pause. Aktuell finden Sie keine neuen Mut-Worte.

Pfarreiblatt Mai

Pfarreiblatt Mai


Der Feigenbaum: Symbol des Friedens und der Hoffnung. (Fotos: pixabay.com)

 

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Leitartikel: Ein Baum des Friedens

 

Mitte März war Redaktionsschluss für den Leitartikel des Mai-Pfarreiblattes. Die Idee war, etwas über den Monat Mai zu schreiben – so ganz nach dem Motto «Der Mai ist gekommen», wie es in einem deutschen Volkslied heisst. Aber es kam anders – nun herrscht Krieg in der Ukraine.

 

Ein Artikel über den Monat Mai mit seinen Bräuchen und mit den verschiedenen Volksliedern, die den Mai zum Thema haben, wäre leichtere Kost gewesen. Und das spätromantische Frühlingsgedicht von Emanuel Geibel «Der Mai ist gekommen», das dann von Justus Wilhelm vertont wurde und als Frühlings- und Wanderlied populär wurde, hätte auch Mai-Gefühle wecken können.

 

Ob schon Friede ist?
Beim Schreiben dieses Artikels ist März und aus der Ukraine flüchten Tausende Familien mit ihren Kindern. Am Mittwoch, den 8. März haben die Glocken der Kirchen morgens um 10.00 Uhr geläutet, um damit den Protest gegen diesen Krieg auszudrücken. In der ganzen Schweiz wird gegen den Krieg demonstriert und für den Frieden gebetet. Niemand weiss, wie lange dieser Krieg dauern wird und ob dann im Mai wieder Friede ist, wenn Sie das Pfarreiblatt mit diesem Artikel in den Händen halten. Und so ist die Frage, ob schon Friede ist, berechtigt.

 

Hoffen in Krisenzeiten
Unzählige Berichterstattungen in den Medien berichten zurzeit über das Kriegsgeschehen und über die Folgen für die Zivilbevölkerung. Kann oder darf trotzdem über den Frieden nachgedacht und gesprochen werden oder ist es nur naiv, in diesen Zeiten überhaupt daran zu glauben oder gar auf Frieden zu hoffen?
Johan Galtung gilt als Gründungsvater der Friedens- und Konfliktforschung. Im Jahre 1959 gründete er in Oslo das erste Friedensforschungsinstitut Europas. Galtung ist überzeugt davon, dass wir Menschen die innere Neigung und Kraft besitzen, Probleme auch anders zu lösen als mit Gewalt. Zu dieser Haltung gehören Mitgefühl, Kreativität, Wissen, Optimismus und auch ein langer Atem.

 

Der Feigenbaum
In schwierigen Zeiten schöpfen Menschen ihre Hoffnung aus Visionen und Bildern. Auch das Buch der Bücher – die Bibel – lebt von solchen Bildern und Visionen. Neben dem Olivenbaum ist der Feigenbaum im Land der Bibel eine der wichtigsten Pflanzen. So sind auch Weisheiten mit dem Feigenbaum verbunden.

Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben,
erkennt ihr, dass der
Sommer nahe ist.
(Mk 13,28)

Es ist ein Aufruf für Hoffnung und Zuversicht. Menschen, die sich gewaltlos für den Frieden engagieren, bergen sich in solchen Bildern und Sätzen. «Oh, das ist aber nicht viel», denken Sie vielleicht. Und dennoch stärken solche Bilder und Sätze die Hoffnung auf Frieden. Mögen auch Sie daraus Kraft schöpfen.

 

Regina Osterwalder

 

 

Pfarreiblatt April

Pfarreiblatt April


Palmsonntag: Auf dem Weg zum Osterfest. (Foto: Yves Zurkirch)

 

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Leitartikel: Auf dem Weg zum Osterfest

 

Am Palmsonntag beginnen Christinnen und Christen die „Heilige Woche“. Am Ende dieser Woche steht der Höhepunkt an: das Osterfest. Alle Gläubigen sind eingeladen, hineinzugehen in das Geheimnis vom Tod ins Leben.

 

Der Palmsonntag bildet sozusagen das Eingangstor in die Karwoche. An vielen Orten werden im Palmsonntags-Gottesdienst Palmprozessionen durchgeführt. In Erinnerung an die Palmzweige, die zum Einzug Jesu in Jerusalem geschwenkt wurden, tragen Kinder, Jugendliche und Erwachsene Palmen in die Kirche. Es heisst in der Liturgie: «Wie einst das Volk von Jerusalem Jesus zujubelte, so begleiten auch wir jetzt den Herrn und singen ihm Lieder.»

 

Alle sind eingeladen, bewusst in diesen Tagen einzutreten und uns einzureihen unter diejenigen, die seinerzeit den Einzug von Jesus in Jerusalem mitverfolgten.

 

Im Matthäus-Evangelium steht:

Viele Menschen breiteten
ihre Kleider auf der Strasse aus, andere schnitten Zweige
von den Bäumen und
streuten sie auf den Weg.
Die Leute aber, die vor ihm hergingen
und die ihm folgten, riefen:

«Hosanna dem Sohn Davids!
Gesegnet sei er,
der kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe.»

 

Viele Menschen fragten: Wer ist das?

In der Karwoche ist auch meine Antwort gefordert. Die «Heilige Woche» läuft im Leben Jesu auf die grosse Entscheidung zu, sich wirklich ganz dem Willen des Vaters anzuvertrauen. Hier und heute gilt diese Einladung auch für alle Christinnen und Christen. Vertrauensvoll den eigenen Glaubensweg weitergehen in der Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass am Ende der Osterjubel steht.

 

Felix Bütler-Staubli

Pfarreiblatt März

Pfarreiblatt März


Was bedeutet fasten: verzichten, beten und sich besinnen? (Fotos: Canva)

 

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Leitartikel: Fastenzeit – die Zeit der Besinnung

Am 2. März beginnt für uns Christen die Fastenzeit: 40 Tage des Verzichts, des Gebets und der Besinnung. Für die einen spielt das Fasten eine untergeordnete Rolle, andere nehmen es durchaus ernst. Inzwischen hat sich der Begriff des Fastens respektive Verzichts verschoben. Seltener wird wirklich beim Essen gefastet, eher wird geschaut, auf was im Leben bewusst in dieser Zeit verzichtet werden könnte: Sei es der Internet-Konsum, die Handy-Nutzung oder Genussmittel wie Alkohol und Süssigkeiten.

 

Das Verzichten verfolgt keinen Selbstzweck, sondern dient der Vorbereitung auf das wichtigste Fest für uns Christen: dem Osterfest. Jedes Jahr stellt sich die Frage neu: Was bedeutet Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung für mein Leben?

 

Pro Nobis – für uns

Dieses Jahr bietet sich aufgrund der aktuellen Diskussion rund um das Impfen, den Freiheitsbegriff und das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Blick auf Jesu Motivation für seine Worte und sein Wirken an. Stets war er für die Menschen da, auch wenn es für ihn gefährlich wurde. Er stellte sich vor Menschen, die gesteinigt werden sollten. Er ass an einem Tisch mit Zöllnern, die in der Gemeinschaft verhasst waren. Immer riskierte er dabei sein eigenes Leben. Auch heilte er Menschen an Leib und an Seele bis zur Erschöpfung. Sein Leben war auf die Mitmenschen ausgerichtet – auf uns. Ja, er lebte für uns – pro nobis. Er nahm auch Auszeiten des Gebets und des Rückzugs, was sein Liebesgebot unterstreicht: Liebe Gott, den anderen und dich selbst.

 

Der Kreuzestod

Am Kreuz erfolgt der Höhepunkt seines Wirkens für uns und alle Menschen: Er gibt sein Leben, nimmt die Schuld von uns allen auf seine Schultern und ermöglicht uns ein neues Leben ohne Schuld. Seine Auferstehung bestätigt das neue Leben und schenkt uns Hoffnung auf einen immer wieder möglichen Neuanfang.

 

Nachfolge

Wenn wir als Christen Jesus nachfolgen, dann geht unser Denken, Handeln und Wirken über uns selbst hinaus und nimmt auch den Nächsten wahr. Wer das Liebesgebot in seiner dreifaltigen Ausprägung ernst nimmt, tut sich schwer damit, nur die eigene Freiheit und das eigene Recht auf Unversehrtheit zu verteidigen, ohne die Einschränkungen dieser Rechte des anderen zu sehen.

 

Fastenzeit – eine Zeit der Besinnung

Jesus lebte und wirkte für uns. Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt, um anderen wieder ein Leben in körperlicher und seelischer Freiheit zu ermöglichen. Sein Liebesgebot bezieht den anderen, neben Gott und sich selbst, ausdrücklich ein. Zudem leben wir in einer Gemeinschaft, in der das Recht des einzelnen seine Begrenzung dort erfährt, wo es das Recht des anderen einschränkt. In dieser Fastenzeit können wir mal auf etwas ganz Anderes verzichten: auf den alleinigen Blick auf unsere Freiheit und unsere Bedürfnisse. Vielleicht ergibt sich
daraus auch ein anderer Blick aufs Impfen.

 

Johannes Frank

Essbare Wildpflanzen und Wildfrüchte

Essbare Wildpflanzen und Wildfrüchte

(Foto: pixabay.com)

 

Erleben & Wissen und die Ökumenische Fachstelle Diakonie Rontal präsentieren:

Essbare Wildpflanzen und Wildfrüchte

 

Donnerstag, 2. Juni
18.00–20.00 Uhr

 

Bei einem Spaziergang zum Waldrand in Buchrain wird uns die Kräuterfachfrau Elena Lustenberger über die verschiedenen Wildpflanzen erzählen.

Treffpunkt: vor der kath. Kirche Buchrain
Wettertaugliche Kleidung. Bei sehr starkem Regen fällt der Anlass aus.
Kostenlos, ohne Anmeldung

Wir freuen uns über Ihre Teilnahme!

Kontakt:
Ökumenische Fachstelle Diakonie Rontal,
Uta Siebel, 041 440 13 04, 077 503 13 42 oder
sekretariat.buchrain@kathrontal.ch, 041 444 30 20

 

Pfarreiblatt Februar

Pfarreiblatt Februar


Sollen wir den Spuren folgen oder uns an Neuem orientieren? (Foto: Lukas Briellmann)

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Leitartikel: Folge (nicht) den Spuren der Meister

Spuren haben etwas Faszinierendes, vor allem frische Spuren, die wir in einer unberührten Landschaft vorfinden. Sie zeigen in eine Richtung, geben unseren Augen Halt, und wenn wir verunsichert sind und nicht mehr genau wissen, wohin wir uns wenden sollen, folgen wir ihnen gerne.

