Auf dieser Seite finden Sie Pastoralraumanlässe. Gottesdienste und weitere Anlässe finden Sie auf den Websites der Pfarreien und im aktuellen Pfarreiblatt.

Gottesdienste

Aktuelle Anlässe

Gottesdienste mit Schutzkonzept und neu wieder mit Gesang

Gottesdienste mit Schutzkonzept und neu wieder mit Gesang

Bitte beachten Sie:

  • Mit den Lockerungen vom 19.4. darf im Gottesdienst wieder gesungen werden.
  • Gottesdienste dürfen mit maximal 50 Personen stattfinden.
  • Für einzelne Gottesdienste (aktuell gilt dies für Wochenendgottesdienste in Ebikon) sind wegen der begrenzten Platzzahl Anmeldungen notwendig. Anmelden können Sie sich → hier.
  • In all unseren Räumen gilt Maskenpflicht.
  • Die Maskenpflicht gilt auch im Freien, wo viele Menschen aufeinandertreffen und Abstände nicht eingehalten werden können.
  • Betreffend Veranstaltungen und Gruppengrösse gelten die Vorgaben der Behörden.

 

Schenken Sie ein Licht:

In der Coronapandemie erleben wir alle, was es heisst, jemanden zu vermissen, geliebte Menschen zu verlieren, für Gesundheit und das Leben dankbar zu sein. Solidarisch hält die Schweiz zusammen, schenkt einander Hoffnung. Die Website → www.lichtschenken.ch lädt uns ein, unseren Gedanken und Gebeten Ausdruck zu verleihen: Zünden Sie auf der Schweizerkarte ein virtuelles Licht des Gedenkens, des Dankes, der Hoffnung und der Verbundenheit an.

 


Gezielte Massnahmen helfen, das Risiko einer Übertragung des Corona-Virus zu minimieren. Diese Massnahmen haben wir in unserem Schutzkonzept zusammengefasst. Dieses basiert auf den Vorgaben des BAG (Bundesamt für Gesundheit) und der Schweizer Bischofskonferenz.

Das detaillierte Schutzkonzept unseres Pastoralraums können Sie hier herunterladen (aktualisierte Version folg):

Sehen, auch wenn es wehtut

Sehen, auch wenn es wehtut

Vor einigen Tagen sah ich einen Film, der mir nicht mehr aus dem Sinn und Herzen geht. «Capharnaum – Stadt der Hoffnung» handelt vom zwölfjährigen syrischen Flüchtlingsjungen, Zain, der in Beirut lebt. Als «Sans Papier» haben Zain und seine Familie keine Rechte und werden nach Strich und Faden ausgenutzt, was ihn aber nicht daran hindert, sich für ein lebenswertes Leben, Gerechtigkeit und für seine geliebte Schwester einzusetzen. Der Alltag von Zain zeigt eine Welt, die zu der unsrigen in der Schweiz unterschiedlicher nicht sein könnte. Die Armut, Ungerechtigkeit und Verwahrlosung werden schonungslos gezeigt und sind nicht leicht zu ertragen. Sollte man einen solchen Film überhaupt ansehen? Weshalb tue ich mir das an? Wäre nicht etwas Entspannendes besser gewesen? Ich gestehe: ich musste mich bewusst entscheiden, einen solchen Film zu sehen. Es war wahrlich kein Vergnügen. Aber die Bilder und die Geschichte rüttelten auf und zeigten eine Wirklichkeit, die so viele Familien, Kinder und Erwachsene in Krisengebieten tagtäglich erfahren. Was wissen wir schon von ihnen? Und wie viele Menschen mit solchen Erfahrungen leben unter uns, sind vielleicht sogar unsere Nachbarn? Während des Schauens des Films fragte ich mich mehrmals, weshalb dieser den Titel «Capharnaum – Stadt der Hoffnung» trug. Einerseits zeigt sich die Hoffnung im Kampf dieses kleinen Jungen für Gerechtigkeit und einer lebenswerten Zukunft. Aber vielleicht liegt diese Hoffnung auch darin, dass die Welt – und damit auch ich – die Not dieser Menschen wahrnimmt, ihre Geschichten hört und alles daransetzt, dass aus der Hoffnung eine neue Lebenswirklichkeit wird. Manchmal muss man hinhören und hinsehen, auch wenn es wehtut. Heilung ist anders oft nicht möglich. Auch das hat mit Ostern zu tun.

Lukas Briellmann (Foto: Zerstörung in Essaouira, Marokko / Lukas Briellmann)

 

UND

UND

„UND“ ist für mich ein Mutwort
Es kann eine Person sein, ein Gegenstand, eine Arbeit, ein Ferienort, ein Fest, ein Verhalten, etc. Sage ich nach einer positiven Aussage ein „ABER“ …, wird dieses Positive relativiert oder es kippt sogar ins Negative. Genau umgekehrt erfahre ich es bei einer negativen Aussage. Kommt gegen den Schluss der Aussage ein „UND“ … dazu, wird das Negative relativiert und es kann ins Positive kippen.

Hier drei Beispiele:
Mit dem neuen Lehrling kann ich kreativ arbeiten, ABER er ist halt viel zu langsam.
Der neue Lehrling ist nicht kreativ UND ich freue ich mich trotzdem ihn zu begleiten

Mein Ehepartner macht mir viele Geschenke, ABER macht er das aus tatsächlich aus Liebe?
Meine Ehepartner macht mir selten Geschenke UND ich spüre seine Liebe dennoch immer wieder.

Gott und mein Glaube geben mir Kraft im Leben, ABER oft reicht das nicht aus.
Gott und mein Glaube geben mir keine Kraft UND ich lasse mich doch immer wieder gerne herausfordern.

Zugegeben, es braucht auch eine Portion Optimismus, Sensibilität und offene Sinne, um das UND zu erkennen, zu gewichten. Gelingt das, wird das UND zum Mutwort.

Auf dem Weg dazu wünsche ich Ihnen alles Gute.
Pietsch Dubach (Foto: Pietsch Dubach)

Herz-Brot

Herz-Brot

Was soll denn das sein? Ein Brot in Form eines Herzens? Ein Herz in Form eines Brotes. Oder etwa Mundart „hert`s Brot“?

Keines von den dreien. Ich verstehe darunter Nahrung für das Herz.

Zum Beispiel ist es am Tag dieses Gedankens das Kind, dem ich zuhöre und zusehe wie es zusammen mit seinem Bruder und der Mama einen Miniteich für Frösche, Molche etc. in einem Tagesprojekt anlegt. Die Freude und Begeisterung ist derart spürbar, dass sie überschwappt, mich erreicht und mir einen Moment lang zur Nahrung für mein Herz wird, eben zum Herzbrot.

Herzbrot kann für jeden Menschen etwas Anderes sein. Was ist für Sie Nahrung für das Herz? Fragen Sie sich, finden Sie eine Antwort und freuen sich darüber. Vielleicht teilen Sie ja ihr Herzbrot mit einem anderen Menschen. Gerade am weissen Sonntag, der für viele nicht so ist wie sie ihn sich wünschen, ist das Teilen von Herzbrot gut und macht Mut.

Pietsch Dubach (Foto: Pietsch Dubach)

Eins, zwei, drei … fünfzig

Eins, zwei, drei … fünfzig

Heute ist also der vierte Tag von noch genau fünfzig Tagen. Es ist nicht so, dass ich jetzt jeden Tag zähle und es ist auch nicht so, dass ich in fünfzig Tagen etwa Namenstag habe oder Geburtstag feiere. Es ist auch nicht so, dass ich in fünfzig Tagen pensioniert werde oder ich einem befreundeten Paar zu ihrem Hochzeitstag gratuliere. Am fünfzigsten Tag – da legen sie richtig los, da sind sie nicht mehr zu bremsen. Sie hören sich gut zu, wenn sie miteinander reden und verstehen sich. Fremde gehen sich nicht aus dem Weg. Das Kopfschütteln einiger, das stört sie nicht. Ihre Begeisterung steckt an.

Heute ist nun der vierte Tag von noch genau fünfzig Tagen – den Ostersonntag mitgezählt. Neunundvierzig Tage plus den Ostersonntag – dann sind es fünfzig Tage. Fünfzig – eine fast magische Zahl. In der Antike war die Fünfzig eine Zahl, die Reichtum und Fülle bedeutete. Noch ist das Osterlicht sichtbar und um das zu fassen, was an Ostern geschah – das braucht Zeit.  Ob da fünfzig Tage wohl ausreichen? Denn bald kommt das nächste Fest. Pfingsten – von griechisch Pentekoste = fünfzig. Diese fünfzig Tage nun – sie werden als Sinnbild der Ruhe und der Freude begangen. Fünfzig Tage – Zeit darüber nachzudenken, was wirklich trägt und was bewegt. Oder nach einem Rat des heiligen Ignatius: «Verwerft das, was in euch Angst, Beklommenheit, Zorn und Trauer bewirkt, haltet euch an das, was in eure Seele Frieden, Freude, Mut und Freiheit bringt». Fünfzig Tage nun, um diesem Rat zu folgen.

Regina Osterwalder (Foto: pixabay.com)

Mir ist ein Stein vom Herzen genommen

Mir ist ein Stein vom Herzen genommen

Das wog zentnerschwer – der Tod ihres Freundes und Lehrers. Fast drei Jahre haben sie ihre Zeit mit ihm verbracht. Haben mit ihrem Zweifel gerungen, Machtkämpfe unter sich ausgetragen, ihren Beruf an den Nagel gehängt, ihn missverstanden, mit ihm gelacht und nächtelang diskutiert. Und dann seine Ermordung. Ja – die lag wie ein zentnerschwerer Stein auf ihrer Brust. Ob sie damit weiterleben konnten – sie wussten es nicht. Zuerst mal weg, sich nicht blicken lassen – die Gefahr war zu gross, die Soldaten der Besatzungsmacht hatten ihre Ohren und Augen überall. Als Anhänger*innen dieses getöteten Jesus von Nazareth war es klüger, mal zu verschwinden und sich zu verstecken.

