Auf dieser Seite finden Sie Pastoralraumanlässe. Gottesdienste und weitere Anlässe finden Sie auf den Websites der Pfarreien und im aktuellen Pfarreiblatt.

Gottesdienste

Aktuelle Anlässe

Gottesdienste mit Schutzkonzept

Gottesdienste mit Schutzkonzept

Zwei Varianten von Gottesdiensten ab dem 13. September

Nach den neuen Bestimmungen von Bundesrat und Bistum gibt es ab 13. September zwei verschiedene Formen von Gottesdienstteilnahme. Sie sind → hier und ab Oktober im Pfarreiblatt jeweils ersichtlich.

Gottesdienst ohne Zertifikatspflicht

Hier gilt eine Obergrenze von insgesamt 50 Personen. Für diese Gottesdienste werden die Kontaktdaten benötigt. Es gelten die bestehenden Schutzmassnahmen (Masken, Abstand, Hygiene).

Gottesdienst mit Zertifikatspflicht

Am Eingang werden das Zertifikat und ein amtlicher Ausweis geprüft. Hier gibt es keine Teilnehmer*innenzahlbeschränkung, es herrscht keine Masken- und Abstandspflicht, es gelten aber noch die gewohnten Corona-Hygienevorschriften.

 

Bitte informieren Sie sich auf den Pfarreiseiten, welche Gottesdienste mit oder ohne Zertifikatspflicht stattfinden.

 

Allgemein gilt

  • An Kirchen-/Kapellentüren ist vermerkt, ob ein aktueller Gottesdienst mit/ohne Zertifikatspflicht stattfindet, bzw. die maximale Personenzahl ist vermerkt.
  • In unseren öffentlich zugänglichen Räumen gilt Maskenpflicht (ausser bei Gottesdiensten mit Zertifikatspflicht).
  • Bitte achten Sie auf 1.5 m Abstand (ausser bei Personen aus dem gleichen Haushalt und ausser bei Gottesdiensten mit Zertifikatspflicht).
  • Allgemein gelten die Regeln der Behörden.

 


Gezielte Massnahmen helfen, das Risiko einer Übertragung des Corona-Virus zu minimieren. Diese Massnahmen haben wir in unserem Schutzkonzept zusammengefasst. Dieses basiert auf den Vorgaben des BAG (Bundesamt für Gesundheit) und der Schweizer Bischofskonferenz.

Das detaillierte Schutzkonzept unseres Pastoralraums können Sie hier herunterladen:

(M)ein Lieblingsgedicht

(M)ein Lieblingsgedicht

Als ich in der Schule, die ich in Brig und Naters besuchte, von dem grossen Dichter Rainer Maria Rilke hörte und wir das Gedicht «Herbsttag» auswendig lernten – seit da ist es eines meiner Lieblingsgedichte und begleitet mich immer wieder durch den Herbst.

Das Gedicht schrieb Rilke am 21. September 1902 in Paris. Jede Strophe wird um eine Verszeile länger. Es beschreibt den Übergang vom Sommer zum Herbst.

 

Herbsttag von Rainer Maria Rilke

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben».

 

Regina Osterwalder (Foto: pixabay.com)

 

Quelle Gedicht: M. Engel; U. Fülleborn, H. Nalewski, A. Stahl (Hrsg.), Rainer Maria Rilke, Werke, Kommentierte Ausgabe in vier Bänden, Gedichte 1895 bis 1910, Bd. 1, wbg Edition, Darmstadt, 1921, 281.813-814.

 

Raron und sein grosser Dichter

Raron und sein grosser Dichter

Wer im Wallis aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, der kam irgendwann mal mit einem grossen Dichter in Berührung. So ging es mir auch, da ich meine Kindheit in Brig und Naters verbrachte. Ich weiss es nicht mehr, in welchem Jahr ich Rainer Maria Rilke in der Schulzeit begegnete – auf jeden Fall zählt sein Gedicht «Herbsttag» bis heute zu meinen Lieblingsgedichten.

Rainer Maria Rilke kam am 4. Dezember 1875 in Prag zur Welt. Er war der einzige Sohn von Josef Rilke und von Sophie oder Phia Rilke. Die Ehe war nicht sehr glücklich. Sie ging nach elf Jahren in die Brüche und seine Mutter wohnte seit 1884, von ihrem Manne getrennt, meistens in Wien. Sie hat ihren berühmten Sohn um fast fünf Jahre überlebt.