Vor vielen Jahren durfte ich die Bergwanderung über den Lötschbergpass ins Wallis machen. Von Kandersteg führte der Weg über das wunderschöne Gasterntal hinauf zur Lötschberghütte. Dabei musste ich auch ein kleines Stück über den Lötschegletscher gehen. Als ich da am Rand des Eisfeldes stand, wurde mir sehr bewusst, dass ich mit Gletschern keine Erfahrung hatte. Und da ich alleine unterwegs war, entschloss ich mich, den Spuren einer Wandergruppe zu folgen. Nach einiger Zeit holte ich sie ein, weil sie langsamer wurde. Sie wusste auch nicht mehr, wo es weiterging. Um uns herum waren überall kleine Gletscherspalten. Da wurde mir schon ein wenig mulmig zumute. Ich entschloss mich, umzukehren und meinem eigenen Instinkt zu folgen. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich wieder festen Felsgrund unter meinen Füssen hatte.

Es lohnt sich nicht immer, den Spuren anderer zu folgen. Oder anders gesagt: Wenn ich schon anderen Spuren folge, dann sollte ich mein eigenes Urteilsvermögen nicht ausschalten. Kürzlich stiess ich auf ein Weisheitswort des japanischen Dichters Bashô (1643 – 1694). Dieser schreibt:

Folge nicht den Fussspuren der Meister: Suche, was sie gesucht haben.

Spuren im christlichen Glauben
In unserem Glauben und auf unserem Lebensweg finden wir immer wieder Meister und Vorbilder, die uns beeindrucken. Nicht selten verspüren wir den Drang oder werden sogar dazu aufgefordert, ihren Spuren zu folgen, so auch in unserem christlichen Glauben.

Das Wort von Bashô hingegen sagt mir, dass ich genau das nicht machen sollte. Sonst kann es sein, dass ich an einen Punkt komme, der mich überfordert oder einfach nicht meinen Fähigkeiten entspricht. Vielmehr sollte ich weiter blicken als auf die Spuren unmittelbar vor mir und mich mehr auf das ausrichten, was sie gesucht haben. Dabei darf ich meinen eigenen Weg gehen, in meinem Tempo und mit einem Schwierigkeitsgrad, der zu mir passt.

Sucht und ihr werdet finden!
Bezogen auf unseren Meister, Jesus Christus, heisst das dann, dass ich nicht so werden muss wie er. Meine Füsse müssen nicht in seine Spuren passen. Auch nicht in die Spuren anderer Menschen. Aber was er gesucht und gelebt hat, die Fülle des Lebens und eine Gottesnähe, die zugleich Kraft, Inspiration und Herausforderung ist, diesen Horizont will auch ich suchen und leben – auf meine Art und Weise. «Sucht, und ihr werdet finden!» (Lk 11,9)

Lukas Briellmann

Weihnachtsstimmung im Kafi Fürenand

Weihnachtsstimmung im Kafi Fürenand

Viele glückliche Gesichter konnte der Besuch vom Samichlaus und das gemeinsame «Grittibänze» im Kafi Fürenand im Dezember hervorzaubern.
Im Kafi Fürenand treffen sich Menschen mit verschiedenem kulturellem Hintergrund zur Begegnung und zum Austausch.
Gerade die Bräuche eines Landes üben eine grosse Faszination aus und wurden von allen teilnehmenden Familien mit Freude gefeiert.

Kafi Fürenand
Das Kafi ist offen für alle Menschen. Es findet alternierend in Root, Buchrain und Ebikon statt.
Nächstes Kafi: Dienstag, 25.1.21, von 14 – 16 Uhr, in Buchrain, ref. Begegnungszentrum, Ronmatte 10.
Gäste und Freiwillige sind immer herzlich willkommen.
Kontakt: Uta Siebel, 041 440 13 04 (Di – Do) oder uta.siebel@kirchenrontal.ch

Uta Siebel, Leitung Kafi Fürenand
Ökumenische Fachstelle Diakonie Rontal

Pfarreiblatt Januar

Pfarreiblatt Januar


Aus einer Krise wachsen und die Hoffnung nicht verlieren. (Foto: Dunja Kohler-Pfister)

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Leitartikel: Die Kirche – Kraftort in der Krise

Das Wort Krise ist in aller Munde: Sei es die Klimakrise, humanitäre Krise, Flüchtlingskrise oder die Sinnkrise, Kirchenkrise, Glaubenskrise und seit bald zwei Jahren nun auch die Corona-Krise. Fast täglich erscheint das Wort in unterschiedlichem Kontext in den Medien – gesprochen oder gedruckt. Bei Redaktionsschluss endete gerade die UN-Klimakonferenz in Glasgow. Es ist allen bewusst – die Krisen enden nicht am Ende eines Jahres. Wir nehmen sie mit in ein neues Jahr.

Über die Ergebnisse der Klimakonferenz in Glasgow, die am 13. November 2021 zu Ende ging, waren sich nicht alle einig. Unzufrieden waren am Ende die vielen Klima-Aktivist*innen sowie Klimaforschende. Da kommt einem der Satz aus dem Römerbrief in den Sinn. Da heisst es:

Wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zum heutigen Tag mit uns seufzt und in den Geburtswehen liegt.
Röm 8,22

Zehntausende Menschen demonstrierten in Glasgow während der Klimakonferenz für mehr Klimaschutz. Auf ihren Plakaten stand nicht der Satz aus dem Römerbrief – das muss es auch nicht – sondern beispielsweise «Fossile Brennstoffe haben keine Zukunft» oder «Verteidigt die Zukunft». In Krisenzeiten sich nicht ohnmächtig und stumm zurückzuziehen, sondern aktiv zu werden, das ist eine von mehreren Möglichkeiten, mit Krisen umzugehen.

Vom Wünschen und Beten
«In den alten Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen hat» – so beginnt das Märchen vom Froschkönig. Was würden Sie antworten, wenn eine  Fee zu Ihnen sagen würde: «Du hast drei Wünsche frei»?

Wünschen gehört zu den Märchen wie das Beten zur Kirche, oder? «Beten ist Wünschen – nur feuriger!» war einer der Lieblingssätze der evangelischen Theologin und Dichterin Dorothee Sölle (1929-2003). Der Satz stammt ursprünglich aus der deutschen Literatur von Jean Paul (1763-1825).

Der lichtvolle Kraftort in unseren Kirchen
In katholischen Kirchen gibt es einen Ort, an dem täglich Kerzen flackern. Menschen kommen in die Kirche mit ihren Hoffnungen, ihren Sorgen und auch ihren Anliegen und zünden dafür eine Kerze an. Mit dem Kerzenanzünden vertrauen sie oftmals auch eine ihnen wichtige Person Gott oder der Mutter Gottes an. Meist brennen da bereits einige Kerzen. «Aha, da waren vor mir schon andere da!», denken sie. Und das kann verbinden. Die Menschen vertrauen darauf, dass ihre Anliegen in guten Händen sind. Und manchmal liegt bei den Kerzen auch ein Buch auf, in das sie dann ihre Fürbitte reinschreiben können.

Einen Ort haben in Zeiten der Krise
Überall auf der Welt, wo in Kirchen solche Kerzen zum Anzünden bereitstehen, kommen die Menschen hin und zünden Kerzen an für Menschen, die einen Platz in ihrem Herzen haben. Sie wissen, dieser Mensch braucht heute ein Licht und ein Gebet. Und bevor die Menschen die Kirche wieder verlassen, spüren sie – da ist jemand aus einer andern Welt, der hinhört und hinschaut, und alles wird gut.

Regina Osterwalder

Pfarreiblatt Dezember

Pfarreiblatt Dezember


Krippe in der Pfarrkirche Ebikon. (Foto: marabu-fotografik.ch)

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Leitartikel: Kleiner Gott

Gott ist stark. Allmächtig. Ewig.
Gott wohnt im Himmel.
So kennen es viele. Davon singt auch das Kirchenlied «Grosser Gott, wir loben dich»: «Herr, wir preisen deine Stärke. […] Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit. […] Starker Helfer in der Not, Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm.»

Das alles ist zutreffend. Wir haben einen ewigen, grossen, mächtigen Gott.
– Ewig: Gott hat keinen Anfang und kein Ende.
– Gross: Gott umfasst alles Lebendige und sogar Materielle.
– Mächtig: In der Verbindung mit Gott ist Unvorstellbares möglich.

Doch sind diese Superlative nur die eine Seite unseres Glaubens. Die andere Seite:
– Der ewige Gott wird Mensch. Er bindet sich damit ganz konkret und fassbar an Zeit, Ort und Materie.
– Der grosse Gott wird Mensch in einem kleinen Kind. Mehr Solidarität mit den Menschen ist nicht möglich. Der ferne Gott ist auch ein unendlich naher Gott.
– In Jesus liefert sich Gott den Menschen aus – bis zum Tod am Kreuz. Gott ist genauso (all)mächtig und ohnmächtig, wie die Liebe (all)mächtig und ohnmächtig ist.

Weihnachten ist das Fest einer wundervollen Verbindung:
Gott ist menschlich.
Himmel und Erde kann ich nicht mehr trennen.
Geist und Materie gehören zusammen.
Kleines kann unendlich wertvoll sein.
Was zählt, ist die Liebe.

«Kleiner Gott, wir lieben dich»
Ich singe «Grosser Gott, wir loben dich» gern. Es drückt einen tiefen Inhalt unseres Glaubens aus.
Doch vor ein paar Jahren habe ich eine weihnachtliche Version dieses Lieds erhalten: «Kleiner Gott, wir lieben dich». Diese Fassung gefällt mir ebenso gut. Sie verkündet für mich die andere Seite unseres Glaubens. Die Worte lassen sich mit der Melodie von «Grosser Gott» singen – Nummer 175 in unserem katholischen Kirchengesangsbuch.

Kleiner Gott, wir lieben dich.
Kind, uns rührt das Schwache, Zarte.
Wieder zeigt an Weihnachten sich:
Weiches bricht das Starke, Harte.
Klein fängst du auf Erden an,
dass der Mensch dich lieben kann.