Ein paar Frauen – sie kamen nur langsam voran an diesem Tag – noch war es dunkel. Die letzten Tage wogen zentnerschwer – der Stein in der Brust nahm ihnen fast den Atem. Und dieser schwere Stein vor dem Grab, dachten sie. Den letzten Dienst wollten sie noch tun. Das war Frauensache. Den Toten salben. Ob es der erste Morgenstrahl war, sie wussten es nicht mehr genau. Die Zeit stand für Momente wie still. Und da fiel ihnen ein Stein vom Herzen. Es verging Zeit, bis sie es fassten. Da war wieder Hoffnung. Da war noch nicht alles zu Ende. Da sprachen sie über ihn. Die Erinnerungen an seine Worte brachten sie in Bewegung. Sie konnten nicht mehr schweigen. Und eine Botschaft ging um die Welt. «Mir ist ein Stein vom Herzen genommen» (Lothar Zenetti).

Regina Osterwalder (Foto: shutterstock.com)

Faszination Schmetterling

Faszination Schmetterling

Die Natur zeigt es uns am Beispiel der Raupe. In einer Raupe ereignen sich ungeahnte Dinge. Aus der Raupe wird ein Schmetterling. Einen Augenblick verweilt das verwandelte Wesen in verdeckter Schönheit. Aber dann öffnen Licht und Sonne die Flügel. Der Schmetterling schwebt und tanzt, steigt und fällt – ein Wunder der Verwandlung.

Vor einigen Jahren habe ich im Gemüse-Garten die zuerst kaum sichtbaren schwarzen Raupen am „Rüebli-Kraut“ oder am Fenchel entdeckt. Die kleinen gefrässigen Wesen haben sich jeweils zu einer farbenfrohen stattlichen Raupe gewandelt, um dann in einem unscheinbaren Kokon zu überwintern. In den Ostertagen erwacht dieses Leben zu einem neuen, wunderschönen Schmetterling, der seinen tanzenden Flug in der Luft beginnt. Eine unglaubliche Verwandlung, die mich immer wieder fasziniert!

Diese Verwandlung zum Schmetterling kann für uns ein hoffnungsvolles Symbol für die Auferstehung sein.

Mit diesem vorösterlichen Gedanken wünsche ich Ihnen bewusste Karwochen-Tage und die gläubige Gewissheit, dass wir Menschen neu werden können, wie es Ostern verspricht!

Felix Bütler-Staubli (Fotos: Felix Bütler-Staubli)

 

 

Jubel und Enttäuschung

Jubel und Enttäuschung

Der Palmsonntag eröffnet, wie eine Musik-Ouvertüre, die Karwoche. Ein Jubeltag, als Jesus wie ein König in Jerusalem von vielen Menschen begrüsst wurde – die Menschen jubelten ihm zu, die gleichen Leute waren erstaunt dabei, als Jesus am Donnerstag nach seinem letzten Abendmahl verhaftet wurde. Es folgte das Verhör, die Verspottung und sein Leidensweg, der am Freitag am Kreuz endete. Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit macht sich unter seinen Anhängern breit.

Vor dem Palmsonntag werden verschiedene grüne Zweige gesammelt und zurechtgeschnitten, damit die grünen Büschel und die Palmstangen bereit sind für den Jubeltag und die Segnung als Erinnerung an diesen Tag.

Vor einigen Jahren ist mir ein Blatt in die Hände gefallen, welches ein nicht alltägliches Loch aufwies – Dieser Durchblick im Blatt inspirierte mich zum Nachdenken!

Wie kann ich auch in schweren Momenten die Liebe durchblicken lassen – im Schweren, in der Entbehrung oder in der Not – die Liebe erkennen?

Oft sehen wir erst im Zurückblicken was wir „ausgefressen“ haben, hoffentlich auch Gutes, Liebevolles …

Heute und in den kommenden Tagen, wünsche ich uns viele bewusste Momente, bei denen wir im Jubeln und in den Enttäuschungen mit der liebevollen Kraft verbunden bleiben.

Felix Bütler-Staubli (Foto Palmstangen: Pfarrei Buchrain-Perlen, Foto Stechpalmenblatt mit Herz: Felix Bütler-Staubli)

Minis im Radio!

Minis im Radio!

Zwei Ministrantinnen der Pfarrei Buchrain-Perlen hatten einen grossen Auftritt bei Radio SRF. Im Podcast erzählen sie von ihrer Tätigkeit als Ministrantin und mehr. Thema sind etwa das Beten, die Rolle der Frau in der Kirche und … weisse Schuhe.

Sehr hörenswert! Und → hier zu finden.

Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Hoffnung und meine Freude,
meine Stärke, mein Licht:
Christus meine Zuversicht,
auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht,
auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

Ein Gesang aus der Gemeinschaft in Taizé in Frankreich. Er wird viele Male wiederholt. Es ist einer meiner Lieblingsgesänge. Die Melodie ist ruhig-optimistisch-froh, der Text entspricht meinem Glauben und meiner Hoffnung.

Immer wieder mal summe ich die Melodie oder spreche kurz den Text für mich, gerade in Zeiten der Unsicherheit oder vor schwierigen Terminen.

Am Palmsonntag, 28. März, 19.30 Uhr, findet in der Pfarrkirche Buchrain ein Taizégebet statt – in coronamässig angepasster Form. Sobald weitere Taizéangebote geplant sind, finden Sie diese unter → www.kathrontal.ch/gottesdienste.

Andres Lienhard (Foto: pixabay.com)

Kirchensteuern sei Dank!

Kirchensteuern sei Dank!

Wissen Sie, was Sie mit Ihrer Kirchensteuer ermöglichen … und dass weit mehr als 90 % der von Ihnen bezahlten Kirchensteuer «in Ihrer Gemeinde» bleibt, um hier vieles zu bewirken?

Auf → www.kirchensteuern-sei-dank.ch entdecken Sie gleich selbst, wo Ihr Geld hinfliesst.

In den Pfarreiblattausgaben von Mai und Juni finden Sie zusätzliche Informationen und zeitgleich auch auf unserer Website.

Eigentlich ganz einfach

Eigentlich ganz einfach

Viele haben in den letzten Jahren ihre Essgewohnheiten radikal geändert: Butter durch Margarine ersetzt, Eier nur noch nur noch wenige gegessen, den Salzkonsum minimiert.

Bei der Butter waren die tierischen Fettsäuren die Bösewichte, bei den Eiern das Cholesterin, beim Salzkonsum ging es um Herz und Kreislauf.

Alles mittlerweile wissenschaftlich widerlegt. Die «Betroffenen» dürfen wieder umdenken: Butter ist mindestens so gesund wie Margarine, das Nahrungs-Cholesterin hat nur wenig Einfluss auf das Blutcholesterin, ein hoher Salzkonsum ist für Herz und Kreislauf weitgehend irrelevant.

Für die Nahrungs- und Werbeindustrie mag es bitter sein, aber es ist so: Abgesehen von ethischen Aspekten, gibt es eigentlich nur zwei Regeln, die beachtet werden müssen: alles ausgewogen und mit Mass.

Wer das befolgt, fährt gut. Und es lässt sich leicht behalten.

Ausgewogen und mit Mass

Das finde ich ein brauchbares Motto. Natürlich darf es zwischendurch mal «aussergewöhnlich» zu und her gehen. Auch haben wir uns selber nicht immer im Griff.

Aber als Grundsatz: Ausgewogen und mit Mass. Nicht nur in der Fastenzeit und beim Essen und Trinken – sondern auch im täglichen Reden, Handeln und Denken.

Eigentlich ganz einfach. Oder?

Andres Lienhard (Foto: Pixabay.com)

Wertschätzende Pastoral – uns ein Herzensanliegen

Wertschätzende Pastoral – uns ein Herzensanliegen

Zu einer wertschätzenden Seelsorge gehört auch das Segnen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*personen und Intersexuellen (LSBTI). Die Kongregation für die Glaubenslehre hat verkündet, dass es nicht möglich ist, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Diese Mitteilung stösst auf Kritik und verletzt homosexuelle und lesbische Menschen. Unser Bischof Felix Gmür hat auf diese Nachricht auf Twitter reagiert: «Das vatikanische Segnungsverbot für homosexuelle Paare entspricht der traditionellen Lehre. Theologie und Seelsorge müssen sich jedoch auch in diesem Bereich weiterentwickeln. Dazu dient unsere Regenbogenpastoral.»

In einem Schreiben an die Seelsorger*innen teilt Bischof Felix Gmür mit, dass kein Mensch vom Segen Gottes ausgeschlossen sei. Er unterstützt eine wertschätzende Pastoral gegenüber lesbischen und schwulen Menschen, für die wir auch im Pastoralraum Rontal einstehen. Seit Jahren schon gibt es in unserem Bistum Basel die → «Regenbogenpastoral» in Anerkennung der verschiedenen Lebensentwürfe und vielfältigen Liebesgemeinschaften, die Menschen wählen. Wir vertreten die Ansicht, dass nicht die sexuelle Orientierung, sondern die gegenseitige Liebe das Zentrale ist, das Menschen miteinander verbindet. Es ist diese Liebe, die Gott segnet, und die Sexualität ist das Geschenk, das Gott uns dabei gibt. Und so sind bei uns alle Menschen willkommen, ihre Liebe unter den Segen Gottes zu stellen.

Beat Jung, Leitender Priester
Regina Osterwalder, Pastoralraumleiterin und Gemeindeleiterin Ebikon
Lukas Briellmann, Gemeindeleiter Root
Felix Bütler-Staubli, Gemeindeleiter Buchrain-Perlen

Vor Gott hüpfen und tanzen (2 Sam 6,16)

Vor Gott hüpfen und tanzen (2 Sam 6,16)

Ich weiss nicht, ob es am Sonnenschein lag oder an meinen verrückten Ideen im Kopf. Vielleicht war es auch einfach nur der Zauber der Musik, die ich gerade hörte – irgendwelche Jazzlieder aus den 1920-er Jahren mit fröhlichen Rhythmen und Texten, die mich immer mal wieder zum Schmunzeln bringen. Jedenfalls habe ich plötzlich angefangen in meinem Schlafzimmer zu tanzen.

Im Normalfall wäre das für mich nichts Besonderes, weil ich sowieso zwei bis drei Mal pro Woche Lindy Hop und Blues tanze. Aber Paartanz ist leider nicht coronakonform, ausser wenn man gerade das Glück hat, mehrere Tänzer*innen in einem Haushalt zu sein. Deshalb war vor einem Jahr plötzlich Schluss mit Tanzabenden und Tanzkursen.