Rainer Maria Rilke reiste viel – 1919 auch in die Schweiz. Seinen letzten Arbeits- und Inspirationsort fand Rainer Maria Rilke in der Nähe von Sierre, im Château Muzot. Sein Gönner Werner Reinhart mietete das Schlösschen 1921 und erwarb es im Jahr darauf. Das Schlösschen Muzot ermöglichte dem Dichter den Anschluss an die literarische Produktivität seiner Vorkriegsjahre. Rainer Maria Rilke starb am 29. Dezember 1926 und wurde am 2. Januar 1927 in Raron im Wallis begraben.

Sein Grabspruch ist nicht auf Anhieb zu verstehen. Er stammt von Rilke selber, entstand am 27. Oktober 1925 auf Muzot und stand in seinem Testament. Er lädt wohl eher zum Nachdenken ein und inspirierte zu unterschiedlichen Interpretationen.

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.
Rainer Maria Rilke

 

Regina Osterwalder (Foto: wikipedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

 

Quelle Gedicht: M. Engel; U. Fülleborn, H. Nalewski, A. Stahl (Hrsg.), Rainer Maria Rilke, Werke, Kommentierte Ausgabe in vier Bänden, Gedichte 1910 bis 1926, Bd. 2, wbg Edition, Darmstadt, 1921, 394.853.

Verhüllen – enthüllen

Verhüllen – enthüllen

Der Traum des bulgarischen «Verpackungs-Künstlers» Christo und seiner Frau Jeanne-Claude ist nach ihrem Tod doch noch in Erfüllung gegangen: die Verhüllung des «Triumphbogens» von Paris! Vom 18. September bis 3. Oktober 2021 war das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt, von dem sternförmig zwölf Avenuen ausgehen (z. B. Champs-Élysées), für zwei Wochen «verhüllt».

Der Bau des Triumphbogens wurde 1806 von Kaiser Napoleon I. zur Verherrlichung seiner Siege nach der Schlacht von Austerlitz in Auftrag gegeben. Doch erst 1836 wurde das riesige Monument fertiggestellt (49 x 44 x 22 m). Der sogenannte «Altar des Vaterlandes» hat in seiner Geschichte viele Deutungen erhalten. Heute wölbt sich der Bogen über das das Grab des unbekannten Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg (1914–1918).

Der Name des Künstlers Christo bleibt über seinen Tod hinaus mit spektakulären Verhüllungen verbunden, die – immer von ihm selber finanziert – nur kurze Zeit dauerten, aber langfristige Wirkung erzeugten! So auch 1995 beim deutschen «Reichstagsgebäude». Vier Jahre davor hatte Deutschland nach der Wiedervereinigung beschlossen, den Regierungssitz von Bonn (wieder) nach Berlin zu verlegen. 1999 war es dann so weit. Die Verhüllung des Reichstagsgebäudes löste in diesem Veränderungsprozess viele alte Vorurteile gegen diesen Monumentalbau auf. Es heisst, Massen von Menschen seien vor dem – mit silbernem Stoff verhüllten – Gebäude friedlich verharrt. Dank dieser «Kunstaktion» erlebte Berlin ein Sommermärchen!

In unserer Kirche werden nach altem Brauch am 5. Fastensonntag die Kreuze verhüllt – und dann am Karfreitag wieder enthüllt! Das ist bei weitem nicht so spektakulär wie bei Christo. Aber wir können von ihm lernen: Die bewusste Verhüllung von etwas Vertrautem kann uns helfen, eingefleischte Bilder, Widerstände und Vorurteile abzulegen. Neu hinschauen! Dank Christo auf Christus!

Beat Jung (Foto: Andrei Antipov / Shutterstock.com, fotografiert am 18.9.21)

«Ich habe lieber einen grösseren Garten!»

«Ich habe lieber einen grösseren Garten!»

Das Thema «Museum – Garten» ist mir im letzten Monat gleich zwei Mal begegnet!