Gott zeigt sich als Menschenkind,
denn wir fürchten seine Grösse.
Weil wir eingeschüchtert sind,
zeigt er sich in seiner Blösse.
Und er zittert und er friert,
dass der Mensch die Angst verliert.

Kleiner Gott, dich lieben wir.
Klein ist auch dein Reich auf Erden.
Gute Menschen dienen dir
und dein Reich wird grösser werden.
Friede sei in diesem Haus
und dring in die Welt hinaus.

Konrad Engler

Vielleicht eine Idee für Ihre private weihnachtliche Feier?

Andres Lienhard

Pfarreiblatt November

Pfarreiblatt November


Wurzeln bedeuten Leben. Wie habe ich gelebt? (Foto: pixabay.com)

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Leitartikel: Abschied, Hoffnung, Zuversicht

Anfang November feiern wir Allerheiligen und Allerseelen. Für viele ist der November ein Totenmonat. Deshalb mögen sie ihn nicht, weil der Tod und das Sterben nicht mehr sein darf. Ich persönlich finde es schade, dass der Tod und das Sterben negiert werden. Sie haben keinen Platz in unserer modernen Welt.

Abschiedlich leben
Für mich ist das Wissen darum, dass ich nicht ewig auf dieser Erde lebe, ein Ansporn, meine Wünsche und meine Vorstellungen von einem guten Leben jetzt umzusetzen und nicht immer wieder auf später zu verschieben. Vielleicht hilft uns die gegenwärtige Krise, diesem Aspekt wieder mehr Gewicht zu geben …

Franz von Assisi spricht vom Tod als einer «Schwester». Der Tod ist mitten im Leben eine Einladung, sich zu fragen: Wie habe ich bisher gelebt? Wie bin ich so geworden, wie ich heute bin? Bereits Kohelet/Prediger hat geschrieben:

Ich war zu der Erkenntnis gekommen:
Das einzige, was der Mensch zu seiner Freude tun kann, ist,
dass er sein Leben geniesst, solange er es hat.
Koh 3.12, aus:
Die gute Nachricht
in heutigem Deutsch – die Bibel

Verwurzelt im Leben
Viele Menschen empfinden den November als trist, trostlos und kahl. Die Bäume haben die Blätter verloren und das Leben zieht sich zurück. Nebel und Regen wechseln sich ab. Der Novemberblues mit Traurigkeit und Melancholie gehören wieder eher zur Tagesordnung.

Diese Zeit hat auch positive Seiten. Es ist der Monat, in dem wir wieder mit unsern Wurzeln in Berührung kommen können. Die kurzen Tage laden ein, wieder vermehrt zu Hause zu bleiben. Rückzug vom Aussen ins Innen. So wie ein Baum ohne ein tiefreichendes Wurzelwerk in der Erde nicht leben kann, so müssen auch wir immer wieder zu unseren Wurzeln zurückkehren. In diesem Monat können wir wieder unsere Wurzeln entdecken, beispielsweise beim Gang über die Gräber.

Orientierungspunkte
Die Heiligen zeigen uns durch ihr Wirken unsere eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Sie waren nicht perfekt, sondern Menschen, deren Schwächen und Wunden durch Gott geheilt wurden. Sie vermitteln Hoffnung und Zuversicht.

Nicole Sigrist

Pfarreiblatt Oktober

Pfarreiblatt Oktober


Sonnenuntergang in Umbrien, der Heimat von Franz von Assisi. (Foto: Lukas Briellmann)

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Leitartikel: Sonnengesang für die Zukunft

Nach dem eher durchzogenen Sommer sehnen wir uns alle nach einem goldenen Herbst. Es soll eine Zeit sein, in der wir nochmals Sonne tanken und die vielen Farben und die Früchte der Erde geniessen dürfen; eine Zeit, die uns mit den Worten des Sonnengesangs des heiligen Franz von Assisi sagen lässt: «Gelobt seist Du, Gott, für Mutter Erde, für Wasser, Sonnenschein, Feuer und Wind und für alle Geschöpfe.»

Doch wenn wir die letzten Monate zurückblicken, dann sehen wir in vielen Teilen der Welt eine andere Wirklichkeit. Wohin wir auch blicken, haben wir eine Anti-Fassung des wunderbaren Sonnengesangs des heiligen Franz erfahren. Da kamen Hagelstürme und zerstörerische Wasserfluten statt der «demütigen, kostbaren und keuschen Schwester Wasser». Da gab es fürchterliche Hitzewellen statt einer Sonne, «die Glanz und Sinnbild ist des Höchsten». Da brannte das Feuer ganze Landstriche nieder statt mit seinem Licht und seiner Wärme ein Bruder zu sein, «der die Nacht erhellt, kraftvoll ist und stark». Und «unsere Schwester, Mutter Erde, die uns ernährt und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt» wird weltweit schonungslos ausgebeutet, bedroht und vergiftet. Die Sorge darum zeigte sich auch in der Schweiz in den beiden Agrarinitiativen, über die wir im Juni abstimmten, und den wiederholten Klima-Demos. Könnte da Franz von Assisi immer noch «Gelobt seist Du», «Laudato si» singen?

Laudato si
Im Jahr 2015 hat Papst Franziskus in seiner Enzyklika
«Laudato si» die grosse Sorge um den Zustand von Gottes Schöpfung ausgedrückt. Darin zitiert er den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus, der mit unmissverständlichen Worten sagt: «Dass Menschen die biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung zerstören; dass Menschen die Unversehrtheit der Erde zerstören, indem sie Klimawandel verursachen, indem sie die Erde von ihren natürlichen Wäldern entblössen oder ihre Feuchtgebiete zerstören; dass Menschen anderen Menschen Schaden zufügen und sie krankmachen, indem sie die Gewässer der Erde, ihren Boden und ihre Luft mit giftigen Substanzen verschmutzen – all das sind Sünden.» Denn «ein Verbrechen gegen die Natur zu begehen, ist eine Sünde gegen uns selbst und eine Sünde gegen Gott.» («Laudato Si» 8)

Schönheit, Zerstörung, Umkehr
Es gibt sie Gott sei Dank, diese Orte und Momente, in denen wir die Schönheit der Schöpfung sehen, erkennen und besingen. Besonders in der Schweiz sind wir diesbezüglich privilegiert. Aber im Blick auf die weltweiten Zeichen von Extremwetter, von Ausbeutung und Zerstörung, kommen wir um eine persönliche und gesellschaftliche Umkehr nicht herum. Wir können uns noch ewig streiten, ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht. Aber ich werde den Verdacht nicht los, dass wir uns mit diesen ewigen Grundsatzdiskussionen nur den Aufruf nach Umkehr und der Änderungen unseres Lebenswandels vom Leibe halten – und es dabei verpassen, unsere Verantwortung für die Schöpfung Gottes wahrzunehmen und etwas gegen die fortschreitende Zerstörung zu tun. Es ist zugegebenermassen nicht einfach und angenehm, sich diesen Fragen zu stellen und seine Lebensweise zu ändern. Aber wenn wir wie der Hl. Franz diese Hymne an die wunderbare Schöpfung, unsere aller Heimat heute singen, dann können wir doch gar nicht anders, als alles daran zu setzen, dass dieser Sonnengesang auch in Zukunft gesungen werden kann, von allen Menschen, in der ganzen Welt.

Lukas Briellmann

 

Gebet für unsere Erde

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls
gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschliesst,
giesse uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen, hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden. AMEN

Gebet aus der Enzyklika «Laudato Si»

Pfarreiblatt September

Pfarreiblatt September

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Leitartikel: Seid mutig!

Das Motto des eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettags lautet dieses Jahr «Mut» (siehe auch Seite 23). Zuerst bin ich mit diesem Stichwort auf eine Stelle im ersten Korintherbrief gestossen. Dort heisst es: «Seid mutig!» (1 Kor 16,13). In einem digitalen Wörterbuch erfahre ich, dass das griechische Wort dafür auch als «Verhaltet euch wie ein Mann!» übersetzt werden könnte. Da aber Männer genau wie Frauen recht unterschiedliches Verhalten zeigen, hilft mir diese Umschreibung nicht wirklich weiter. Welche Bilder ruft das Wort Mut bei Ihnen hervor? Hier zwei biblische Bilder, die mir eingefallen sind.

Die hässliche Lea (Gen 29,15–30)
Erinnern Sie sich daran, wie sich Jakob in die schöne Rahel verliebt und sieben Jahre lang für ihren Vater Laban gearbeitet hat, um sie sich zu verdienen? Als die sieben Jahre um sind, schmuggelt Laban dem armen Jakob die hässliche ältere Schwester Lea ins Hochzeitsbett. Wie ging es Lea wohl in dieser Situation? Mut kann definiert werden als die Fähigkeit, seine Angst zu überwinden. Ich an Leas Stelle, hätte in dieser Situation grosse Angst vor den Konsequenzen eines solchen Heiratsschwindels für mein zukünftiges Leben gehabt. Aber hatte sie eine andere Wahl, als ihrem Vater zu gehorchen? Welche Alternativen hatte sie? Ist man auch dann mutig, wenn man sich in eine schwierige Situation schickt und versucht, das Beste daraus zu machen?

Die Dirne Rahab (Jos 2)
Zwar hat Mose das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt, aber erst unter Josua wurde das gelobte Land erobert. Zuvor hat Josua jedoch zwei Kundschafter nach Jericho geschickt. Diese vernachlässigen ihre Pflichten und gehen auf direktem Weg zu einer Prostituierten namens Rahab. Dummerweise erfährt der König Jerichos von der Präsenz feindlicher Spione und sendet seine Soldaten aus. Nur dank Rahabs Hilfe gelingt den Kundschaftern die Flucht. Hierin könnte man die stärker politisch ausgerichtete Definition von Mut erkennen, nämlich die Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält. Ihr mutiges Eingreifen hat Rahab denn auch einen Platz in Jesu Stammbaum im Matthäusevangelium eingebracht.

Ist Mut gut?
Beim Nachdenken über Mut habe ich realisiert, dass dieser Begriff für mich intuitiv positiv konnotiert ist. Auch in der Bibel wird Rahab als Heldin dargestellt, weil sie das Volk Gottes unterstützt hat. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die damaligen Bewohner*-
innen Jerichos, die später Opfer der Eroberung wurden, Rahab vielleicht eher eigennützige Motive unterstellen würden – etwa dass sie sich im Falle einer Eroberung absichern wollte. Bei Leas Geschichte stellt sich mir zudem die Frage, welche Ängste man überwinden muss, um als mutig zu gelten und welche Ängste zurecht oder zu Unrecht belächelt oder sogar als krankhaft eingestuft werden. Sie sehen: Fragen über Fragen. Aber lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen.