Dummerweise ist für mich vor allem das gemeinsame Umsetzen der Musik in Bewegung und die Kommunikation zwischen den Tanzpartner*innen das Spannende am Tanzen. Deshalb kam bei den digitalen und analogen Soloklassen und sonstigen coronakonformen Angeboten, die es seit dem ersten Lockdown gab, nie die gleiche Lebensfreude auf, die ich insbesondere mit Lindy Hop verbinde. Aber da war sie plötzlich wieder. Mindestens für eine halbe Stunde. Ich war einfach glücklich, habe alles um mich herum vergessen und nur noch der Moment zählte.

Wenn ich mich in meiner Berufsausbildung schwer tat mit Stillsitzen und Meditieren, dann habe ich manchmal gesagt, dass ich mich beim Tanzen Gott oft näher fühle als bei gewissen Gebetspraktiken, die wir im Rahmen unserer Ausbildung ausprobierten. Und mit dieser Erfahrung stehe ich nicht alleine da. Auch in der Bibel taucht Tanzen als eine Form des Gottesdienstes auf, etwa wenn die Prophetin Mirjam nach der Durchquerung des Meeres zum Tanz aufspielt oder wenn König David vor der Bundeslade hüpft und tanzt. Ich glaube, so verschieden wie wir Menschen sind, so verschieden sind auch die Wege, über die Gott uns begegnen kann.

Christa Grünenfelder (Foto: Christa Grünenfelder)

Sonntags auf der Rigi

Sonntags auf der Rigi

 

Hier, vor dir,
stehe ich, Gott.
Hier, vor dir,
bin ich.
Du lässt mich sein
wie ich bin.
Alles bin ich
durch dich.
Für dich.
Schon immer.
Amen.

 

Christa Grünenfelder (Foto: Christa Grünenfelder)

Bruchmatt

Bruchmatt

Was für ein Schock vor drei Jahren – die Bruchmatt in Luzern wird abgerissen – die Schwesterngemeinschaft wird anderswohin gehen. Ich habe viel Zeit dort verbracht und verbinde einige Erinnerungen mit dem Ort: meine Tochter hat dort ihre erste Kommunion erhalten, ich habe mehrere Seminare dort besucht, sogar mal meinen Geburtstag gefeiert. Und vor allem die Kapelle stellte ein Stück Heimat für mich dar: noch schnell vor dem nach Hause gehen einen Moment eine Auszeit mit und vor Gott nehmen. Für viele Menschen waren die jährlichen Garten-Tage ein fixer Termin und das regelmässig angebotene Heilsingen existentiell.

Aber alles ist vergänglich – die Schwesterngemeinschaft, das Haus, die Kapelle. Was bleibt sind die Erinnerungen. Sie liegen nicht in Trümmern, sie sind wach, fühlen sich gut an und können mir sogar Mut und Kraft geben, auch wenn immer noch etwas Wehmut mitschwingt.

Manchmal kann auch eine Beziehung in Trümmern liegen, weil zu viel im Miteinander zu Bruch gegangen ist. Heilung bedeutet dabei nicht, die Trümmer wieder zusammen zu setzen. Heilung wächst im Besinnen auf die guten Momente, die man miteinander hatte. Im Loslassen. Und schliesslich im Einlassen auf das Kommende, vielleicht auch wieder im Miteinander. Mal schauen, was das neue Haus an der Stelle bringen wird …

Johannes Frank (Foto: Johannes Frank)

Stell Dich nicht so an …

Stell Dich nicht so an …

Eine Szene an einem Wochenende: Ein junger Bub fällt beim Fussballmatch hin und tut sich weh. Es sieht nicht schlimm aus, aber der Junge weint. Ein Papi schreit aufs Spielfeld: «Stell Dich nicht so an, steh endlich auf und mach weiter». Der Junge verdrückt sich die Tränen, schluckt irgendwie den Schmerz hinunter und spielt weiter. Der Schmerz lässt nicht nach, aber nochmal möchte der Junge den Stich nicht spüren: «Stell Dich nicht so an!» Nochmal als Weichei dastehen? Auf keinen Fall … obwohl das Sprunggelenk sogar angebrochen ist.

Was nimmt der Junge mit? Wenn er zeigt, dass es ihm nicht gut geht, werden ihn die Anderen als schwach ansehen. Das will er aber nicht. In Zukunft wird er es sich verkneifen und auch als Erwachsener lieber mit Schmerzen weitermachen, krank, vielleicht mit Fieber ins Geschäft gehen und ganz sicher nicht von seiner Depression erzählen. Es wird sich tief in sein Bewusstsein brennen – krank oder verletzt sein bedeutet Schwäche. Ist Ihnen so etwas auch schon widerfahren?

Krank sein ist aber keine Schwäche, sondern gehört zu unserem Mensch-Sein. Es macht uns sogar stark. Darauf möchte der heutige Sonntag besonders aufmerksam machen mit dem «Tag der Kranken». In manchen Kulturen werden kranke Menschen sogar verehrt. Jesus hat sich besonders um die Kranken gekümmert.

Lassen Sie uns ausrufen:

«Stell Du Dich nicht so an und hilf mir»

Johannes Frank (Foto: canva pro)

Wie geht’s?

Wie geht’s?

Vor einigen Jahren begegnete ich einer Familie, deren Vater schwer erkrankt war. Nur eine Lebertransplantation konnte ihn noch retten. Diese war jedoch sehr riskant. Ich begleitete die Familie auf die Operation hin und hörte ihre Ängste, Sorgen und Hoffnungen. Leider verstarb der Mann kurz nach seiner Operation. Am Jahrestag seines Todes rief ich die Frau an. «Wie geht es Dir», fragte ich sie. Da brach sie in Tränen aus und sagte, dass ich der erste Mensch seit langem sei, der bei ihr nachfragte, wie es ihr wirklich ging. Nach dem tragischen Tod ihres Mannes musste sie einfach funktionieren. «Wie geht es Dir?» Diese einfache Frage eröffnete eine Gelegenheit für diese Frau, über ihre Trauer zu sprechen und über die Schwierigkeit, den Alltag als Alleinerziehende zu bestreiten. Mir wurde in diesem Moment bewusst, wie lange es oft braucht, bis wir nach Todesfällen, Krankheiten und anderen Schicksalsschlägen wieder Tritt fassen und etwas Normalität zurückgewinnen. Der Heilungsprozess dauert oft viel länger, als wir das wahrhaben wollen, ob es nun um uns selbst geht oder um andere. Dann tut es zwischendurch einfach gut, wenn jemand mich fragt: «Wie geht es Dir? Vielleicht ist es in dieser aussergewöhnlichen Zeit erst recht wichtig, diese Frage etwas öfter zu stellen und sich die Zeit zu nehmen zuzuhören.

Lukas Briellmann (Foto: Lukas Briellmann)

 

Take-Away

Take-Away

Das Take-Away boomt. Wenn alle Restaurants geschlossen sind, dann ist dies noch die einzige Gelegenheit, mal nicht kochen zu müssen und sich etwas von auswärts kommen zu lassen. Und für viele Arbeiter*innen ist dies die einzige Möglichkeit, über Mittag zu einer warmen Mahlzeit zu kommen. Mittlerweile gibt es nicht nur Pizza und Kebab im Angebot, sondern auch ganze Menus, auch solche für gehobene Ansprüche. Kürzlich konnte ich sogar ein Rindsfilet an Pfeffersauce bestellen – für eine besondere Gelegenheit wohlgemerkt. Natürlich ersetzt dies den traditionellen Restaurantbesuch nicht, und es wird uns wohl wie eine Erlösung vorkommen, wenn diese wieder öffnen dürfen.

Bei näherer Betrachtung erscheint mir der Take-Away Gedanke als etwas Urmenschliches. Aus den Ferien bringen wir gerne ein Mitbringsel mit, das uns an die schöne Zeit erinnert, und jede Firma, die etwas auf sich hält, wird ihren Kunden solche gratis Take-Aways mitgeben, die die Kundenbindung stärken. Selbst in der Kirche gehört es zu unserem christlichen Auftrag, etwas von der Frohen Botschaft mitzugeben und die Menschen zu stärken, sozusagen ein spirituelles Take-Away. Wenn Gottesdienstbesucher*innen nach der Feier sagen: «Danke für die Worte; da kann ich etwas mitnehmen», dann gibt es wohl kein besseres Kompliment. Natürlich kann man auch schlechte Dinge mitnehmen, aber im Grunde sollte es in jeder Begegnung unser Ziel sein, dass unser Gegenüber etwas mitnehmen kann, das guttut – nährend eben. E Guete!

Lukas Briellmann (Foto: Lukas Briellmann)

Fastenzeit – Zeit der Versöhnung 

Fastenzeit – Zeit der Versöhnung 

Versöhnen heisst Brücken bauen 

Brücke zu einem Menschen, dem ich weh getan habe
mit einem unwirschen Wort
durch eine unbedachte Geste
oder dem Übersehen seiner oder Ihrer Bedürfnisse.

Brücke zu Gott, den ich verloren habe im alltäglichen Tun
den ich vergessen habe beim Danken für alles, das mir widerfährt
den ich achtlos stehen liess, als er mich um Hilfe gebeten hat.

Brücke zu mir, weil ich mich und meine Bedürfnisse zu wenig gehört habe
weil ich mir so viel Leistung abverlangt habe
weil ich unachtsam mit mir umgegangen bin.

Brücke bauen heisst zuerst hören, sehen, spüren, mit allen Sinnen wahrzunehmen, wo ein Graben entstanden ist.

Brücke bauen heisst achtsam und mit Vorsicht Stein auf Stein zu setzen, damit man den Graben überwindet und wieder verbunden ist – mit dem Anderen, mit Gott und mit sich selbst.

Johannes Frank (Foto: Versöhnungsweg Eschenbach, Johannes Frank)

Invocabit

Invocabit

Heute am 1. Fastensonntag hören wir von Jesus in der Wüste: 40 Tage, ganz alleine, das Leben auf das Allernötigste reduziert, nur vom Teufel versucht. Eine echte Wüstenerfahrung.

Wir erleben gerade ebenfalls eine ganz besondere Wüstenerfahrung – und das bereits seit weit mehr als 40 Tagen. Die Corona-Massnahmen schränken unser seit Jahren gewohntes Leben ein: Essen gehen, sich unbeschwert mit Freunden treffen, Oma und Opa besuchen, sich zur Begrüssung umarmen oder wenigstens die Hand geben, Lädelen, in den Urlaub gehen oder gar fliegen und noch vieles andere mehr ist reglementiert. Unfreiwillig stecken wir in dieser „Wüstenerfahrung“ und wissen leider noch nicht einmal, wie lange es noch dauern wird.