Anfangs September in Buchrain beim Pastoralraum-Gottesdienst im Kreis der Mitarbeitenden der drei Rontaler Pfarreien. Wir haben uns erinnert, dass Bischof Felix Gmür vor fünf Jahren in einem Festgottesdienst in Buchrain den «Pastoralraum Rontal» errichtet hat. Ein Zitat von Papst Johannes XXIII. (sein Gedenktag wird am 11. Oktober gefeiert) war dabei wegweisend. Zum Thema Kirche sagte er einmal:

Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten,
sondern um einen Garten zu pflegen,
der von blühendem Leben strotzt und für eine schöne Zukunft bestimmt ist.

Mitte September, beim Warten auf einer Bushaltestelle, ist mir plötzlich das Plakat des Kunstmuseums Luzern in die Augen gesprungen. Die aktuelle Ausstellung steht ja unter dem Titel: «Ich habe lieber einen grösseren Garten!» Auf den Bildern sind Gärten mit Blumen, Bäumen, Blüten und Blättern zu sehen. Die Kuratorin Fanni Fetzer greift mit dem Titel das Zitat der New Yorker Galeristin Betty Parsons auf:

«I like a bigger garden.»

Als diese nämlich von berühmten Künstlern aufgefordert wurde, künftig nur noch Werke von ihnen auszustellen und auf weniger bekannte zu verzichten, willigte sie nicht ein. Ihr war ein «grösser Garten» lieber! Aus Verärgerung stellten die berühmten Künstler die Zusammenarbeit mit ihr ein!

Sei es in der Kirche oder in der Kunst: Auch mir ist ein grösserer Garten lieber!

Beat Jung (Foto: Beat Jung, KKL, Kunstmuseum Luzern: Plakat zur aktuellen Ausstellung «I like a bigger garden»)

 

 

 

Was vermehrt sich, wenn man es teilt?

Was vermehrt sich, wenn man es teilt?

Mut zum Teilen und Weitergeben

Die vernetzte Welt findet da Zweierlei:
«Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.» (Albert Schweizer)
«Liebe ist das Einzige, was wächst, wenn man es verschwendet.» (Ricarda O. Huch)

Das Wort «Glück» stammt übrigens vom mittelhochdeutschen «Ge-lücke» und meint eigentlich die «Art, wie etwas schliesst, endet oder ausgeht». Glück ist das Gelungene, das, was am guten Ende zu seiner Bestimmung findet: Eine Lücke schliesst sich. Anscheinend kommt die Bedeutung von Glück im Sinne des positiv wirkenden Zufalls erst später dazu, wahrscheinlich in Zeiten, in denen Lebensentwürfe von Menschen immer weniger in einem Zusammenhang mit Gott gesehen werden. Popstar Robbie Williams ist vielleicht typisch für unsere Zeit. Im Jahr 2004 sagt er: «Ich bin glücklich wie schon lange nicht mehr.» Auf die Frage, was ihn denn so glücklich mache, antwortete er: «Täglich 270 Milligramm Effexor.» – Glück auf Rezept!

Jesu Rezept für unser Leben heisst: Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. (Markus 12:29–31). Meine Grossmutter zitierte dazu öfters einen Sinnspruch, welcher Glück und Liebe zusammenfasst: «Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück, denn Liebe, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück. »

Paulus erweitert unseren Horizont betreffend «Dingen», welche sich vermehren, sofern wir sie teilen, indem er schreibt: «Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; am grössten aber unter diesen ist die Liebe.» (1.Kor.13:13) – Auch Glauben und Hoffnung lassen sich teilen und somit vermehren.

Ein eindrückliches Beispiel und Sinnbild dafür ist für mich der biblische Bericht von der Speisung Jesu von über fünftausend Menschen mit anfänglich nur fünf Broten und zwei Fischen, nachzulesen in Matth. 14:13–21; Mark. 6:30–44; Luk. 9:10–17 und in Joh. 6:1–13.

Ich denke, es gibt immer wieder Menschen, die Angst haben, sie würden etwas verlieren, wenn sie das, was Gott ihnen schenkt, loslassen und mit anderen teilen. Aber wir wissen: Geteilte Freude ist doppelte Freude und geteiltes Leid ist halbes Leid!

Das Wunder in der biblischen Geschichte von der Speisung der 5000 zeigt uns: Wenn ich etwas weggebe, bleibt zuletzt viel mehr übrig als ich am Anfang eingesetzt habe. Wer seine Habe und Kräfte auch für andere Menschen einsetzt, wird nicht ärmer oder schwächer dabei, sondern viel reicher, froher, stärker.