Christa Grünenfelder

 


 

Ökumenischer Gottesdienst im Rontal
Zum eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag: 19. September, 9.30 Uhr, Pfarrkirche Ebikon

 

Zehn Schritte zu mehr Geschwisterlichkeit

Zehn Schritte zu mehr Geschwisterlichkeit


Illustration © 2021 Katholische Kirche im Kanton Luzern

Die katholische Landeskirche Luzern schlägt „Zehn Schritte zu einer geschwisterlichen Kirche von Frauen und Männern“ vor. Die von einer Arbeitsgruppe erarbeiteten Schritte sollen zu einer Kirche führen, die „Gleichberechtigung im Sinne des Reiches Gottes“ konsequent umsetzt. Mehr dazu lesen Sie im Juni-Pfarreiblatt und auf → www.geschwisterliche-kirche.ch.

 

 

Kirchensteuern sei Dank!

Kirchensteuern sei Dank!

Wissen Sie, was Sie mit Ihrer Kirchensteuer ermöglichen … und dass weit mehr als 90 % der von Ihnen bezahlten Kirchensteuer «in Ihrer Gemeinde» bleibt, um hier vieles zu bewirken?

Auf → www.kirchensteuern-sei-dank.ch entdecken Sie gleich selbst, wo Ihr Geld hinfliesst.

In den Pfarreiblattausgaben von Mai und Juni finden Sie zusätzliche Informationen und zeitgleich auch auf unserer Website.

Wertschätzende Pastoral – uns ein Herzensanliegen

Wertschätzende Pastoral – uns ein Herzensanliegen

Zu einer wertschätzenden Seelsorge gehört auch das Segnen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*personen und Intersexuellen (LSBTI). Die Kongregation für die Glaubenslehre hat verkündet, dass es nicht möglich ist, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Diese Mitteilung stösst auf Kritik und verletzt homosexuelle und lesbische Menschen. Unser Bischof Felix Gmür hat auf diese Nachricht auf Twitter reagiert: «Das vatikanische Segnungsverbot für homosexuelle Paare entspricht der traditionellen Lehre. Theologie und Seelsorge müssen sich jedoch auch in diesem Bereich weiterentwickeln. Dazu dient unsere Regenbogenpastoral.»

In einem Schreiben an die Seelsorger*innen teilt Bischof Felix Gmür mit, dass kein Mensch vom Segen Gottes ausgeschlossen sei. Er unterstützt eine wertschätzende Pastoral gegenüber lesbischen und schwulen Menschen, für die wir auch im Pastoralraum Rontal einstehen. Seit Jahren schon gibt es in unserem Bistum Basel die → «Regenbogenpastoral» in Anerkennung der verschiedenen Lebensentwürfe und vielfältigen Liebesgemeinschaften, die Menschen wählen. Wir vertreten die Ansicht, dass nicht die sexuelle Orientierung, sondern die gegenseitige Liebe das Zentrale ist, das Menschen miteinander verbindet. Es ist diese Liebe, die Gott segnet, und die Sexualität ist das Geschenk, das Gott uns dabei gibt. Und so sind bei uns alle Menschen willkommen, ihre Liebe unter den Segen Gottes zu stellen.

Beat Jung, Leitender Priester
Regina Osterwalder, Pastoralraumleiterin und Gemeindeleiterin Ebikon
Lukas Briellmann, Gemeindeleiter Root
Felix Bütler-Staubli, Gemeindeleiter Buchrain-Perlen

Pfarreiblatt August

Pfarreiblatt August

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Leitartikel: Das Kreuz in der Flagge

Es gibt Zeichen und Symbole, die sind allgegenwärtig. Zeichen und Symbole helfen bei der Orientierung. Ohne sie ist der Strassenverkehr undenkbar. Die Technik ebenso. Auch in den Beziehungen gibt es sie – denken wir an Ringe, Blumen, kleine Aufmerksamkeiten.

Ein Zeichen ist auch unsere Schweizer Flagge. Das weisse Kreuz auf rotem Grund. Das Symbol geht auf die Schlacht bei Laupen im Kanton Bern im Jahr 1339 zurück. Schweizer Soldaten nähten es auf ihr Hemd, um sich gegenseitig zu erkennen. Zum offiziellen Zeichen unseres Landes wurde es im Jahr 1848.

Dabei darf unsere Flagge nicht irgendwie aussehen. Alles ist genau festgelegt. Ihr Rot ist die Pantone-Farbe 485C. Die Arme des Kreuzes sind exakt um einen Sechstel länger als breit. Und neben derjenigen des Vatikans ist die Schweizer Flagge weltweit die einzige in quadratischer Form.

Alltägliches wird mit der Zeit kaum mehr beachtet. Der Inhalt wird nicht mehr bewusst wahrgenommen. Unserer Flagge geht es ebenso. Darum der Hinweis: Gross in der Mitte – ein Kreuz. Das Kreuz. Es ist das christliche Kreuz.

Egal, was in früheren Zeiten unter diesem Zeichen alles geschehen ist, Rühmliches und Unrühmliches: Das christliche Kreuz ist Zentrum unserer Flagge. Die Politik hat bei ihrer Offizialisierung bewusst darauf Bezug genommen. Der christliche Glaube war allgegenwärtig.

Was immer dieses Zeichen auslöst: Das Kreuz erinnert auch heute an Jesus. An das, was er gesagt und getan hat. Dass Jesus vorgelebt hat: Nicht Gewalt, Egoismus und Reichtum führen zum Glück, sondern Friedensbereitschaft, gegenseitige Achtung und Liebe. Kein Mensch ist weniger «wert» als ein anderer. Jeder Mensch ist einzigartig. Wir sind aufeinander angewiesen.

Das Kreuz in unserer Flagge ist weiss, hell. Für mich bedeutet dies: Das Kreuz möchte nicht niederdrücken. Sondern Hoffnung, Mut und Vertrauen schenken. Umflossen wird das Kreuz vom Rot, der Farbe der Liebe. Sie geht in alle Ecken, in alle Himmelsrichtungen. Liebe, echte Liebe, sollen alle Menschen erfahren können.

Unsere Nationalflagge – ein herausforderndes Zeichen. Die Schweiz darf zu ihrer Geschichte und ihren Werten stehen.
Gleichzeitig sind wir – gerade als Christi*nnen – aufgerufen, das Zentrum unserer Flagge lebendig zu erhalten. Den Geist von Jesus zu leben. Dort wo wir denken, reden und handeln.

Andres Lienhard, Pfarreiseelsorger Ebikon

Pfarreiblatt Juli

Pfarreiblatt Juli

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Leitartikel: Juli – die perfekte Welle

Im Sommer 2004 veröffentlichte die deutsche Popgruppe «Juli» den Song «Die perfekte Welle». Der Song passt wunderbar zum Sommerfeeling und wurde ein grosser Hit. Doch dann, ein paar Monate später, ereignete sich das furchtbare Erdbeben im Indischen Ozean, das einen riesigen Tsunami auslöste. Die gigantische Welle kostete über 200 000 Menschen das Leben. Die Betroffenheit war auf der ganzen Welt so gross, dass es unmöglich wurde, den Hit «Die perfekte Welle» weiterhin zu spielen.

Unterschiedliche Wellen
Seit mehr als einem Jahr wird die Welt von einer anderen Art Welle erfasst: die Pandemie, ausgelöst durch das Coronavirus. Auch hier ist das Ausmass riesig. Mittlerweile ist es auch nicht bei nur einer Welle geblieben. Weitere folgten und legten nicht nur das gesellschaftliche Leben in weiten Teilen lahm, sondern forderten auch viele Todesopfer und Langzeitbeschwerden bei Erkrankten.

Vom Meer lernen
Mittlerweile sind wir wieder im Sommer angelangt. Für viele beginnt die Ferienzeit. Die Planung war auch in diesem Jahr nicht einfach. Die Voraussetzungen änderten sich ständig. Wohin können wir überhaupt fahren? Welche Auflagen gibt es, wenn wir ans Meer wollen? Wird es Reisebeschränkungen für Ungeimpfte geben?

Vor vielen Jahren erzählte mir John von seinem Glaubensweg und verglich ihn mit seiner Erfahrung als Surfer. Das Meer lehrt uns, dass wir von etwas Grösserem umgeben sind, das wir nicht kontrollieren und planen können. Nur wenn wir uns darauf einlassen, können wir es für uns nutzen. Seine Augen leuchten, als er vom Gefühl erzählte, wenn man eine perfekte Welle erwischt: diese Energie, dieses Getragen sein, das Salz, die Sonne, die Gischt war für ihn vergleichbar mit seiner Gotteserfahrung. Es gibt Wellen, die können zerstören. Aber es gibt auch Wellen, die tragen, geben Kraft, lassen das Herz sprudeln vor Freude, eröffnen eine spirituelle Dimension. Wir können das Meer des Lebens, in dem wir uns befinden, nicht ändern, aber wir können versuchen, die Kräfte und Strömungen gut zu nutzen und uns von den Wellen tragen zu lassen, so wie sie eben kommen. Diese Sommerzeit, ja jeder Tag bietet diese Möglichkeit an, von der auch der Refrain des Songs «Die perfekte Welle» singt:

Das ist die perfekte Welle,
das ist der perfekte Tag,
lass dich einfach von ihr tragen,
denk am besten gar nicht nach.
Juli

Lebe in den Sommer hinein und finde an jedem Tag etwas, das dich trägt!

Text und Foto: Lukas Briellmann

Pfarreiblatt Juni

Pfarreiblatt Juni

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Leitartikel: Kirchensteuer gut angelegt

Die Aussage eines Kirchgängers «ihr seid ja nur interessiert an meiner Kirchensteuer» stimmt so für alle, die in der Pfarreiseelsorge engagiert sind, nicht. Was aber stimmt: Dank der Kirchensteuern können die Kirchgemeinden im Rontal Personal anstellen, Kirchen und Gebäude, also Kulturgüter renovieren und in Stand halten, lokale Vereine unterstützen, Räume zur Verfügung stellen und vieles mehr.