Was viele von uns spüren ist, dass diese Zeit etwas mit uns nachhaltig machen wird. Wie bei Jesus wird auch unsere „Wüstenzeit“ Spuren hinterlassen: gesellschaftlich, aber auch bei jedem Einzelnen. Welche Spuren, wissen wir noch nicht.

Jesus wurde nach seinen 40 Tagen sein Auftrag klar. Das führte ihn zu der Aussage: „die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe“. Man könnte auch sagen: Jetzt reicht es. Das Bisherige hat uns hierher gebracht, es tut uns Menschen dauerhaft nicht gut. Es braucht andere Perspektiven und Sinnversprechungen. Folgerichtig forderte er die Menschen zum Umdenken auf: „Kehrt um“ – macht es ab jetzt anders als bisher. Was uns wohl nach unserer Wüstenzeit klar werden wird? Und was werden wir tun?

Johannes Frank (Foto: Giorgio Parravicini, unsplash.com)

Aschermittwoch

Aschermittwoch

Aschermittwoch ist kein konkretes Datum, nicht nur ein Tag im Jahr, nein, Aschermittwoch ist eine Erfahrung.

«Mensch, gedenke, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst».

Sich mit dem Kreuz der Vergänglichkeit bezeichnen zu lassen, um mitten im Leben an die entscheidenden Fragen erinnert zu werden – und sich diesen Fragen dann auch ganz persönlich zu stellen.

in einer waagschale

zuviel

in der anderen zuwenig

müde geworden in der hingabe

vielleicht mich aufgegeben

in der aufgabe

vor lauter zuwenig

und

lauter zuviel

hab ich

meine Mitte

verloren

(Text nach Andrea Schwarz)

Die kommende, vierzigtägige Fastenzeit lädt uns ein, unsere Balance zu finden.

Pia Pfister (Foto: pixabay.com)

 

Zum Valentinstag

Zum Valentinstag

Herzen und rote Rosen – die beiden Symbole sind unzertrennlich mit dem Valentinstag vom 14. Februar verbunden. Doch warum dieser Tag der Tag der Verliebten ist, lässt sich historisch nicht erklären. Denn um das Leben Valentins gibt es mehr Fragen und Spekulationen als gesicherte Antworten. Zudem gilt das Gedenken zwei Personen: Valentin, Bischof von Terni in Umbrien, der um das Jahr 268 in Rom als Märtyrer starb. Valentin, Priester von Rom, der am 14. Februar 269 unter Kaiser Claudius Gothicus ebenso das Martyrium erlitt.

Valentinstag – Tag der Verliebten: eine mögliche Erklärung knüpft an die römische Götterwelt an. Man gedachte im alten Rom der Göttin Juno, Schützerin von Familie und Ehe. Den Frauen schenkte man Blumen. Diese Verehrung ging auf den Valentinstag über.

Begegnungen, Umarmungen, gelebte Zärtlichkeiten – sie sind mehr als rar in der momentanen Situation. Manchmal können Worte trösten und uns für einige Augenblicke aufatmen lassen. Und wie in vielen andern Situationen und Gegebenheiten ist unsere Fantasie und Kreativität gefordert und gefragt – ich wünsche Sie Ihnen von Herzen.

«Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden».
Clemens von Brentano

Pia Pfister (Foto: pixabay.com)

Aktuelle Stellenangebote

Interessante Stellen im Pastoralraum Rontal:

  • Ebikon: Per 1 August oder nach Vereinbarung: Katechet*in, ca. 30 % → Inserat
  • Root: Per 1. August 2021: zwei Personen im Bereich Katechese (30–80 %) → Inserat
  • Root: Per sofort oder nach Vereinbarung: Sakristan/in (40 %) → Inserat
Schmutziger Donnerstag

Schmutziger Donnerstag

Morgen, am 11. Februar, ist «Schmutziger Donnerstag». Ein Tag, an dem wir alle Masken tragen werden! Aber in diesem Jahr nicht zum fasnächtlichen «Intrigieren», sondern zum gesundheitlichen «Prohibieren» (verhindern) von Corona-Ansteckungen. Aufgrund der geltenden Einschränkungen ist keine «normale» Fasnacht möglich. Es wird stiller sein.

Die Franzosen nennen diesen Donnerstag «jeudi gras». Denn er hat seinen Namen vom Fett, in dem früher die Fasnachts-Chüechli gebacken wurden. Am Schmutzigen Donnerstag 1858 geht die 14-jährige Bernadette Soubirous in Lourdes mit ihrer Schwester und einer Freundin hinunter zum Gave. Im bewaldeten Gebiet am Bach, unterhalb der Felswand, suchen sie Brennholz, um in der dürftigen Unterkunft der Soubirous etwas heizen zu können. Da sieht Bernadette in der Grotte Massabielle erstmals eine weiss gekleidete Dame. Und das wiederholt sich in den Tagen darauf. Am 25. Februar sagt ihr die Dame, sie soll „aus der Quelle trinken und sich dort waschen“. Bernadette beginnt mit ihren Händen im Schlammboden der Grotte zu graben und entdeckt bald darauf eine Quelle.

Seither ist Lourdes mit seinem Wasser zur Quelle des Gebets, der Kraft und von Heilungen geworden. Begonnen hat diese Geschichte an einem stillen «Schmutzigen Donnerstag».

Beat Jung (Foto: pixabay.com)

Licht

Licht

«So soll, was in uns dunkel ist,
was schwer uns auf dem Herzen liegt,
aufbrechen unter deinem Licht
und dir sich öffnen, Herr und Gott.»

(Nach: Nox et tenebrae et nubila; Prudentius, 4. Jh.)

Mit Schutzmaske vor Nase und Mund bete ich seit einiger Zeit regelmässig vorne im Chor der Hofkirche in der kleinen Gruppe der Chorherren. So auch an einem trüben Morgen. Da trifft mich ein Abschnitt aus dem Tageshymnus mitten ins Herz. Meine innere Stimmung unterscheidet sich nicht wesentlich vom  grauen Morgen draussen. Die Corona-Vorschriften empfinde ich als eine Belastung. Und daneben beschäftigt mich vieles, was mir «ablöscht» – zusätzlich zu den täglichen Nachrichten.

Das Morgengebet, das ich schon oft gebetet habe, spricht mich heute ganz anders an. Es holt mich ab und holt mich heraus aus dem, was schwer mir auf dem Herzen liegt. Es gibt mir Kraft für den Tag! So wie das Licht Pflanzen und Blumen in seine Richtung zieht, so will das Licht auch mir heute die Ausrichtung und die Blickrichtung geben.

Aufbrechen, sich öffnen – Worte aus der Natur. Ich sehne mich nach dem Frühling. Und ich sehne den Tag herbei, da wir wieder gemeinsam singen dürfen. Damit aus dem Eröffnungsruf am Morgen wieder Gesang wird: «Herr, öffne meine Lippen. Damit mein Mund dein Lob verkünde!»

Beat Jung (Foto: Beat Jung, Glasfenster in der Kapelle der St. Anna-Schwestern, Luzern)

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

Ich lasse mich gerne von Pierre Stutz inspirieren. Einige seiner Bücher handeln von Alltagsritualen und wie wir mit unserm Körper beten können.

Wenn ich alleine unterwegs bin, baue ich in meine Spaziergänge gerne das achtsame Gehen ein. Als Vorbereitung stelle ich mich an einem schönen Platz breitbeinig und aufrecht hin und schliesse für einen Moment die Augen. Ich lausche meinem Atem. Wie er kommt und geht. Wie ich beschenkt werde und wieder los-lasse, damit ich den neuen Sauerstoff wieder aufnehmen kann. Einfacher fällt es mir, wenn ich meine Hände auf den Bauch lege und merke, wie sie sich heben und senken.

Nach einer Weile öffne ich die Augen wieder und konzentriere mich auf meine Füsse. Auf einem ebenen Wegstück praktiziere ich das achtsame Gehen. Ich hebe den einen Fuss und setze ihn ganz bewusst wieder auf den Boden. Ich achte darauf, dass die Zehen zuerst die Erde berühren, dass ich den ganzen Fuss abrolle und dann die Ferse auf dem Boden ankommt. Erst wenn ich wieder guten Stand habe, hebe ich den andern Fuss achtsam und wiederhole diese Übung ein paar Mal. Dieses neue Bewegungsmuster kann das alte ersetzen. Nach ein paar Schritten staune ich, wie bereichernd dieses aufmerksame gehen ist. Es hilft mir, nach jedem Schritt einen Atemzug Pause einzulegen, damit ich in Ruhe bleibe. Manchmal experimentiere ich mit Rückwärtsschritten. Gelegentlich stelle ich mir einen Sandstrand oder einen moosigen Waldboden vor. Ich erinnere mich an Momente, wo ich solche Wege barfuss gegangen bin. Im Schnee oder im Sand werden meine Spuren sichtbar.

Dieses bewusste gehen kann natürlich auch in der Stube mit den Socken oder barfuss praktiziert werden oder als Pause im Homeoffice.
Mir hilft diese Übung mich wieder zu zentrieren, ins Gleichgewicht zu kommen und «der Weg ist das Ziel» vor Augen nicht zu verlieren. Mit jedem Schritt gebe ich Alltagsballast dem Boden ab und lasse los von den vielen Gedanken, die mich beschäftigen.  Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

So wie jeder Fussabdruck einzigartig ist, sind auch Sie einzigartig!

Nicole Sigrist (Foto: Nicole Sigrist)

Licht-Blicke

Licht-Blicke

In den Wochenend-Gottesdiensten vom 30./31. Januar feiern wir «Mariä Lichtmess« (2. Februar). Jedes Jahr feiert die katholische Kirche am 2. Februar, also genau 40 Tage nach Weihnachten, das Fest der «Darstellung des Herrn», welches volkstümlich auch «Maria Lichtmess» (früher Mariä Reinigung, Purificatio Mariae) genannt wird. Traditionell beschloss dieses Fest den weihnachtlichen Festkreis. Die Kerzen werden gesegnet für das ganze Jahr. So werden die Kerzen doppelt zu Lichtbringern. Zum einen durch die stärkenden Worte des Segens und zum andern durch das Licht, welches sie in die Dunkelheit bringen.

«Es ist besser eine Kerze anzuzünden,
als über die Dunkelheit zu klagen».