Jemand sagte einmal: «Liebe ist die Fähigkeit und ehrliche Bereitschaft, in wohlwollender Zuneigung das Gute für andere zu erkennen, zu wollen und zu vollbringen.» – In dieser Liebe dient Gott uns jeden Tag; stellen wir uns an den richtigen Platz vor Gott und dienen wir einander in derselben Liebe mit dem Mut zum Weitergeben und Teilen.

Thomas Steiner, reformierter Pfarrer, Ebikon (Foto: pixabay.com)

 


Bibeltext:

Joh. 6:1 Danach kam Jesus an das andere Ufer des Galiläischen Meeres, das man auch See von Tiberias nennt. 6:2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie gesehen hatte, wie er Kranke heilte. 6:3 Zusammen mit seinen Jüngern ging Jesus auf eine Anhöhe. Dort setzten sie sich, und Jesus unterrichtete sie. 6:4 Das war in den Tagen kurz vor dem jüdischen Passahfest.

6:5 Als Jesus die vielen Menschen kommen sah, fragte er Philippus: «Wo können wir für alle diese Leute Brot kaufen?» 6:6 Er wollte aber nur sehen, ob Philippus ihm vertraute; denn er wußte natürlich, wie er die Menschen versorgen würde. 6:7 Philippus überlegte: «Wir müßten ein Vermögen (zweihundert Denare) ausgeben, wenn wir für jeden auch nur ein kleines Stückchen Brot kaufen wollten.»

6:8 Da brachte Andreas, der Bruder von Simon Petrus, ein Kind zu ihnen: 6:9 «Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische mitgebracht. Aber was ist das schon für so viele Menschen!» 6:10 Jetzt forderte Jesus die Jünger auf: «Sagt den Leuten, daß sie sich hinsetzen sollen!» Und alle – es waren etwa fünftausend Mann, Frauen und Kinder gar nicht mitgerechnet – lagerten sich auf der Wiese. 6:11 Dann nahm Jesus die fünf Gerstenbrote, dankte Gott dafür und ließ sie an die Menschen austeilen. Mit den beiden Fischen machte er es ebenso. Jeder bekam so viel, wie er wollte. 6:12 Als alle satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: «Sammelt die Resten ein, damit nichts verdirbt!» 6:13 Da füllten die Jünger noch zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übriggeblieben.

Zum Direktor mit verschmutzten Schuhen!

Zum Direktor mit verschmutzten Schuhen!

Mut zum Gang zur Chefetage

In meiner Kindheit spielte ich öfter Fussball mit einem Fabrikantensohn. Er war Einzelkind und wollte auch immer der ‘Chef’ sein; im Fussball hiess das: Die Tore schiessen! Meine Kameraden und ich spielten aber trotzdem sehr gerne mit ihm, denn am Schluss spendierte jeweils der Papa, welcher hoch oben im Fabrikgebäude über dem Garten-Fussballplatz ‘thronte’ für alle ein Glacé. Der Sohn beauftragte Chef-gemäss jeweils einen der Mitspieler, beim Papa oben das nötige Geld abzuholen und in der Migros nebenan gleich die Glacés für alle zu besorgen.

Als ich zum ersten Mal dran war, diesen Botengang zu erledigen, fiel mir erst beim Betreten des Bürotrakts auf, dass meine Schuhe total verdreckt waren von der nassen Spielwiese. Ich drehte um und putzte sie notdürftig im hohen, feuchten Gras und am Veloständer. Ein Ausziehen meiner Schuhe kam für mich nicht in Frage. Also stieg ich mit stark verschmutzten Schuhen die Treppen hoch in den obersten Stock. Alles blitzte vor Sauberkeit und ich schämte mich sehr wegen meiner Schuhe; Mamma hätte mich zuhause arg beschimpft, wenn ich so durchs Haus gegangen wäre! Aber ich musste meinen Job erledigen. Problemlos kam ich an den beiden Sekretärinnen vorbei, denen ich den Zweck meines Besuches nannte, und wurde ins sehr vornehme Büro des Direktors gewiesen. Dort wurde ich von ihm überraschend freundlich empfangen und zu seinem riesigen Pult beordert. Dabei musste ich über einen schönen Teppich gehen. Der Herr Direktor fragte mich freundlich, wie viele wir denn seien und gab mir das Geld passend mit einem Lächeln. Ich freute mich sehr, bedankte mich, wohl etwas verlegen, und suchte recht schnell das Weite.