Die Dienstleistungen der Kirchen im Rontal sind vielfältig und sind dank der Kirchensteuern möglich. Weit über 90 Prozent der Kirchensteuern bleibt in der Region. Die Katholische Kirche im Kanton Luzern lanciert aufgrund der steigenden Kirchenaustritte die Kampagne «Kirchensteuern sei Dank», um die Menschen darüber zu informieren, wie viel Gutes mit den Kirchensteuern bewirkt wird.

Zum Beispiel Dienst am Nächsten
Dank der Kirchensteuern der katholischen und reformierten Kirchen im Rontal konnte die Ökumenische Fachstelle Diakonie Rontal aufgrund der grossen Nachfrage seit Anfang dieses Jahres aufgestockt werden. Diese soziale Einrichtung berät und unterstützt Menschen im Rontal und versteht sich als Drehscheibe. Ein Projekt der Fachstelle ist beispielsweise der Kleiderraum. Seit Oktober 2020 gibt es ihn im Pfarreiheim Ebikon für armutsbetroffene Menschen im Rontal. Der grösste Teil der Kirchensteuern fliesst in die Seelsorge vor Ort, in der Menschen und ihre Angehörige durch’s Leben begleitet werden – von der Taufe über die Hochzeit, in Beziehungs- und Lebenskrisen, bei Krankheit und bis zum Tod. Dafür erhalten die Mitarbeitenden ihren Lohn. Hinter allen Angeboten in den Pfarreien und im Pastoralraum Rontal stehen Mitarbeiter*innen, die mit viel Herzblut ihre seelsorgerlichen Dienste tun.

Zum Beispiel Medien
Wenn Sie diesen Artikel lesen, dann halten Sie ein zentrales Printmedium in den Händen – das Pfarreiblatt (ausser, wenn Sie den Artikel online lesen – und auch Online-Kommunikation ist uns wichtig). Dank der Kirchensteuern wird dieses Medium finanziert und sind Sie regelmässig und monatlich darüber informiert, was hier im Rontal im kirchlichen Alltag tagtäglich geschieht und auf die Beine gestellt wird. Informationen über Angebote werden auch auf den Websites und auf anderen digitalen Medien aufgeschaltet. So verfügt beispielsweise die Pfarrei Root über eine → Facebook-Seite und Sie sind eingeladen, auf → www.kathrontal.ch unseren → Blog «Mut-Worte» zu abonnieren.

Zum Beispiel Bildungsauftrag
Ausgebildete Religionslehrpersonen sind im Rontal im Bereich BIG (Begegnung im Glauben) tätig. Sie unterrichten die Kinder und Jugendlichen im Religionsunterricht und bereiten sie auf die Sakramente vor. Sie begleiten sie durch Weitergabe und Stärkung des Glaubens im Religionsunterricht und darüber hinaus in der Katechese. In den sogenannten → WAPF-Angeboten (Wahlpflichtanlässe) wird den Lernenden die Chance geboten, Menschen mit einer Geschichte zu begegnen und in verschiedenen Angeboten besondere Erfahrungen zu machen. Dazu wählen die Schüler*innen aus einem umfangreichen ausserschulischen Angebot aus. Sie können sich beispielsweise anmelden für den Anlass «Pilgern auf dem Jakobsweg» oder «Dem Himmel entgegen … joggen aufs Michaelskreuz!» Auf dem Weg zum Michaelskreuz werden Pausen gemacht, in denen Impulse zum Nachdenken, Grübeln, Schmunzeln und meditieren gegeben werden. Glaube wird damit nicht nur als geistiger Akt, sondern auch körperlich erfahrbar.

Wollen Sie noch mehr erfahren, was Sie mit Ihren Kirchensteuern alles möglich machen? Weitere Informationen erhalten Sie im Faltblatt der katholischen Kirche im Kanton Luzern (dem Juni-Pfarreiblatt beiliegend und in unseren Kirchen, Pfarrämtern und Pfarreiheimen aufliegend), auf → www.kirchensteuern-sei-dank.ch oder natürlich immer auch in Begegnung und in Gesprächen mit den kirchlichen Mitarbeiter*innen im Rontal.

Regina Osterwalder, Pastoralraumleiterin

Pfarreiblatt Mai

Pfarreiblatt Mai

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Leitartikel: Gegrüsset seist du Maria

Im Hinblick auf den Marienmonat Mai habe ich mich auf die Suche nach Maria gemacht. Mich fasziniert an Maria, dass eine Frau, über die wir aus der Bibel nur wenig wissen, über Jahrhunderte hinweg auf unterschiedlichste Weise vielen Menschen zum Vorbild geworden ist. Etwa meiner Grossmutter, die zusammen mit anderen Frauen die Lourdesgrotte in Wangs pflegte und regelmässig morgens mit Nachbarinnen den Rosenkranz betete. Oder einigen feministischen Theologinnen, für die Maria eine Frau mit starkem Glauben ist, die mutige Entscheidungen trifft und von Gerechtigkeit träumt. Diesen Aspekt wollte ich weiterverfolgen.

Was schätzen Sie an Maria?
Natürlich ist es problematisch, wenn Maria oder andere Berühmtheiten zu einem idealen Menschen zurechtgestutzt werden, den man sich selber oder anderen als ein Vorbild vor die Nase hält, das man nie erreichen kann. Aber sich jemanden zum Vorbild zu nehmen, kann auch etwas sehr Kraftvolles sein. Gerade wenn das Vorbild ein Mensch ist, den man gut kennt und von dem man auch schon die Schattenseiten gesehen hat. Das hat mich auf die Idee gebracht, einige Menschen in meinem Umfeld nach den Marias ihres Lebens zu fragen. Konkret habe ich sie gefragt, ob sie eine Maria kennen und was sie an ihr schätzen.

Eine Vielfalt von Antworten
Die Antworten waren unglaublich spannend. Marias sind unsere Schwestern, Freundinnen, Nachbarinnen, Tanten, Schwiegermütter und vieles mehr. Marias können fein kochen, sind grosszügig und schenken vorbehaltlos Vertrauen. Sie stellen ihre Küche bei Regenwetter als Holzchueli-Stall für ihre Grosskinder zur Verfügung und scheuen harte Arbeit nicht. Sie sind intelligente Powerfrauen, die die Welt im Sturm erobern und bereit sind, sich auch nach einem grossen Streit um Versöhnung zu bemühen. Marias laden ein, sich gemeinsam für Frauenanliegen einzusetzen und ermöglichen inspirierende Begegnungen. Auch gibt es Sagenerzählerinnen mit Gespür für das Übersinnliche unter den Marias, die es gleichzeitig schaffen, als junge Witwen ihre fünf Kinder durchzubringen. Es war für mich sehr inspirierend, von diesen Marias zu hören und ich hatte den Eindruck, dass es auch den Befragten Freude bereitete, von ihren Marias zu erzählen.

Ich kann dieses Experiment nur empfehlen. Natürlich kann man auch einen anderen Namen wählen. Aber Maria war für mich ein guter Start. Auch wenn ich dabei nicht direkt etwas über die biblische Maria gelernt habe, so habe ich diese im Schreibprozess doch irgendwie tiefer ins Herz geschlossen. Schliesslich war sie auch einfach irgendeine Maria, als Gott an ihre Tür geklopft hat.

Christa Grünenfelder, Pfarreiseelsorgerin

Pfarreiblatt April

Pfarreiblatt April

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Leitartikel: Sehen oder staunen

Sehen ist Physik. Auch die Medizin befasst sich mit dem Sehen. Kameras imitieren das menschliche Sehen. Technik simuliert das Sehen verschiedener Tiere. Aber sehen wir tatsächlich, was wir sehen?

Sehen ist etwas sehr Individuelles. Reines, unverfälschtes Sehen gibt es nicht, Sehen ist immer auch Interpretation. Wir sehen, weil unsere Umgebung Licht unterschiedlich reflektiert oder absorbiert. Jedoch wissen wir erst, was wir sehen, wenn unser Gehirn diese Impulse interpretiert. Ich nehme «etwas» anders wahr als Sie, deute es anders, gebe eine andere Bedeutung. Und spätestens seit dem kleinen Prinzen von St. Exupéry wollen wir nicht nur mit den Augen sehen, sondern auch mit dem Herzen – das macht die Sache auch nicht unbedingt einfacher.

Zeit und Entfernung
Dann wären da noch die optischen Täuschungen, die uns Streiche spielen und ausserdem die Faktoren «Zeit» und «Entfernung», die uns verwirren können. Es stellt sich sogar die Frage, ob wir überhaupt sehen, was wir sehen oder ob das, was wir sehen, gar nicht (mehr) existiert. Stellen Sie sich vor, ein Stern ist 2000 Lichtjahre entfernt und erlischt heute. Dann erfahren wir dies erst in 2000 Jahren. Oder umgekehrt: Wir sehen heute noch Sterne, die zur Zeit Jesu bereits erloschen waren.

Ostern sehen oder glauben
Ich versuche, das Ganze umzukehren. Wenn wir davon ausgehen, dass Jesus vor gut 2000 Jahren auf unserem Planeten geboren, kreuzigt und begraben wurde und auferstand … und wir uns vorstellen, dass wir von einem etwas mehr als 2000 Lichtjahre entfernten Himmelskörper aus auf diese Erde blicken würden: Könnten wir dann heute sehen, was damals in Jerusalem oder anderswo geschah?
Oder ist es gar nicht entscheidend, dies zu sehen, weil «glauben» im christlichen Kontext wichtiger ist als «sehen»?

Was sind schon 2000 Jahre?
2000 Lichtjahre sind nichts. Nichts im Vergleich zu den 100 000 Lichtjahren Durchmesser «unserer» Milchstrasse. Darin blicken wir höchstens 100 000 Jahre in die Vergangenheit. Und das wiederum ist nichts – denn es ist nur ein Bruchteil der Zeit, die ein Stern existiert. Über all diese Dimensionen können wir letztlich nur staunen – wie auch über das Wunder von Ostern.