Konfuzius, chinesischer Philosoph

 

Kerzen sind etwas Besonderes für mich. Auch wenn es nur eine Rechaudkerze ist, vermag sie einen dunklen Raum mit Licht zu erfüllen. Es wird sofort heller und gemütlicher. Die Kerze schafft Atmosphäre. Dieses Licht bedarf aber auch Schutz vor Zugluft, damit es nicht sofort wieder auslöscht.
Zum Leben brauchen wir alle Licht. Pflanzen, Menschen oder Tiere benötigen es zum Wachsen und Gedeihen. Lichtblicke sind für mich ein hoffnungsvolles aufatmen in einer strengen Phase, wenn ich endlich das Ende des Tunnels erblicke oder wenn es mir warm wird ums Herz.
Ein wohlwollender Blick, ein liebes Wort, ein Lob oder eine kleine Anerkennung können ebenfalls Licht in unseren Alltag bringen. Überraschen wir unsere Mitmenschen in den nächsten Tagen damit und wir werden von deren Reaktion selber damit beschenkt.
Auch die Natur zeigt uns immer wieder auf’s Neue, dass nach den dunklen, kalten Tagen das Licht wächst und immer mehr wird. An Lichtmess ist es bereits eine Stunde länger hell als an Weihnachten!

Nicole Sigrist (Foto: Nicole Sigrist)

Lachen befreit

Lachen befreit

Zwei Zufälligkeiten, vor kurzem erlebt in einem Grossverteiler:

Ich stehe in der Nähe einer Verkäuferin. Ein Mann geht eiligen Schrittes auf die Verkäuferin zu und fragt genervt: «Wo ist das Büchsenfutter?» Die Verkäuferin: «Für Hunde oder Katzen?» Der Mann: «Für Menschen!» Nach kurzer Pause lachen beide. Die Verkäuferin führt den Mann zum entsprechenden Gestell.

Ein anderes Mal bei der reichhaltigen Früchteauslage. Eine Mutter mit einem ungefähr fünfjährigen Kind steht vor den Orangen. Sie fragt: «Sollen wir mal Blutorangen nehmen?» Das Kind: «Ist da Blut drin?» Die Mutter klärt auf, wir lachen alle drei.

Zwei kleine Begebenheiten.
Wie wenig braucht es, und wir Menschen reagieren unfreundlich und gestresst.
Aber auch: wie wenig braucht es, und eine Situation kann sich unerwartet entspannen.
Und: In vielen kleinen Begebenheiten sind viele kleine und grossen Kostbarkeiten verborgen.

Ich hoffe, wir können in der momentan angespannten Situation den Sinn für Humor behalten.

Lachen befreit.

Andres Lienhard, Pfarreiseelsorger (Fotos: pixabay.com)

(Fast) alles im Leben ist relativ

(Fast) alles im Leben ist relativ

Ein verstauchter Knöchel kann sehr unangenehm sein. Aber wenn man unter chronischen Rückenschmerzen leidet, ist ein verstauchter Knöchel ein kleines Problem.
24 Stunden Zusammensein mit einem geliebten Menschen ist kurz. 24 Stunden Zusammensein mit gewaltbereiten Menschen jedoch ist eine «Ewigkeit».

(Fast) alles im Leben ist relativ.

Eindrücklich erfahrbar macht das Dietrich Bonhoeffer. Er ist evangelischer Theologe und wurde 1945 von den Nazis im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. In diesem Konzentrationslager schrieb er folgende Worte. Sie sind auch im katholischen Gesangbuch bei der Nummer KG 569,1 zu finden.

In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht;
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede;
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld;
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weisst den Weg für mich.
(Dietrich Bonhoeffer, 1906-1945)

 

Solche Worte in einer Situation wie seiner lassen die momentanen Erfahrungen anders aussehen.

(Fast) alles im Leben ist relativ.

Andres Lienhard, Pfarreiseelsorger (Foto: pixabay.com)

Macht und Liebe

Macht und Liebe

Gravur für den mächtigsten Mann der Welt – und nicht nur für ihn

Heute wird Joe Biden als neuer Präsident der USA vereidigt. Gespannt blickt die Welt nach Washington – auch mit etwas Bangen nach all den Spannungen, die sich in den letzten Monaten und Jahren aufgebaut haben. Wird es weitere Unruhen geben oder gar Gewaltakte? Kann diese Feier überhaupt in einem respektvollen Rahmen über die Bühne gehen? Wie wird die USA einen Weg zur Versöhnung finden?

Die Medien haben den politischen Kampf in den USA dankbar aufgriffen. Es gibt Themen, die wecken unsere Aufmerksamkeit und zahlen sich (für einige wenigstens) im wahrsten Sinne des Wortes aus. Vor allem Skandale regen unsere Phantasie an und füllen die Klatsch- und Kommentarspalten. Aber irgendwann kommt der Punkt, da wird dieses ewige Blossstellen und die aggressiven Worte, das Hinterfragen, Intrigieren und Schwarz-Weiss-Denken ermüdend und wir sehen nur noch die Abgründe unserer menschlichen Gesellschaft. Ich hoffe sehr, dass die USA diesen Punkt der Umkehr erreicht haben. Dabei liegt es mir fern, mit dem Finger einfach nur auf die anderen zu zeigen, denn ich weiss, dass wir alle immer wieder in Gefahr sind, in diese Sackgasse der Machtspielchen zu laufen. Dann brauchen wir einen Wendepunkt und Neuanfang. Und es braucht eine Richtschnur, an der wir unser Verhalten positiv ausrichten können, zum Beispiel die Botschaft des Paulus an die zerstrittene christliche Gemeinde in Korinth. Die Welt und unser Umgang miteinander würden ziemlich anders aussehen, wenn wir diese Worte in unsere Herzen eingravieren würden:

«Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie verletzt nicht den Anstand, sucht nicht den eigenen Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.»
1 Kor 13, 4-7

Lukas Briellmann (Foto: Lukas Briellmann)

Pfarreiblatt April

Pfarreiblatt April

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Leitartikel: Sehen oder staunen

Sehen ist Physik. Auch die Medizin befasst sich mit dem Sehen. Kameras imitieren das menschliche Sehen. Technik simuliert das Sehen verschiedener Tiere. Aber sehen wir tatsächlich, was wir sehen?

Sehen ist etwas sehr Individuelles. Reines, unverfälschtes Sehen gibt es nicht, Sehen ist immer auch Interpretation. Wir sehen, weil unsere Umgebung Licht unterschiedlich reflektiert oder absorbiert. Jedoch wissen wir erst, was wir sehen, wenn unser Gehirn diese Impulse interpretiert. Ich nehme «etwas» anders wahr als Sie, deute es anders, gebe eine andere Bedeutung. Und spätestens seit dem kleinen Prinzen von St. Exupéry wollen wir nicht nur mit den Augen sehen, sondern auch mit dem Herzen – das macht die Sache auch nicht unbedingt einfacher.

Zeit und Entfernung
Dann wären da noch die optischen Täuschungen, die uns Streiche spielen und ausserdem die Faktoren «Zeit» und «Entfernung», die uns verwirren können. Es stellt sich sogar die Frage, ob wir überhaupt sehen, was wir sehen oder ob das, was wir sehen, gar nicht (mehr) existiert. Stellen Sie sich vor, ein Stern ist 2000 Lichtjahre entfernt und erlischt heute. Dann erfahren wir dies erst in 2000 Jahren. Oder umgekehrt: Wir sehen heute noch Sterne, die zur Zeit Jesu bereits erloschen waren.

Ostern sehen oder glauben
Ich versuche, das Ganze umzukehren. Wenn wir davon ausgehen, dass Jesus vor gut 2000 Jahren auf unserem Planeten geboren, kreuzigt und begraben wurde und auferstand … und wir uns vorstellen, dass wir von einem etwas mehr als 2000 Lichtjahre entfernten Himmelskörper aus auf diese Erde blicken würden: Könnten wir dann heute sehen, was damals in Jerusalem oder anderswo geschah?
Oder ist es gar nicht entscheidend, dies zu sehen, weil «glauben» im christlichen Kontext wichtiger ist als «sehen»?

Was sind schon 2000 Jahre?
2000 Lichtjahre sind nichts. Nichts im Vergleich zu den 100 000 Lichtjahren Durchmesser «unserer» Milchstrasse. Darin blicken wir höchstens 100 000 Jahre in die Vergangenheit. Und das wiederum ist nichts – denn es ist nur ein Bruchteil der Zeit, die ein Stern existiert. Über all diese Dimensionen können wir letztlich nur staunen – wie auch über das Wunder von Ostern.

Marcel Bucher, Kommunikationsverantwortlicher des Pastoralraums (Foto: pixabay.com)

Pfarreiblatt März

Pfarreiblatt März

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Leitartikel: Auf der Suche nach dem goldenen Faden


Das MISEREOR-Hungertuch 2021/2022 «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» von Lilian Moreno Sánchez. (Bild: © MISEREOR)

 

Mit den Hungertüchern wurde eine mittelalterliche Tradition wiederbelebt. Da viele Gläubige damals des Lesens unkundig waren, wurden vor Ostern nicht nur Altäre und Kreuze mit Stoffbahnen verhüllt, sondern auch biblische Szenen auf Hungertücher gemalt. Analphabet*innen bekamen so Zugang zur Heiligen Schrift.

Dieses Jahr hat das Misereor-Hungertuch die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez geschaffen. «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» (Ps 31,9) ist der Titel dieses Hungertuches, das aus drei Teilen besteht. Es ist ein Triptychon – alle Teile gehören zusammen.

Ein Röntgenbild
Als Grundlage diente der Künstlerin ein Röntgenbild. Es zeigt den Fuss eines Menschen, der im Oktober 2019 in Chile gegen die soziale Ungleichheit im Land demonstrierte und dabei verletzt wurde. Besonders junge Demonstrant*innen wehrten sich dort gegen die steigenden Lebenskosten und die dadurch zunehmende soziale Ungleichheit. Die schwarzen Linien aus Zeichenkohle zeigen die Umrisse des verletzten Fusses. Der menschliche Schmerz wird durch das Schwarz symbolisiert und verbindet ihn mit der Leidensgeschichte Jesu. Die leicht und beschwingt wirkenden Linien weisen trotz gebrochenen Füssen hin auf Hoffnung und auf die Kraft, die Wandel herbeiführen kann.