Es erstaunte mich zutiefst, dass ein Unbekannter, welcher im Namen des Sohnes zum Boss nach ganz oben kommt, so sehr willkommen ist. – Ganz ähnlich geht es mir mit Jesus: Durch Jesus Christus, den geliebten Sohn, dürfen wir jederzeit zu unserem himmlischen Vater gehen und bei ihm – als Geliebte und Geschätzte – vorsprechen.

Jesus Christus sagt Joh.14:6: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich. (vgl. Joh. 11:25; Mat.11:27; Röm. 5:1+2)
Joh.16:24 Bis jetzt habt ihr noch nie um etwas in meinem Namen gebeten.

Thomas Steiner, reformierter Pfarrer, Ebikon (Foto: pixabay.com)

Pfarreiblatt Oktober

Pfarreiblatt Oktober


Sonnenuntergang in Umbrien, der Heimat von Franz von Assisi. (Foto: Lukas Briellmann)

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Leitartikel: Sonnengesang für die Zukunft

Nach dem eher durchzogenen Sommer sehnen wir uns alle nach einem goldenen Herbst. Es soll eine Zeit sein, in der wir nochmals Sonne tanken und die vielen Farben und die Früchte der Erde geniessen dürfen; eine Zeit, die uns mit den Worten des Sonnengesangs des heiligen Franz von Assisi sagen lässt: «Gelobt seist Du, Gott, für Mutter Erde, für Wasser, Sonnenschein, Feuer und Wind und für alle Geschöpfe.»

Doch wenn wir die letzten Monate zurückblicken, dann sehen wir in vielen Teilen der Welt eine andere Wirklichkeit. Wohin wir auch blicken, haben wir eine Anti-Fassung des wunderbaren Sonnengesangs des heiligen Franz erfahren. Da kamen Hagelstürme und zerstörerische Wasserfluten statt der «demütigen, kostbaren und keuschen Schwester Wasser». Da gab es fürchterliche Hitzewellen statt einer Sonne, «die Glanz und Sinnbild ist des Höchsten». Da brannte das Feuer ganze Landstriche nieder statt mit seinem Licht und seiner Wärme ein Bruder zu sein, «der die Nacht erhellt, kraftvoll ist und stark». Und «unsere Schwester, Mutter Erde, die uns ernährt und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt» wird weltweit schonungslos ausgebeutet, bedroht und vergiftet. Die Sorge darum zeigte sich auch in der Schweiz in den beiden Agrarinitiativen, über die wir im Juni abstimmten, und den wiederholten Klima-Demos. Könnte da Franz von Assisi immer noch «Gelobt seist Du», «Laudato si» singen?

Laudato si
Im Jahr 2015 hat Papst Franziskus in seiner Enzyklika
«Laudato si» die grosse Sorge um den Zustand von Gottes Schöpfung ausgedrückt. Darin zitiert er den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus, der mit unmissverständlichen Worten sagt: «Dass Menschen die biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung zerstören; dass Menschen die Unversehrtheit der Erde zerstören, indem sie Klimawandel verursachen, indem sie die Erde von ihren natürlichen Wäldern entblössen oder ihre Feuchtgebiete zerstören; dass Menschen anderen Menschen Schaden zufügen und sie krankmachen, indem sie die Gewässer der Erde, ihren Boden und ihre Luft mit giftigen Substanzen verschmutzen – all das sind Sünden.» Denn «ein Verbrechen gegen die Natur zu begehen, ist eine Sünde gegen uns selbst und eine Sünde gegen Gott.» («Laudato Si» 8)