Marcel Bucher, Kommunikationsverantwortlicher des Pastoralraums (Foto: pixabay.com)

Pfarreiblatt März

Pfarreiblatt März

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Leitartikel: Auf der Suche nach dem goldenen Faden


Das MISEREOR-Hungertuch 2021/2022 «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» von Lilian Moreno Sánchez. (Bild: © MISEREOR)

 

Mit den Hungertüchern wurde eine mittelalterliche Tradition wiederbelebt. Da viele Gläubige damals des Lesens unkundig waren, wurden vor Ostern nicht nur Altäre und Kreuze mit Stoffbahnen verhüllt, sondern auch biblische Szenen auf Hungertücher gemalt. Analphabet*innen bekamen so Zugang zur Heiligen Schrift.

Dieses Jahr hat das Misereor-Hungertuch die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez geschaffen. «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» (Ps 31,9) ist der Titel dieses Hungertuches, das aus drei Teilen besteht. Es ist ein Triptychon – alle Teile gehören zusammen.

Ein Röntgenbild
Als Grundlage diente der Künstlerin ein Röntgenbild. Es zeigt den Fuss eines Menschen, der im Oktober 2019 in Chile gegen die soziale Ungleichheit im Land demonstrierte und dabei verletzt wurde. Besonders junge Demonstrant*innen wehrten sich dort gegen die steigenden Lebenskosten und die dadurch zunehmende soziale Ungleichheit. Die schwarzen Linien aus Zeichenkohle zeigen die Umrisse des verletzten Fusses. Der menschliche Schmerz wird durch das Schwarz symbolisiert und verbindet ihn mit der Leidensgeschichte Jesu. Die leicht und beschwingt wirkenden Linien weisen trotz gebrochenen Füssen hin auf Hoffnung und auf die Kraft, die Wandel herbeiführen kann.

Strassenstaub und Blumen
Das Hungertuch ist auf gebrauchten Leintüchern gestaltet worden. Sie stammen aus einem Krankenhaus und einem bayerischen Frauenkloster. Mit der Bettwäsche ging die Künstlerin in Santiago de Chile auf den «Platz der Würde». Auf diesem Platz wurde der Mensch verletzt, dessen Fuss das Hungertuch zeigt. Hier hat Lilian Moreno Sánchez Strassenstaub in den Stoff gerieben. Er erinnert an den Mut der protestierenden Menschen, die für ihre Rechte einstanden, aber auch an die Gewalt. Die zwölf Blumen aus Blattgold symbolisieren Schönheit und Kraft. Schmerz und Leiden können überwunden werden. Gold ist die Farbe der Ewigkeit und weist hin auf Gott, der neues Leben schenkt.

Der Faden
Der Stoff des Hungertuches wurde auseinandergeschnitten, wieder zusammengelegt und mit goldenem Faden genäht. Die Künstlerin sagt dazu, dass der goldene Faden an Nähte von Chirurgen oder an bleibende Narben erinnert. Dieser Faden soll Heilung und Zukunft ermöglichen. Der goldene Faden – Erinnerung an unsere biblischen Vorväter und Vormütter, die beteten «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» (Psalm 31,9).

Regina Osterwalder, Pastoralraumleiterin

Pfarreiblatt Februar

Pfarreiblatt Februar

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Leitartikel: Etwas Gutes sagen

In der ersten Februarwoche finden traditionsgemäss verschiedene Segnungen statt. Segnen heisst auf Lateinisch «benedicere», was übersetzt heisst: etwas Gutes sagen. In den Gottesdiensten der kommenden Tage sagt Gott uns etwas Gutes zu. Und es ist doch wohltuend, wenn ich als Mensch so von Zeit zu Zeit ganz ausdrücklich eine besondere Zuwendung erlebe.

Bei der Kerzensegnung am Fest «Darstellung des Herrn» (2. Februar, Lichtmess) spricht Gott uns Licht zu. In jedem Leben gibt es dunkle Ecken, die wir nicht gerne ausleuchten, sondern gerne in der Dunkelheit lassen. Gott möchte uns ermuntern, gerade auch diese Punkte ins Licht zu halten und in seinem Licht zu betrachten. Dann kann zum Beispiel eine alte Verletzung plötzlich in einem neuen Licht erscheinen. Oder ich kann eine «dunkle» Seite an mir, die ich eigentlich nicht wahrhaben will, annehmen als etwas, das zu mir gehört.

Atemnot und Hoffnung
Mit dem Festtag des heiligen Blasius am 3. Februar ist die Halssegnung verbunden. Sie geht zurück auf eine Legende, die besagt, dass der Heilige einen Jungen vor dem Ersticken bewahrt hat. Er hat den Hals des Jungen von einigen Fischgräten befreit. Dass uns durch Fischgräte das Ersticken droht, ist wohl äusserst selten. Aber was müssen wir tagtäglich alles schlucken, oder was lässt uns schwer atmen? Angefangen von kleinlicher Kritik durch Mitmenschen bis zu einschränkenden Entscheidungen unserer Staatsgremien. Dies alles gehört zu den Grenzen dieser Zeit in unserer Welt und unseres Menschseins. Gottes Zuspruch kann uns helfen, uns durch solch unliebsame Erfahrungen nicht lähmen zu lassen und hoffnungsvoller der Zukunft zu begegnen.

Brot und Dankbarkeit
Mit dem Festtag der heiligen Agatha am 5. Februar ist die Brotsegnung verbunden. Für uns ist es sozusagen selbstverständlich, jeden Tag Brot auf dem Tisch zu haben. Das ist nicht für alle Menschen so. Das heisst nun nicht, dass wir uns ständig mit einem schlechten Gewissen an den Tisch setzen sollen. Aber das gesegnete Brot des Agatha-Tages kann uns daran erinnern, dass auch unser tägliches Brot letztlich eine Gabe Gottes ist.

Segnung und Stärkung
Sich von guten Wünschen – den Segnungen – betreffen lassen, ist wie eine zusätzliche Stärkung in dieser speziellen Zeit und im winterlichen Alltag. Wir freuen uns, Sie bei den Segensfeiern zu begrüssen. Angaben zu den Gottesdiensten finden Sie → hier.

Felix Bütler-Staubli

 

Pfarreiblatt Januar

Pfarreiblatt Januar

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Leitartikel: Hundert Jahre Pfarreiblatt im Rontal

«Liebe Pfarrkinder» – lautete die Begrüssung der Leserinnen und Leser des ersten St. Martins-Boten vor hundert Jahren. Dieses «Kirchliche Anzeigenblatt für die Pfarrgemeinde Root», erschien am 1.1.1921 erstmals. In Dierikon, Gisikon, Honau und Root wirkte damals Pfarrer Josef Bucher. Er setzte mit dem St. Martins-Boten den Grundstein für unser heutiges Pfarreiblatt.

«Neue Zeiten verlangen neue Wege», schrieb damals Pfarrer Bucher und rief sein Pfarreiblatt als «modernes Mittel der Seelsorge» ins Leben, um das Wort Gottes über den Kirchenraum hinaus zu verbreiten und damit «alle, alle zum göttlichen Heiland zu führen».

Pfarreiblatt heute
Die Zeiten haben sich seither erneut geändert. Grundwerte unseres Glaubens sind geblieben – aber will das heutige Pfarreiblatt noch immer «alle zum Heiland führen»? Sicher nicht. Wichtig bleibt jedoch, dass das Pfarreiblatt von einer Kirche berichtet, in der Gott nah bei uns Menschen sein und uns im Alltag berühren möchte. Im Alltag heisst: diese Begegnung kann genauso gut bei einer frühmorgendlichen Andacht in der Kirche, auf einem Waldspaziergang, beim gemeinsamen Mittagessen, während eines Bastelnachmittags, im Kleiderraum, beim Besuch der «Gassechuchi», im gemeinsamen Gesang wie auch beim Feierabendbier oder in einem Online-Angebot stattfinden. Diese Vielfalt im Pastoralraumleben zeigt das Pfarreiblatt. Es informiert über Aktivitäten und Angebote. Es regt mit spirituellen Inhalten zum Nachdenken an, es öffnet den Blick über unsere Kirchentüre hinaus, über die Pfarreigrenzen hinweg.

Pfarreiblatt morgen?
Ist das Pfarreiblatt noch zeitgemäss? Gibt es modernere Kommunikationsmittel, die wir nutzen können und teilweise bereits einsetzen? Wir sind unterwegs und suchen nach Möglichkeiten, verschiedene Kommunikationsmittel zu verwenden und zu kombinieren. Wir möchten mit verschiedenen Mitteln unterschiedliche Menschen ansprechen. Das Pfarreiblatt wird dabei weiterhin eine Rolle spielen und sich weiter entwickeln.

Änderungen im Pfarreiblatt
Mit der aktuellen Pfarreiblattausgabe führen wir folgende Änderungen ein:

  • Seitenreihenfolge: Sie finden ab sofort die Inhalte immer in gleicher Reihenfolge: Pastoralraumseiten – Gottesdienste – Pfarreiseiten – Chronik/Adressen – Agenda – Seiten der Zentralredaktion des Vereins Kantonales Pfarreiblatt Luzern.
  • Angepasste Darstellung der Gottesdienste an Wochenenden: Samstagabendgottesdienst erscheint als zugehörig zum Sonntagsgottesdienst.
  • Gendergerechte Sprache: Die Sprache unseres Pfarreiblatts richtet sich an alle Menschen. Wo es den Lesefluss nicht stört, verwenden wir ab sofort nicht nur weibliche und männliche Formen, sondern den sogenannten «Genderstern». Aus Leserinnen und Lesern werden dadurch Leser*innen.

Dankeschön
Dass das Pfarreiblatt etwas zu berichten hat, verdanken wir vielen motivierten Menschen. Freiwilligen und Mitarbeiter*innen, welche Anlässe organisieren und im Pfarreiblatt dazu einladen. Menschen, welche am Leben des Pastoralraums teilhaben und über Erlebtes berichten. Pfarreiangehörige, welche uns Mitarbeiter*innen mit neuen Ideen anregen und uns mit Rückmeldungen unterstützen.

Dass das Pfarreiblatt etwas bewirken kann, haben wir gleichzeitig Ihnen, liebe*r Leser*in verdanken. Danke für Ihr Interesse!

Marcel Bucher, Kommunikationsverantwortlicher des Pastoralraums Rontal

 

Pfarreiblatt Dezember

Pfarreiblatt Dezember

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Leitartikel: (K)ein Platz in der Herberge

Wer kennt sie nicht – die Krippenspiele. Die Rollenzuteilung ist nicht leicht, denn die Buben wollen den Josef spielen und die Mädchen natürlich die Rolle der Maria übernehmen. Ochs und Esel, die Hirten und die Engel müssen aber auch besetzt werden und natürlich der Wirt, der mit polternder Stimme das Paar abweist mit den Worten: «Hier hat es keinen Platz mehr für euch – die Herberge ist voll».