Strassenstaub und Blumen
Das Hungertuch ist auf gebrauchten Leintüchern gestaltet worden. Sie stammen aus einem Krankenhaus und einem bayerischen Frauenkloster. Mit der Bettwäsche ging die Künstlerin in Santiago de Chile auf den «Platz der Würde». Auf diesem Platz wurde der Mensch verletzt, dessen Fuss das Hungertuch zeigt. Hier hat Lilian Moreno Sánchez Strassenstaub in den Stoff gerieben. Er erinnert an den Mut der protestierenden Menschen, die für ihre Rechte einstanden, aber auch an die Gewalt. Die zwölf Blumen aus Blattgold symbolisieren Schönheit und Kraft. Schmerz und Leiden können überwunden werden. Gold ist die Farbe der Ewigkeit und weist hin auf Gott, der neues Leben schenkt.

Der Faden
Der Stoff des Hungertuches wurde auseinandergeschnitten, wieder zusammengelegt und mit goldenem Faden genäht. Die Künstlerin sagt dazu, dass der goldene Faden an Nähte von Chirurgen oder an bleibende Narben erinnert. Dieser Faden soll Heilung und Zukunft ermöglichen. Der goldene Faden – Erinnerung an unsere biblischen Vorväter und Vormütter, die beteten «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» (Psalm 31,9).

Regina Osterwalder, Pastoralraumleiterin

Pfarreiblatt Februar

Pfarreiblatt Februar

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Leitartikel: Etwas Gutes sagen

In der ersten Februarwoche finden traditionsgemäss verschiedene Segnungen statt. Segnen heisst auf Lateinisch «benedicere», was übersetzt heisst: etwas Gutes sagen. In den Gottesdiensten der kommenden Tage sagt Gott uns etwas Gutes zu. Und es ist doch wohltuend, wenn ich als Mensch so von Zeit zu Zeit ganz ausdrücklich eine besondere Zuwendung erlebe.

Bei der Kerzensegnung am Fest «Darstellung des Herrn» (2. Februar, Lichtmess) spricht Gott uns Licht zu. In jedem Leben gibt es dunkle Ecken, die wir nicht gerne ausleuchten, sondern gerne in der Dunkelheit lassen. Gott möchte uns ermuntern, gerade auch diese Punkte ins Licht zu halten und in seinem Licht zu betrachten. Dann kann zum Beispiel eine alte Verletzung plötzlich in einem neuen Licht erscheinen. Oder ich kann eine «dunkle» Seite an mir, die ich eigentlich nicht wahrhaben will, annehmen als etwas, das zu mir gehört.

Atemnot und Hoffnung
Mit dem Festtag des heiligen Blasius am 3. Februar ist die Halssegnung verbunden. Sie geht zurück auf eine Legende, die besagt, dass der Heilige einen Jungen vor dem Ersticken bewahrt hat. Er hat den Hals des Jungen von einigen Fischgräten befreit. Dass uns durch Fischgräte das Ersticken droht, ist wohl äusserst selten. Aber was müssen wir tagtäglich alles schlucken, oder was lässt uns schwer atmen? Angefangen von kleinlicher Kritik durch Mitmenschen bis zu einschränkenden Entscheidungen unserer Staatsgremien. Dies alles gehört zu den Grenzen dieser Zeit in unserer Welt und unseres Menschseins. Gottes Zuspruch kann uns helfen, uns durch solch unliebsame Erfahrungen nicht lähmen zu lassen und hoffnungsvoller der Zukunft zu begegnen.

Brot und Dankbarkeit
Mit dem Festtag der heiligen Agatha am 5. Februar ist die Brotsegnung verbunden. Für uns ist es sozusagen selbstverständlich, jeden Tag Brot auf dem Tisch zu haben. Das ist nicht für alle Menschen so. Das heisst nun nicht, dass wir uns ständig mit einem schlechten Gewissen an den Tisch setzen sollen. Aber das gesegnete Brot des Agatha-Tages kann uns daran erinnern, dass auch unser tägliches Brot letztlich eine Gabe Gottes ist.

Segnung und Stärkung
Sich von guten Wünschen – den Segnungen – betreffen lassen, ist wie eine zusätzliche Stärkung in dieser speziellen Zeit und im winterlichen Alltag. Wir freuen uns, Sie bei den Segensfeiern zu begrüssen. Angaben zu den Gottesdiensten finden Sie → hier.

Felix Bütler-Staubli

 

Pfarreiblatt Januar

Pfarreiblatt Januar

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Leitartikel: Hundert Jahre Pfarreiblatt im Rontal

«Liebe Pfarrkinder» – lautete die Begrüssung der Leserinnen und Leser des ersten St. Martins-Boten vor hundert Jahren. Dieses «Kirchliche Anzeigenblatt für die Pfarrgemeinde Root», erschien am 1.1.1921 erstmals. In Dierikon, Gisikon, Honau und Root wirkte damals Pfarrer Josef Bucher. Er setzte mit dem St. Martins-Boten den Grundstein für unser heutiges Pfarreiblatt.

«Neue Zeiten verlangen neue Wege», schrieb damals Pfarrer Bucher und rief sein Pfarreiblatt als «modernes Mittel der Seelsorge» ins Leben, um das Wort Gottes über den Kirchenraum hinaus zu verbreiten und damit «alle, alle zum göttlichen Heiland zu führen».

Pfarreiblatt heute
Die Zeiten haben sich seither erneut geändert. Grundwerte unseres Glaubens sind geblieben – aber will das heutige Pfarreiblatt noch immer «alle zum Heiland führen»? Sicher nicht. Wichtig bleibt jedoch, dass das Pfarreiblatt von einer Kirche berichtet, in der Gott nah bei uns Menschen sein und uns im Alltag berühren möchte. Im Alltag heisst: diese Begegnung kann genauso gut bei einer frühmorgendlichen Andacht in der Kirche, auf einem Waldspaziergang, beim gemeinsamen Mittagessen, während eines Bastelnachmittags, im Kleiderraum, beim Besuch der «Gassechuchi», im gemeinsamen Gesang wie auch beim Feierabendbier oder in einem Online-Angebot stattfinden. Diese Vielfalt im Pastoralraumleben zeigt das Pfarreiblatt. Es informiert über Aktivitäten und Angebote. Es regt mit spirituellen Inhalten zum Nachdenken an, es öffnet den Blick über unsere Kirchentüre hinaus, über die Pfarreigrenzen hinweg.

Pfarreiblatt morgen?
Ist das Pfarreiblatt noch zeitgemäss? Gibt es modernere Kommunikationsmittel, die wir nutzen können und teilweise bereits einsetzen? Wir sind unterwegs und suchen nach Möglichkeiten, verschiedene Kommunikationsmittel zu verwenden und zu kombinieren. Wir möchten mit verschiedenen Mitteln unterschiedliche Menschen ansprechen. Das Pfarreiblatt wird dabei weiterhin eine Rolle spielen und sich weiter entwickeln.

Änderungen im Pfarreiblatt
Mit der aktuellen Pfarreiblattausgabe führen wir folgende Änderungen ein:

  • Seitenreihenfolge: Sie finden ab sofort die Inhalte immer in gleicher Reihenfolge: Pastoralraumseiten – Gottesdienste – Pfarreiseiten – Chronik/Adressen – Agenda – Seiten der Zentralredaktion des Vereins Kantonales Pfarreiblatt Luzern.
  • Angepasste Darstellung der Gottesdienste an Wochenenden: Samstagabendgottesdienst erscheint als zugehörig zum Sonntagsgottesdienst.
  • Gendergerechte Sprache: Die Sprache unseres Pfarreiblatts richtet sich an alle Menschen. Wo es den Lesefluss nicht stört, verwenden wir ab sofort nicht nur weibliche und männliche Formen, sondern den sogenannten «Genderstern». Aus Leserinnen und Lesern werden dadurch Leser*innen.

Dankeschön
Dass das Pfarreiblatt etwas zu berichten hat, verdanken wir vielen motivierten Menschen. Freiwilligen und Mitarbeiter*innen, welche Anlässe organisieren und im Pfarreiblatt dazu einladen. Menschen, welche am Leben des Pastoralraums teilhaben und über Erlebtes berichten. Pfarreiangehörige, welche uns Mitarbeiter*innen mit neuen Ideen anregen und uns mit Rückmeldungen unterstützen.

Dass das Pfarreiblatt etwas bewirken kann, haben wir gleichzeitig Ihnen, liebe*r Leser*in verdanken. Danke für Ihr Interesse!

Marcel Bucher, Kommunikationsverantwortlicher des Pastoralraums Rontal

 

Kleiderraum für Menschen mit KulturLegi im Rontal

Kleiderraum für Menschen mit KulturLegi im Rontal

Seit Oktober 2020 gibt es im Pfarreiheim Ebikon den Kleiderraum für armutsbetroffene Menschen im Rontal.

Die ökumenische Fachstelle Diakonie Rontal ist eine diakonische Organisation der katholischen Kirchen Buchrain-Perlen, Ebikon und Root sowie der evangelischen Teilkirchgemeinden Buchrain-Root und Ebikon. Die Fachstelle setzt die «Kirche, die das soziale Handeln lernt und lehrt» um – neu mit einem Kleiderraum für armutsbetroffene Menschen im Rontal, die oft nicht über genügend Mittel verfügen, dringend benötigte Kleider für sich und vor allem auch für die Kinder zu beschaffen.

Im Kleiderraum können nicht mehr benötigte Kleider und Haushaltswäsche (Küchentücher, Frottee- und Bettwäsche) in einwandfreiem und sauberem Zustand abgegeben werden. Ausschliesslich Armutsbetroffene aus dem Rontal können an bestimmten Tagen nach Voranmeldung, unter Vorweisung der Kulturlegi und nach Bezahlung einer Pauschalabgabe von 15 Franken diese Secondhand-Sachen erhalten. Freiwillige Helferinnen und Helfer beaufsichtigen nicht nur die Herausgabe, sie sorgen auch dafür, dass die erhaltenen Sachen ordentlich bereitgestellt werden.

Terminvereinbarung/(Kleider-)spenden

Kontakt für Kleiderspenden und Abholtermine:
uta.siebel@kirchenrontal.ch
041 440 13 04, 077 503 13 42

→ Hier finden Sie die Daten, an denen der Kleiderraum geöffnet ist.