Schönheit, Zerstörung, Umkehr
Es gibt sie Gott sei Dank, diese Orte und Momente, in denen wir die Schönheit der Schöpfung sehen, erkennen und besingen. Besonders in der Schweiz sind wir diesbezüglich privilegiert. Aber im Blick auf die weltweiten Zeichen von Extremwetter, von Ausbeutung und Zerstörung, kommen wir um eine persönliche und gesellschaftliche Umkehr nicht herum. Wir können uns noch ewig streiten, ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht. Aber ich werde den Verdacht nicht los, dass wir uns mit diesen ewigen Grundsatzdiskussionen nur den Aufruf nach Umkehr und der Änderungen unseres Lebenswandels vom Leibe halten – und es dabei verpassen, unsere Verantwortung für die Schöpfung Gottes wahrzunehmen und etwas gegen die fortschreitende Zerstörung zu tun. Es ist zugegebenermassen nicht einfach und angenehm, sich diesen Fragen zu stellen und seine Lebensweise zu ändern. Aber wenn wir wie der Hl. Franz diese Hymne an die wunderbare Schöpfung, unsere aller Heimat heute singen, dann können wir doch gar nicht anders, als alles daran zu setzen, dass dieser Sonnengesang auch in Zukunft gesungen werden kann, von allen Menschen, in der ganzen Welt.

Lukas Briellmann

 

Gebet für unsere Erde

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls
gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschliesst,
giesse uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen, hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden. AMEN

Gebet aus der Enzyklika «Laudato Si»

Spiegelbild

Spiegelbild

Diese Spiegelung habe ich letzten Herbst im Bündnerland fotografiert. Der Anblick hat mich fasziniert. Ich liebe Spiegeleffekte. Wobei ich mit meinem eigenen Spiegelbild oft sehr kritisch bin. Manchmal erfreut es mich mehr, manchmal weniger, je nachdem, ob es gerade frühmorgens vor dem ersten Kaffee ist oder ob ich mich sorgfältig für einen Tanzabend herausgeputzt habe. Letzteres kann grossen Spass machen, ersteres grosse Unzufriedenheit auslösen. Und ja, das sind tatsächlich Dinge, über die ich nachdenke – auch wenn sich Seelsorge klassischerweise eher mit inneren Werten befasst. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass sich das Aussehen meiner Mitmenschen nicht auf meine Wahrnehmung von ihnen auswirkt. Dagegen ist wohl niemand immun. Aber oft ist es schwierig, die Grenze zu ziehen, wo eine gesunde äusserliche Selbstpflege aufhört und wo unbewusst verinnerlichte Schönheitsideale uns und anderen das Leben unnötig schwer machen. Ich denke, letztendlich wünscht sich jeder Mensch, weder auf seine äusseren noch auf seine inneren Werte reduziert, sondern als Gesamtpaket gesehen und geschätzt zu werden.

Text und Foto: Christa Grünenfelder

Das hässliche Entlein

Das hässliche Entlein

Ich habe dieses Jahr über einige Wochen hinweg eine Schwanenfamilie mit vier Jungtieren beobachtet. Jeden Morgen habe ich angefangen, nach ihnen Ausschau zu halten, sobald ich an die Reuss kam. In diesem Zusammenhang ist mir die Geschichte vom hässlichen Entlein eingefallen, das von allen ausgelacht wurde und sich später als Schwan entpuppt hat. Im Märchen von Hans-Christian Andersen ruft der Schwan am Ende, als er von allen bewundert wird: „So viel Glück habe ich mir nicht träumen lassen, als ich noch das hässliche Entlein war!»

Ich finde die Formulierung spannend. Eigentlich war er ja schon immer ein Schwan. Aber solange er von allen als hässliches Entlein behandelt wurde, war er irgendwie auch eines oder hat sich zumindest wie eines gefühlt und das, was er sich von seiner Zukunft erhoffen konnte, wurde davon geprägt. Von ihm wurde erwartet, dass er eine Ente wird und sich wie eine Ente verhält, was für ihn aber nicht möglich war. Er war anders und deshalb wurde ihm das Leben schwergemacht.

Wir alle haben gewisse Erwartungshaltungen, die uns dabei helfen, uns auf zukünftige Entwicklungen vorzubereiten und dadurch das Leben besser bewältigen zu können. Wenn ich den Stein loslasse, dann fällt er. Ursache – Wirkung. Aber manchmal verhindern genau diese Erwartungshaltungen, dieser ständige Blick in die Zukunft, dass wir wahrnehmen, wer oder was in diesem Moment vor uns steht. Gerade im zwischenmenschlichen Zusammenleben lohnt es sich, sein Gegenüber so zu nehmen, wie es ist und nicht nur darauf zu warten, wie es in einer idealen Zukunft werden könnte. Sonst kann es schnell passieren, dass wir uns verpassen, wie die Gans und der Schwan im Bild. Dass wir statt miteinander eher aneinander vorbei leben.