Das vermasselte Krippenspiel
Nun war da also Walter. Eigentlich wollte er den Schäfer mit der Flöte sein. Aber Frau Schmitt hatte ihm eine andere wichtige Rolle zugedacht. Es kam der Moment, wo Josef auftrat und mit Maria an die Tür der Herberge klopfte. Walter stand hinter der Tür und fragte barsch: «Was wollt ihr?» Und wir kennen die Antwort von Josef und Walter sprach mit kräftiger Stimme: «Die Herberge ist voll». Josef erklärt ihm die Situation, dass sie schon überall vergeblich gefragt haben und sie von weither kommen. Walter blickte wieder streng. Doch Josef liess nicht locker: «Das hier ist meine Frau Maria. Sie ist schwanger und braucht einen Platz zum Ausruhen. Ihr habt doch sicher ein Eckchen für sie. Sie ist müde …». Da entstand eine lange Pause, so dass es für die Zuhörenden ein bisschen peinlich wurde. Der Souffleur flüsterte: «Nein! Schert euch fort!» Und nun – der Wirt ging nicht mehr zurück in die Herberge. Er sah dem Paar nach, das eben den Weg fortsetzen wollte. Walter blieb stehen, die Stirne sorgenvoll gefurcht. Und plötzlich wurde dieses Krippenspiel anders als alle bisherigen. «Bleib hier, Josef!» rief Walter. «Bring Maria wieder her!». Sein Gesicht verzog sich zu einem breiten Lächeln. «Ihr könnt mein Zimmer haben!». Manche Leute meinten, Walter habe das Spiel vermasselt und verdorben. Aber viele hielten es für das weihnachtlichste aller Krippenspiele, die sie je gesehen hatten.

Einen Platz bekommen oder haben
Das Kind in der Krippe, dann erwachsen geworden, wird Menschen einen Platz geben oder sie vom Rand in die Mitte zurückholen. Wer Menschen einen Platz gibt, sie in die Mitte zurückholt, wie der Rabbi aus Nazareth, bei dem wird Gottes Gerechtigkeit spürbar und erfahrbar. Diese Menschen verkörpern die Barmherzigkeit Gottes. «Barmherzigkeit verweist auf die mütterliche Dimension Gottes: Das hebräische Wort für «Barmherzigkeit» (rachamim) ist der Plural von «Gebärmutter» (rechem), deren Wortwurzel «Wärme» bedeutet (cham). Wenn ein Mensch einen Platz hat im Herzen eines Menschen, dann wird ihm warm ums Herz.

Das wäre auch ein Weihnachtsgeschenk – Menschen einen Platz geben, so dass es ihnen warm ums Herz wird. Warmherzige und frohe Festtage.

Regina Osterwalder
(Foto: pixabay.com)

 

Pfarreiblatt November

Pfarreiblatt November

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2+2=4

2+2=4 … Das ist richtig, aber ist es deswegen auch wahr? Ist es nicht wahr, dass sich ein Team von vier Leuten, zusammengesetzt aus jeweils zwei Leuten unterschiedlicher Gruppen, gut harmonierend zusammenarbeitend, sich nach mehr als nur vier Leuten anfühlt? Der «gute Geist», der als fünfte Kraft mitwirkt? Dann wäre es richtig, dass 2+2=4 ist, gleichzeitig aber wäre 5 auch wahr.

Richtig und wahr wird häufig in der gleichen Art und Weise benutzt, obwohl die Wörter unterschiedliche Bedeutungen haben. In der Logik wird der Wahrheitsgehalt einer Aussage mit «wahr» und «falsch» bezeichnet. Und als in der Aufklärung schliesslich der Verstand und das rationale Denken über alles gestellt wurden, sind «wahr» und «richtig» endgültig gleichgesetzt worden und «falsch» als das Gegenteil.

Richtig ist jedoch etwas, das wissenschaftlich, mathematisch oder eben logisch eindeutig ist. Man könnte einfach sagen: beweisbar. Bei «wahr» kommt ein Beziehungsaspekt dazu: wie stehe ich zu der Aussage? Ist die Sache für mich wahr? Was bedeutet es mir?

Jesu Geburt zu Bethlehem
Weihnachten rast auf uns zu. Ist es richtig, dass Jesus in Bethlehem auf die Welt kam, unterwegs mit seinen Eltern? Ist es richtig, dass er, der Erlöser der Menschheit, in einem Stall in armseligen Verhältnissen geboren wurde und die ersten «Gratulanten» Hirten von der Weide waren? Ist es richtig, dass ein Stern drei Weise (oder drei Könige?) zu dem Stall gelotst hat?
Für mich ist es wahr. Ob es richtig ist, weiss ich nicht. Aber für mich macht es Sinn, dass Jesus nicht in einem Palast geboren wurde, dass nicht viele Könige und Herrscher von überall herkamen, um ihm wie einem Kaiser zu huldigen. Ich fühle mich diesem Jesus viel näher, seinen Eltern, die danach flüchten mussten. Zu diesem Jesus kann ich von Geburt an eine Beziehung aufbauen und diese an Weihnachten feiern, in dem ich mich mit den Hirten identifiziere, die dem Wunder der Geburt eines hilfebedürftigen Babys beiwohnen, der schliesslich für mich da sein wird und sein Leben am Kreuz geben wird.

Pastoralraum Rontal
Es ist richtig, dass vor vier Jahren im November durch Zusammenschluss der Pfarreien Buchrain-Perlen, Ebikon und Root der Pastoralraum Rontal gegründet wurde. Ist es deswegen wirklich schon für alle wahr? Es wird noch Zeit brauchen, bis die Menschen in den Pfarreien, im Pastoralraum, eine Beziehung zu diesem Verbund aufgebaut haben. So lange ist es noch nicht wahr, aber richtig. Aber es ist wichtig, dass wir uns dieser Beziehungsarbeit immer wieder stellen, damit es in uns wahr werden kann und Früchte bringen kann. Genauso wie Jesu Geburt.

Johannes Frank

(Bild: Tiramisu, pixabay.com)

Pfarreiblatt Oktober

Pfarreiblatt Oktober

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Jetzt ist die Zeit, Farben zu sammeln!

Im Kinderbuch «Frederick» von Leo Lionni sammeln die Mäuse eifrig Essens-Vorräte für den Winter. Nur Frederick schert aus: Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Wie recht er hatte, zeigte sich gegen Ende des Winters. Jetzt ist es Oktober: Zeit, Farben zu sammeln! Langsam geht das Jahr 2020 dem Winter zu. Es ist Erntezeit. «Herr, es ist Zeit» schreibt Rilke in seinem Herbstgedicht. «Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein; gib ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin, und jage die letzte Süsse in den schweren Wein.»

Farben zum Leuchten bringen
Wie die Natur im Herbst noch einmal ihre ganze Farbenpracht entfaltet, so hat der Glaskünstler André Bréchet (1921–1993) Farben in die moderne Saint-Nicolas de Flue-Kapelle im Weiler Mormont bei Courchavon, zwischen Pruntrut und Bure in der Ajoie, gebracht. Weil keine grossen Mittel vorhanden waren, wurde diese Kapelle auf Initiative von Abbé Bitschy 1976 von Maurergesellen aus Europa gebaut, ohne Architekt und ohne Bauunternehmung. Um keine statischen Probleme zu schaffen, hat sich der Künstler für Dutzende von kleinsten Fenstern mit bunten Glasbausteinen in den Betonwänden entschieden. Entstanden ist ein Bijou, das man so abgelegen auf dem Land nicht erwarten würde!

Leben ist bunt
Der Herbst mit seinen Farben macht uns bewusst, wie vielfältig das Leben ist. Wenn wir jetzt Farben sammeln, haben wir Nahrung für die Seele, wenn der Nebel kommt und die Farben verblassen.

Beat Jung, leitender Priester im Pastoralraum Rontal

Pfarreiblatt September

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Mit Poesie ins Paradies

«Praxis bedeutet: den Ort, an dem du jetzt stehst, zum Paradies zu machen, das Himmelreich unter deinen Füssen zu entdecken». Dieser Satz stammt von dem Zen-Meister Kodo Sawaki (1880–1965). Und wie machen wir das? Jede und jeder auf ihre/seine Art und Weise. Wir entdecken Dinge oder machen Erfahrungen. Eine entdeckt die Musik, ein anderer die Natur und manche die Poesie. Andere fühlen sich beim Waldlauf oder auf einer Bergtour dem Paradies etwas näher. Während der Corona-Zeit entdeckte ich über facebook das Video «Aus dem Homeoffice eines Schauspielers». Da rezitierten bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler das Hohelied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief (1. Kor 13,1–13). Im Hintergrund ertönte Klaviermusik von Johann Sebastian Bach. Ich habe diesen biblischen Text noch nie so wunderbar rezitiert gehört. Dieser Beitrag hat mich tief berührt. In diesem Moment atmete ich einen Hauch Paradiesluft.

Literatur als Partnerin
Was oder wer Ihnen, werte Lesende, ab und zu ein wenig Paradiesluft herzaubert oder Sie das für sich oder für andere tun – das macht den Alltag erträglicher, erfrischend, interessant, abwechslungsreich, stimmungsvoll und vieles mehr. Neben der Musik kann auch die Poesie den Alltag durchaus bereichern. Und dann gibt es auch immer wieder Theologinnen und Theologen, die überzeugt davon sind, dass Predigende von der Literatur lernen können. Das war nicht immer so. Es gab in der Geschichte eine Zeit, da war man in der Kirche überzeugt davon, dass die Literatur für den Glauben nachteilig oder sogar schädlich sei. Im Zweiten Vatikanischen Konzil aber wurde festgehalten, dass die Literatur und die Kunst von grosser Bedeutung sind. Literatur wird «als Partnerin im Suchen nach dem Glücken des Menschen gewürdigt» – so der Theologe Erich Garhammer, dessen Forschungsschwerpunkt dem Gespräch und der Auseinandersetzung mit der modernen Literatur galt.