Pfarreiblatt Dezember

Pfarreiblatt Dezember

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Leitartikel: (K)ein Platz in der Herberge

Wer kennt sie nicht – die Krippenspiele. Die Rollenzuteilung ist nicht leicht, denn die Buben wollen den Josef spielen und die Mädchen natürlich die Rolle der Maria übernehmen. Ochs und Esel, die Hirten und die Engel müssen aber auch besetzt werden und natürlich der Wirt, der mit polternder Stimme das Paar abweist mit den Worten: «Hier hat es keinen Platz mehr für euch – die Herberge ist voll».

Das vermasselte Krippenspiel
Nun war da also Walter. Eigentlich wollte er den Schäfer mit der Flöte sein. Aber Frau Schmitt hatte ihm eine andere wichtige Rolle zugedacht. Es kam der Moment, wo Josef auftrat und mit Maria an die Tür der Herberge klopfte. Walter stand hinter der Tür und fragte barsch: «Was wollt ihr?» Und wir kennen die Antwort von Josef und Walter sprach mit kräftiger Stimme: «Die Herberge ist voll». Josef erklärt ihm die Situation, dass sie schon überall vergeblich gefragt haben und sie von weither kommen. Walter blickte wieder streng. Doch Josef liess nicht locker: «Das hier ist meine Frau Maria. Sie ist schwanger und braucht einen Platz zum Ausruhen. Ihr habt doch sicher ein Eckchen für sie. Sie ist müde …». Da entstand eine lange Pause, so dass es für die Zuhörenden ein bisschen peinlich wurde. Der Souffleur flüsterte: «Nein! Schert euch fort!» Und nun – der Wirt ging nicht mehr zurück in die Herberge. Er sah dem Paar nach, das eben den Weg fortsetzen wollte. Walter blieb stehen, die Stirne sorgenvoll gefurcht. Und plötzlich wurde dieses Krippenspiel anders als alle bisherigen. «Bleib hier, Josef!» rief Walter. «Bring Maria wieder her!». Sein Gesicht verzog sich zu einem breiten Lächeln. «Ihr könnt mein Zimmer haben!». Manche Leute meinten, Walter habe das Spiel vermasselt und verdorben. Aber viele hielten es für das weihnachtlichste aller Krippenspiele, die sie je gesehen hatten.

Einen Platz bekommen oder haben
Das Kind in der Krippe, dann erwachsen geworden, wird Menschen einen Platz geben oder sie vom Rand in die Mitte zurückholen. Wer Menschen einen Platz gibt, sie in die Mitte zurückholt, wie der Rabbi aus Nazareth, bei dem wird Gottes Gerechtigkeit spürbar und erfahrbar. Diese Menschen verkörpern die Barmherzigkeit Gottes. «Barmherzigkeit verweist auf die mütterliche Dimension Gottes: Das hebräische Wort für «Barmherzigkeit» (rachamim) ist der Plural von «Gebärmutter» (rechem), deren Wortwurzel «Wärme» bedeutet (cham). Wenn ein Mensch einen Platz hat im Herzen eines Menschen, dann wird ihm warm ums Herz.

Das wäre auch ein Weihnachtsgeschenk – Menschen einen Platz geben, so dass es ihnen warm ums Herz wird. Warmherzige und frohe Festtage.

Regina Osterwalder
(Foto: pixabay.com)

 

Pfarreiblatt November

Pfarreiblatt November

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2+2=4

2+2=4 … Das ist richtig, aber ist es deswegen auch wahr? Ist es nicht wahr, dass sich ein Team von vier Leuten, zusammengesetzt aus jeweils zwei Leuten unterschiedlicher Gruppen, gut harmonierend zusammenarbeitend, sich nach mehr als nur vier Leuten anfühlt? Der «gute Geist», der als fünfte Kraft mitwirkt? Dann wäre es richtig, dass 2+2=4 ist, gleichzeitig aber wäre 5 auch wahr.

Richtig und wahr wird häufig in der gleichen Art und Weise benutzt, obwohl die Wörter unterschiedliche Bedeutungen haben. In der Logik wird der Wahrheitsgehalt einer Aussage mit «wahr» und «falsch» bezeichnet. Und als in der Aufklärung schliesslich der Verstand und das rationale Denken über alles gestellt wurden, sind «wahr» und «richtig» endgültig gleichgesetzt worden und «falsch» als das Gegenteil.

Richtig ist jedoch etwas, das wissenschaftlich, mathematisch oder eben logisch eindeutig ist. Man könnte einfach sagen: beweisbar. Bei «wahr» kommt ein Beziehungsaspekt dazu: wie stehe ich zu der Aussage? Ist die Sache für mich wahr? Was bedeutet es mir?

Jesu Geburt zu Bethlehem
Weihnachten rast auf uns zu. Ist es richtig, dass Jesus in Bethlehem auf die Welt kam, unterwegs mit seinen Eltern? Ist es richtig, dass er, der Erlöser der Menschheit, in einem Stall in armseligen Verhältnissen geboren wurde und die ersten «Gratulanten» Hirten von der Weide waren? Ist es richtig, dass ein Stern drei Weise (oder drei Könige?) zu dem Stall gelotst hat?
Für mich ist es wahr. Ob es richtig ist, weiss ich nicht. Aber für mich macht es Sinn, dass Jesus nicht in einem Palast geboren wurde, dass nicht viele Könige und Herrscher von überall herkamen, um ihm wie einem Kaiser zu huldigen. Ich fühle mich diesem Jesus viel näher, seinen Eltern, die danach flüchten mussten. Zu diesem Jesus kann ich von Geburt an eine Beziehung aufbauen und diese an Weihnachten feiern, in dem ich mich mit den Hirten identifiziere, die dem Wunder der Geburt eines hilfebedürftigen Babys beiwohnen, der schliesslich für mich da sein wird und sein Leben am Kreuz geben wird.

Pastoralraum Rontal
Es ist richtig, dass vor vier Jahren im November durch Zusammenschluss der Pfarreien Buchrain-Perlen, Ebikon und Root der Pastoralraum Rontal gegründet wurde. Ist es deswegen wirklich schon für alle wahr? Es wird noch Zeit brauchen, bis die Menschen in den Pfarreien, im Pastoralraum, eine Beziehung zu diesem Verbund aufgebaut haben. So lange ist es noch nicht wahr, aber richtig. Aber es ist wichtig, dass wir uns dieser Beziehungsarbeit immer wieder stellen, damit es in uns wahr werden kann und Früchte bringen kann. Genauso wie Jesu Geburt.

Johannes Frank

(Bild: Tiramisu, pixabay.com)

Pfarreiblatt Oktober

Pfarreiblatt Oktober

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Jetzt ist die Zeit, Farben zu sammeln!

Im Kinderbuch «Frederick» von Leo Lionni sammeln die Mäuse eifrig Essens-Vorräte für den Winter. Nur Frederick schert aus: Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Wie recht er hatte, zeigte sich gegen Ende des Winters. Jetzt ist es Oktober: Zeit, Farben zu sammeln! Langsam geht das Jahr 2020 dem Winter zu. Es ist Erntezeit. «Herr, es ist Zeit» schreibt Rilke in seinem Herbstgedicht. «Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein; gib ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin, und jage die letzte Süsse in den schweren Wein.»

Farben zum Leuchten bringen
Wie die Natur im Herbst noch einmal ihre ganze Farbenpracht entfaltet, so hat der Glaskünstler André Bréchet (1921–1993) Farben in die moderne Saint-Nicolas de Flue-Kapelle im Weiler Mormont bei Courchavon, zwischen Pruntrut und Bure in der Ajoie, gebracht. Weil keine grossen Mittel vorhanden waren, wurde diese Kapelle auf Initiative von Abbé Bitschy 1976 von Maurergesellen aus Europa gebaut, ohne Architekt und ohne Bauunternehmung. Um keine statischen Probleme zu schaffen, hat sich der Künstler für Dutzende von kleinsten Fenstern mit bunten Glasbausteinen in den Betonwänden entschieden. Entstanden ist ein Bijou, das man so abgelegen auf dem Land nicht erwarten würde!

Leben ist bunt
Der Herbst mit seinen Farben macht uns bewusst, wie vielfältig das Leben ist. Wenn wir jetzt Farben sammeln, haben wir Nahrung für die Seele, wenn der Nebel kommt und die Farben verblassen.

Beat Jung, leitender Priester im Pastoralraum Rontal

Pfarreiblatt September

Pfarreiblatt September

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Mit Poesie ins Paradies

«Praxis bedeutet: den Ort, an dem du jetzt stehst, zum Paradies zu machen, das Himmelreich unter deinen Füssen zu entdecken». Dieser Satz stammt von dem Zen-Meister Kodo Sawaki (1880–1965). Und wie machen wir das? Jede und jeder auf ihre/seine Art und Weise. Wir entdecken Dinge oder machen Erfahrungen. Eine entdeckt die Musik, ein anderer die Natur und manche die Poesie. Andere fühlen sich beim Waldlauf oder auf einer Bergtour dem Paradies etwas näher. Während der Corona-Zeit entdeckte ich über facebook das Video «Aus dem Homeoffice eines Schauspielers». Da rezitierten bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler das Hohelied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief (1. Kor 13,1–13). Im Hintergrund ertönte Klaviermusik von Johann Sebastian Bach. Ich habe diesen biblischen Text noch nie so wunderbar rezitiert gehört. Dieser Beitrag hat mich tief berührt. In diesem Moment atmete ich einen Hauch Paradiesluft.

Literatur als Partnerin
Was oder wer Ihnen, werte Lesende, ab und zu ein wenig Paradiesluft herzaubert oder Sie das für sich oder für andere tun – das macht den Alltag erträglicher, erfrischend, interessant, abwechslungsreich, stimmungsvoll und vieles mehr. Neben der Musik kann auch die Poesie den Alltag durchaus bereichern. Und dann gibt es auch immer wieder Theologinnen und Theologen, die überzeugt davon sind, dass Predigende von der Literatur lernen können. Das war nicht immer so. Es gab in der Geschichte eine Zeit, da war man in der Kirche überzeugt davon, dass die Literatur für den Glauben nachteilig oder sogar schädlich sei. Im Zweiten Vatikanischen Konzil aber wurde festgehalten, dass die Literatur und die Kunst von grosser Bedeutung sind. Literatur wird «als Partnerin im Suchen nach dem Glücken des Menschen gewürdigt» – so der Theologe Erich Garhammer, dessen Forschungsschwerpunkt dem Gespräch und der Auseinandersetzung mit der modernen Literatur galt.