Text und Foto: Christa Grünenfelder

 

Heute ist ein guter Tag

Heute ist ein guter Tag

 «Heute ist ein guter Tag», sagt mir eine junge Frau im Rollstuhl bei meinem Besuch. «Ich habe wenig Schmerzen. Und durch die etwas geöffneten Storen habe ich wunderbar die Sonne aufgehen sehen.»

Ich gehe betroffen heim.

Wie sehr sind wir immer wieder unzufrieden wegen im Grunde genommen Kleinigkeiten. Und sehen gar nicht mehr, was uns geschenkt ist.

Ist heute nicht ein guter Tag?

Andres Lienhard (Foto: pixabay.com)

Lücke gefunden

Lücke gefunden

Diese Foto habe ich im Juli gemacht. Sie ist bei unserem Ebiker Pfarrhaus entstanden.

Der Wille von diesem kleinen Duo, seiner Berufung zu folgen und zu leben, beeindruckt mich. Dabei ist den Stiefmütterchen völlig egal, was andere denken und sagen.
Auch wenn es eine Lücke ist, nicht die «geplante» Umgebung: Die Blümlein wollen leben. Sie haben einen Weg gefunden und das Beste aus ihren Möglichkeiten gemacht.

Und geben uns eine Anregung für unser eigenes Ringen.

Text und Foto: Andres Lienhard

Spuren

Spuren

Ein wunderbarer Abend. Ich sitze auf dem Balkon. Vor mir im Dunst der Pilatus, rechts vor mir der grüne Kirchenwald, auf der linken Seite die dunklen Hänge der Rigi und auf der anderen Seite im späten Abendlicht das hügelige Gelände, auf der Anhöhe die Turmspitze der Rainer Kirche. Der Himmel bedeckt, in der Ferne, zwischen den Wolken ein zartes Abendrot.

Vor mir ein kleines Tischchen, nicht, wie man es etwa meinen könnte, ein Glas Bier oder Wein vor mir, sondern ein kleines Buch darauf. Der aufgeschlagene Text packt mich. Er passt zur Stimmung, zur Umgebung und meinem Inneren. Angst vor dem grassierenden Virus und den beängstigenden Aussagen zur Klimasituation.

Ich will ihnen diese Zeilen nicht vorenthalten, die mir für diesen Abend zu Mut und Zuversicht verhalfen, verbunden mit der Hoffnung, dass Beides mich morgen tragen wird. Das wünsche ich auch Ihnen.

 

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

 

Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

 

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“

 

Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.“

 

Margaret Fishback Powers

Copyright © 1964 Margaret Fishback Powers
Übersetzt von Eva-Maria Busch
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag GmbH, Gießen. www.brunnen-verlag.de

 

 

Lassen wir uns doch von diesem Text inspirieren. Gehen wir mutig auf den Weg. Wir sind getragen.

Text und Foto: Hans Egli

 

 

 

 

No einisch

No einisch

Ich hoffe, Sie sind gut durch die wilden Sommertage und die beängstigende Coronasituation gekommen. Ich verstehe die Sorgen und Nöte vieler Menschen, versuche aber immer wieder die Sonnenstrahlen zu sehen. Dabei versetzt mich der Einsatz vieler Menschen in Heimen und Spitälern, im Zivilschutz, bei Feuerwehr oder Polizei, in Unternehmen oder Betrieben immer wieder in Staunen. Ich bewundere mehr denn je die Geduld von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Das macht mir doch Mut. Und da steigt mir immer wieder der Spruch von Anita Weyermann auf – etwas für unsere Situation angepasst – «Gring ache ond dore».

Weiter noch. Ich erinnere mich in diesen Tagen an meine Wanderung auf dem Jakobsweg.

Ich denke an die frühlinghaften und berauschenden Blumenfelder beim Abstieg aus dem französischen Zentralmassiv, dann anderntags an den Marsch durch kaum begehbaren Matsch oder die ausgeglittenen Pilger im Dreck liegend. Ich erlebe nochmals den Aufstieg auf den Pyrenäenübergang, vorbei an aufgeschichteten Steinhaufen. Jeder Stein auf dem Haufen ist ein Symbol für eine Sorge, ein Anliegen. Ich nehme einen Stein wie andere Pilgernde auf, tragen ihn weiter zum nächsten Haufen und so weiter, bis der Stein in Santiago ankommen wird. Der Marsch geht weiter, vorbei an Kreuzen, die an Verstorbene auf dem Weg erinnern. Dann endlich in weiter Ferne, die Türme der Kathedrale von Santiago. Ein langer, ermüdender Weg entlang dem Flugfeld und dem Flugplatz von Santiago steht noch bevor. Dann die Wanderung durch die Vorstadt, Richtung Zentrum. Die Augen auf die Türme der Kathedrale gerichtet.