Ab und zu ein wenig Paradiesluft
Von Horst Bienek, Schriftsteller, (1930–1980) gibt es folgenden Text:

Wörter
meine
Fallschirme
mit euch
springe
ich
ab
Ich fürchte nicht die Tiefe
wer euch richtig
öffnet
schwebt

Horst Bienek, Gleiwitzer Kindheit. Gedichte aus zwanzig Jahren, 1976 Carl Hanser Verlag, München

Beim Lesen von Gedichten oder Romanen kann es sein, dass die Lesenden eigene Erfahrungen, Krisen oder positive Erlebnisse an dem Gelesenen gedeutet und ausgedrückt finden. Das Gelesene lässt mich Welten entdecken, mit denen ich vielleicht nie in Kontakt gekommen wäre oder denen ich sonst aus dem Weg gehen würde. Und manchmal provoziert Literatur zu neuem Denken und «löst Schwarz-Weiss-Töne auf», so Garhammer. Und dann wird einem Tiefe zuteil, von der man vorher kaum eine Ahnung hatte.
Lassen wir uns manchmal doch mit Wörtern der Dichterinnen und Dichter fallen und fallen dann ein wenig ins Paradies. Viel Vergnügen dabei.

Regina Osterwalder, Gemeindeleiterin Pfarrei Ebikon/Pastoralraumleiterin

Pfarreiblatt August

Pfarreiblatt August

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Grenzüberschreitung als Chance

Ich bin im Dreiländereck in Basel aufgewachsen. Seit meiner Kindheit gehörten Grenzen immer zu meiner Umgebung. Schon in den Sechzigerjahren war es ohne weiteres und ohne Bürokratie möglich, die Landesgrenzen auf einem Sonntagsspaziergang oder einer Velotour zu überschreiten. Die Grenzen hatten für mich nie etwas Einschränkendes, sondern waren immer viel mehr eine Erweiterung meines Horizontes und die Chance, etwas Neues zu entdecken. Leider ist dies nicht überall auf der Welt so.

Uneingeschränkte Reiselust
Heutzutage wird mehr gereist als je zuvor. Besonders die beiden Monate Juli und August sind Zeiten des Reisefiebers. Ganz Europa macht sich auf den Weg von Nord nach Süd, Ost nach West, von den Ufern der Meere in die Berge und umgekehrt. Grenzen gibt es keine mehr; wenigstens werden sie nicht als Hindernisse angesehen. Höchstens das Budget grenzt unsere Reiselust ein.

Grenzen als Schutz
Im scharfen Kontrast zu dieser grenzenlosen Freiheit haben wir in der ersten Hälfte dieses Jahres das Begrenztwerden in allen Lebensbereichen erfahren. Die Landesgrenzen wurden in ganz Europa geschlossen, dazu Schulen, Restaurants, Bars, Geschäfte und vieles mehr. Gottesdienste waren nicht mehr möglich. Die persönliche Freiheit wurde eingegrenzt. «Zuhausebleiben» war das Motto. Nicht Distanzen zurücklegen war angesagt, sondern Distanz wahren wurde zur Regel. Und auf einmal war Mitten im Jahr eine Ruhe da, die man sonst nur von den Sommerferien kennt. Die Strassen waren fast menschenleer und es gab sogar keine Staus mehr. Das kleine Virus, das keine Grenzen kannte, zeigte uns unsere Grenzen auf.
Seitdem ist uns vieles wieder bewusster: Reisen ist ein Privileg, Gesundheit ein Geschenk, Freiheit keine Selbstverständlichkeit, Solidarität nicht nur ein Wort, ein stabiles politisches System unbezahlbar. Ganz gemäss dem Sprichwort «Weshalb denn in die Ferne schweifen, wenn doch das Gute liegt so nah?» entdeckte die Schweiz wieder die nähere Umgebung und ihre eigene Schönheit.

Mut zur Horizonterweiterung
Mit diesen sehr entgegengesetzten Erfahrungen im Hintergrund lässt sich neu fragen, was Grenzen für uns bedeuten: Einschränkung oder Schutz, Einschluss oder Ausschluss, Abgrenzung oder Horizonterweiterung? In der Bibel finden sich verschiedene Beispiele für den Umgang mit Grenzen. Es gibt Ausgrenzung von Kranken und solchen, die nicht konform mit den Gesetzen waren. Da finden sich Fälle von Diskriminierung von Frauen, Fremden und Menschen anderer Hautfarbe und Kultur. Und natürlich wird auch von Kriegen gegen die Bedrohung von aussen berichtet. Doch die Grundbotschaft der Bibel und vor allem auch das Wirken Jesu zielt darauf hin, Grenzen zu überwinden, Verständnis zu schaffen und Gemeinschaft zu fördern. Gerade die Ausgegrenzten haben dies wohltuend und heilsam erfahren. Und letztlich weist sein Weg auch über die letzte Grenze unseres Daseins hinaus, den Tod.

Der Glaube macht frei und eröffnet neue Horizonte. Dies ist die Grundbotschaft Jesu und der Bibel. Wenn wir als glaubende Menschen unser Leben und Reisen, unser gesellschaftliches Zusammenleben und auch unsere Kirche als eine ständige Grenzüberschreitung im Sinne einer Horizonterweiterung verstehen, dann eröffnen sich unbekannte Welten und neues Leben wird möglich. Nutzen wir nicht nur die Sommerferien dafür.

Lukas Briellmann

Pfarreiblatt Juli

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Ferienzeit – Entdeckungszeit

Die Frühlingsferien fielen buchstäblich ins Wasser. Das sonnige Wetter hat hier vieles wettgemacht. Das Wiedersehen mit meiner Cousine in Holland musste ich in den Kamin schreiben. Gut – man kann ja auch per Skype in Kontakt treten. Und nun stehen die Sommerferien vor der Tür. Jetzt, beim Schreiben dieses Artikels, ist noch vieles unsicher, was das Reisen im Sommer betrifft.
Viele von uns nutzen die Ferienzeit – vor allem im Sommer – um zu reisen, andere Länder kennenzulernen oder ans Meer zu fahren, um sich von der Sonne wärmen zu lassen und im kühlen Nass zu schwimmen. Kinder werden Sandburgen bauen und zuschauen, wie sie von den Wellen wieder aufgelöst werden.
Doch Ferienzeit heisst ja nicht nur reisen. Es gibt Menschen, die können nicht mehr weg oder können sich Ferien weder in der Schweiz noch im Ausland leisten. Und dieses Jahr werden es vermutlich noch mehr Menschen sein. Sie kommt und ist dann da – eben diese Ferienzeit.

Zur Ruhe kommen
Menschen, die zwischen Beruf, Familie und Privatleben eingespannt sind, haben unzählige Termine. Wir holen schnell ein Glas Wasser, kochen schnell das Mittagessen, gehen schnell noch einkaufen, schauen schnell die Hausaufgaben an, holen schnell die Post aus dem Briefkasten, gehen rasch in den Keller.
Und dann ist sie da – die Ferienzeit. Als erstes kommt das zur Ruhe kommen. «Abefahre» sagen wir dann auch. So einfach gelingt dieser Übergang von rasch zu herunterfahren nicht. Dazu brauchen die einen ein paar Stunden, andere einen Tag bis mehrere Tage. Manchen gelingt es kaum oder gar nicht. Sie brauchen das Tempo auch in den Ferien.

Die Seele baumeln lassen
Warum sich nicht mal auf das Herunterfahren konzentrieren und diese Momente des zur Ruhe Kommens auskosten und in der kommenden Ferienzeit bewusst angehen? Es könnte ja sein, dass wir Dinge entdecken, die wir sonst kaum bemerken oder geniessen können. Die Stille zum Beispiel, das Herumhüpfen der Spatzen, das Zirpen der Grillen, das Rascheln der Blätter im Wind, das Bellen eines Hundes, den eigenen Atem, spielende Kinder.

Ich wünsche Ihnen eine erholsame Ferienzeit.

Regina Osterwalder

 

 

Pfarreiblatt Juni

Pfarreiblatt Juni

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Findet es statt oder nicht?

«Findet es statt oder nicht?» – eine Frage, die kirchliche Gruppierungen wie Blauring und Jungwacht seit Anfang März stets begleitete. Diese ungewisse Zeit fordert auch von jungen Menschen viel Flexibilität und Geduld.

Schon lange ist klar, dass im Juli 2020 ein grosses Highlight für die Scharen im Kanton Luzern stattfinden wird – das Kantonslager (kurz: KALA 2020). Ein Lager mit 59 Jungwacht- und Blauringscharen aus dem Kanton Luzern, welche in Rotkreuz gemeinsam ein Zeltlager durchführen. Ein Vorhaben, welches ungefähr zwei Jahre Vorlaufzeit benötigt und für das schon viele ehrenamtliche Stunden investiert wurden. Die Vorfreude ist gross und es ist schon viel Kreativität in die mögliche Lagerplatzgestaltung investiert worden. Erste Materialbestellungen sind erledigt und auch die Feinplanung des Programms läuft auf Hochtouren. Dann plötzlich ist er da – der Stillstand. Ein Virus löst einen abrupten «Stopp» bei der ganzen Vorbereitung aus und ab diesem Punkt herrscht grosse Unsicherheit. Kann das Lager durchgeführt werden oder nicht?

Abgesagt …
Woche für Woche vergeht. Gespannt werden die Medienkonferenzen des Bundesrats, aber auch die Weisungen von JuBla Schweiz erwartet. Immer dabei ist die «Hoffnung». Die Hoffnung, dass das Lager stattfinden wird.
Dann der definitive Entscheid: Das Kantonslager wird auf den Sommer 2021 verschoben.

… aber die Hoffnung bleibt …
Auf einmal ist nichts mehr so wie vorher. Ungewissheit herrscht. Ein Sommer ohne Zeltlager? Unvorstellbar. Trotz grosser Ungewissheit ist da aber immer noch die «Hoffnung», welche die Scharen motiviert. Denn JuBla-Schweiz empfiehlt, ein normales Sommerlager zu planen. Ein sportliches Vorhaben, da nur noch wenige Wochen für die gesamte Vorbereitung (Lagerplatzsuche, Programm erstellen und vieles mehr) bleiben. Und trotz ungewisser Planung ist eine grosse Motivation und Zuversicht zu spüren. Die Leiterinnen und Leiter sind voll in der «neuen» Planung und ich wünsche ihnen von Herzen ein Happyend dieser aussergewöhnlichen Zeit.

Nicole Oppliger-Burri, Jugendarbeiterin RPI/Präses Jungwacht Ebikon