Ab und zu ein wenig Paradiesluft
Von Horst Bienek, Schriftsteller, (1930–1980) gibt es folgenden Text:

Wörter
meine
Fallschirme
mit euch
springe
ich
ab
Ich fürchte nicht die Tiefe
wer euch richtig
öffnet
schwebt

Horst Bienek, Gleiwitzer Kindheit. Gedichte aus zwanzig Jahren, 1976 Carl Hanser Verlag, München

Beim Lesen von Gedichten oder Romanen kann es sein, dass die Lesenden eigene Erfahrungen, Krisen oder positive Erlebnisse an dem Gelesenen gedeutet und ausgedrückt finden. Das Gelesene lässt mich Welten entdecken, mit denen ich vielleicht nie in Kontakt gekommen wäre oder denen ich sonst aus dem Weg gehen würde. Und manchmal provoziert Literatur zu neuem Denken und «löst Schwarz-Weiss-Töne auf», so Garhammer. Und dann wird einem Tiefe zuteil, von der man vorher kaum eine Ahnung hatte.
Lassen wir uns manchmal doch mit Wörtern der Dichterinnen und Dichter fallen und fallen dann ein wenig ins Paradies. Viel Vergnügen dabei.

Regina Osterwalder, Gemeindeleiterin Pfarrei Ebikon/Pastoralraumleiterin

Pfarreiblatt August

Pfarreiblatt August

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Grenzüberschreitung als Chance

Ich bin im Dreiländereck in Basel aufgewachsen. Seit meiner Kindheit gehörten Grenzen immer zu meiner Umgebung. Schon in den Sechzigerjahren war es ohne weiteres und ohne Bürokratie möglich, die Landesgrenzen auf einem Sonntagsspaziergang oder einer Velotour zu überschreiten. Die Grenzen hatten für mich nie etwas Einschränkendes, sondern waren immer viel mehr eine Erweiterung meines Horizontes und die Chance, etwas Neues zu entdecken. Leider ist dies nicht überall auf der Welt so.

Uneingeschränkte Reiselust
Heutzutage wird mehr gereist als je zuvor. Besonders die beiden Monate Juli und August sind Zeiten des Reisefiebers. Ganz Europa macht sich auf den Weg von Nord nach Süd, Ost nach West, von den Ufern der Meere in die Berge und umgekehrt. Grenzen gibt es keine mehr; wenigstens werden sie nicht als Hindernisse angesehen. Höchstens das Budget grenzt unsere Reiselust ein.

Grenzen als Schutz
Im scharfen Kontrast zu dieser grenzenlosen Freiheit haben wir in der ersten Hälfte dieses Jahres das Begrenztwerden in allen Lebensbereichen erfahren. Die Landesgrenzen wurden in ganz Europa geschlossen, dazu Schulen, Restaurants, Bars, Geschäfte und vieles mehr. Gottesdienste waren nicht mehr möglich. Die persönliche Freiheit wurde eingegrenzt. «Zuhausebleiben» war das Motto. Nicht Distanzen zurücklegen war angesagt, sondern Distanz wahren wurde zur Regel. Und auf einmal war Mitten im Jahr eine Ruhe da, die man sonst nur von den Sommerferien kennt. Die Strassen waren fast menschenleer und es gab sogar keine Staus mehr. Das kleine Virus, das keine Grenzen kannte, zeigte uns unsere Grenzen auf.
Seitdem ist uns vieles wieder bewusster: Reisen ist ein Privileg, Gesundheit ein Geschenk, Freiheit keine Selbstverständlichkeit, Solidarität nicht nur ein Wort, ein stabiles politisches System unbezahlbar. Ganz gemäss dem Sprichwort «Weshalb denn in die Ferne schweifen, wenn doch das Gute liegt so nah?» entdeckte die Schweiz wieder die nähere Umgebung und ihre eigene Schönheit.

Mut zur Horizonterweiterung
Mit diesen sehr entgegengesetzten Erfahrungen im Hintergrund lässt sich neu fragen, was Grenzen für uns bedeuten: Einschränkung oder Schutz, Einschluss oder Ausschluss, Abgrenzung oder Horizonterweiterung? In der Bibel finden sich verschiedene Beispiele für den Umgang mit Grenzen. Es gibt Ausgrenzung von Kranken und solchen, die nicht konform mit den Gesetzen waren. Da finden sich Fälle von Diskriminierung von Frauen, Fremden und Menschen anderer Hautfarbe und Kultur. Und natürlich wird auch von Kriegen gegen die Bedrohung von aussen berichtet. Doch die Grundbotschaft der Bibel und vor allem auch das Wirken Jesu zielt darauf hin, Grenzen zu überwinden, Verständnis zu schaffen und Gemeinschaft zu fördern. Gerade die Ausgegrenzten haben dies wohltuend und heilsam erfahren. Und letztlich weist sein Weg auch über die letzte Grenze unseres Daseins hinaus, den Tod.

Der Glaube macht frei und eröffnet neue Horizonte. Dies ist die Grundbotschaft Jesu und der Bibel. Wenn wir als glaubende Menschen unser Leben und Reisen, unser gesellschaftliches Zusammenleben und auch unsere Kirche als eine ständige Grenzüberschreitung im Sinne einer Horizonterweiterung verstehen, dann eröffnen sich unbekannte Welten und neues Leben wird möglich. Nutzen wir nicht nur die Sommerferien dafür.

Lukas Briellmann

Pfarreiblatt Juli

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Ferienzeit – Entdeckungszeit

Die Frühlingsferien fielen buchstäblich ins Wasser. Das sonnige Wetter hat hier vieles wettgemacht. Das Wiedersehen mit meiner Cousine in Holland musste ich in den Kamin schreiben. Gut – man kann ja auch per Skype in Kontakt treten. Und nun stehen die Sommerferien vor der Tür. Jetzt, beim Schreiben dieses Artikels, ist noch vieles unsicher, was das Reisen im Sommer betrifft.
Viele von uns nutzen die Ferienzeit – vor allem im Sommer – um zu reisen, andere Länder kennenzulernen oder ans Meer zu fahren, um sich von der Sonne wärmen zu lassen und im kühlen Nass zu schwimmen. Kinder werden Sandburgen bauen und zuschauen, wie sie von den Wellen wieder aufgelöst werden.
Doch Ferienzeit heisst ja nicht nur reisen. Es gibt Menschen, die können nicht mehr weg oder können sich Ferien weder in der Schweiz noch im Ausland leisten. Und dieses Jahr werden es vermutlich noch mehr Menschen sein. Sie kommt und ist dann da – eben diese Ferienzeit.

Zur Ruhe kommen
Menschen, die zwischen Beruf, Familie und Privatleben eingespannt sind, haben unzählige Termine. Wir holen schnell ein Glas Wasser, kochen schnell das Mittagessen, gehen schnell noch einkaufen, schauen schnell die Hausaufgaben an, holen schnell die Post aus dem Briefkasten, gehen rasch in den Keller.
Und dann ist sie da – die Ferienzeit. Als erstes kommt das zur Ruhe kommen. «Abefahre» sagen wir dann auch. So einfach gelingt dieser Übergang von rasch zu herunterfahren nicht. Dazu brauchen die einen ein paar Stunden, andere einen Tag bis mehrere Tage. Manchen gelingt es kaum oder gar nicht. Sie brauchen das Tempo auch in den Ferien.

Die Seele baumeln lassen
Warum sich nicht mal auf das Herunterfahren konzentrieren und diese Momente des zur Ruhe Kommens auskosten und in der kommenden Ferienzeit bewusst angehen? Es könnte ja sein, dass wir Dinge entdecken, die wir sonst kaum bemerken oder geniessen können. Die Stille zum Beispiel, das Herumhüpfen der Spatzen, das Zirpen der Grillen, das Rascheln der Blätter im Wind, das Bellen eines Hundes, den eigenen Atem, spielende Kinder.

Ich wünsche Ihnen eine erholsame Ferienzeit.

Regina Osterwalder

 

 

Pfarreiblatt Juni

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Findet es statt oder nicht?

«Findet es statt oder nicht?» – eine Frage, die kirchliche Gruppierungen wie Blauring und Jungwacht seit Anfang März stets begleitete. Diese ungewisse Zeit fordert auch von jungen Menschen viel Flexibilität und Geduld.

Schon lange ist klar, dass im Juli 2020 ein grosses Highlight für die Scharen im Kanton Luzern stattfinden wird – das Kantonslager (kurz: KALA 2020). Ein Lager mit 59 Jungwacht- und Blauringscharen aus dem Kanton Luzern, welche in Rotkreuz gemeinsam ein Zeltlager durchführen. Ein Vorhaben, welches ungefähr zwei Jahre Vorlaufzeit benötigt und für das schon viele ehrenamtliche Stunden investiert wurden. Die Vorfreude ist gross und es ist schon viel Kreativität in die mögliche Lagerplatzgestaltung investiert worden. Erste Materialbestellungen sind erledigt und auch die Feinplanung des Programms läuft auf Hochtouren. Dann plötzlich ist er da – der Stillstand. Ein Virus löst einen abrupten «Stopp» bei der ganzen Vorbereitung aus und ab diesem Punkt herrscht grosse Unsicherheit. Kann das Lager durchgeführt werden oder nicht?

Abgesagt …
Woche für Woche vergeht. Gespannt werden die Medienkonferenzen des Bundesrats, aber auch die Weisungen von JuBla Schweiz erwartet. Immer dabei ist die «Hoffnung». Die Hoffnung, dass das Lager stattfinden wird.
Dann der definitive Entscheid: Das Kantonslager wird auf den Sommer 2021 verschoben.

… aber die Hoffnung bleibt …
Auf einmal ist nichts mehr so wie vorher. Ungewissheit herrscht. Ein Sommer ohne Zeltlager? Unvorstellbar. Trotz grosser Ungewissheit ist da aber immer noch die «Hoffnung», welche die Scharen motiviert. Denn JuBla-Schweiz empfiehlt, ein normales Sommerlager zu planen. Ein sportliches Vorhaben, da nur noch wenige Wochen für die gesamte Vorbereitung (Lagerplatzsuche, Programm erstellen und vieles mehr) bleiben. Und trotz ungewisser Planung ist eine grosse Motivation und Zuversicht zu spüren. Die Leiterinnen und Leiter sind voll in der «neuen» Planung und ich wünsche ihnen von Herzen ein Happyend dieser aussergewöhnlichen Zeit.

Nicole Oppliger-Burri, Jugendarbeiterin RPI/Präses Jungwacht Ebikon