Und dann endlich die Kathedrale. Pilgernde, die Arme und Hände gegen den blauen Himmel recken. Ich auch, voller Dankbarkeit. Radfahrer, die die Tour auf dem Rad hingelegt haben, schmeissen das Rad auf den Boden, küssen den Boden. «Gring ache ond dore». Die Freude war unbeschreiblich. Viele Ereignisse und Erlebnisse werden im Kopfe bleiben.

Ich wünsche Ihnen am beginnenden Ende dieses Sommers, dass sie trotz aller Unbill die Arme in die Luft werfen und rufen können. Ich habs geschafft.

Text und Foto: Hans Egli

Lebensspendende «Grünkraft»

Lebensspendende «Grünkraft»

Bevor im Herbst sich die Blätter färben, geniesse ich jeweils das satte Grün in der Natur. Eine der grossen und weisen Frauen des Mittelalters – Hildegard von Bingen (1098–1179) – schrieb von diesem Grün als lebensspendende «Grünkraft» (lateinischer Begriff «Viridatis»). Dieser Begriff «Viriditas» ist häufig in den Schriften der Hl. Hildegard von Bingen zu finden. Es handelt sich um eine Grundlage der Hildegard-Mystik. Als Grünkraft bezeichnete Hildegard von Bingen die Kraft, die allem Lebendigen zugrunde liegt. Hildegard war der Auffassung, dass kraftvolles Leben überall dort möglich ist, wo das Grüne geschätzt und genutzt wird. Auf Wiesen, in Wäldern, Gärten, kurz: in der Natur. Für Hildegard ist Grün mehr als nur die wechselnde Färbung des Grases und des Laubes im Laufe der Jahreszeiten. Für sie ist es der Ausgleich der Lebenskräfte, ihr Rhythmus, ihre Balance. Diese «Grünheit» ist für Hildegard in der Pflanze; aber ebenso wirkt sie im menschlichen Körper und nicht weniger in der menschlichen Seele. «Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit» sagt Hildegard, «und diese Kraft ist grün». Hildegard schrieb auch ein Lied mit dem Titel «O edelstes Grün».

«O edelstes Grün,
das wurzelt in der Sonne
und leuchtet in klarer Heiterkeit,
im Rund des kreisenden Rades,
das die Herrlichkeit des Irdischen nicht fasst:
Umarmt von der Herzkraft himmlischer Geheimnisse
rötest du wie das Morgenlicht
und flammst wie der Sonne Glut.
Du Grün, bist umschlossen
von Liebe»

(aus: Ingrid Riedel, Hildegard von Bingen. Prophetin der kosmischen Weisheit, 202).

Hildegard von Bingen geriet lange etwas in Vergessenheit. Seit den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts ist eine Hildegard-Renaissance feststellbar, die einen ersten Höhepunkt um 1998 in dem Jubiläum zu ihrem 900. Geburtstag fand.

Am 10. Mai 2012 wurde sie von Papst Benedikt XVI. in den katholischen Heiligenkalender aufgenommen, rund 800 Jahre nach der ersten Eingabe in Rom. Am 7. Oktober 2012 erhob Papst Benedikt XVI sie auch zur Kirchenlehrerin.

Regina Osterwalder (Foto: pixabay.com)

Eine faszinierende Frau

Eine faszinierende Frau

Immer wieder gibt es Frauen und Männer, die ihrer Zeit ein besonderes Gepräge geben und von denen entscheidende Impulse kommen. Hildegard von Bingen (1098–1179) war im zwölften Jahrhundert eine solche Frau. Am 17. September ist jeweils ihr Gedenktag.

Am Allerheiligentag 1106 wurde Hildegard in die Obhut von Jutta von Sponheim im Benediktinerkloster Disibodenberg gegeben. 35 Jahre verbrachte Hildegard auf dem Disibodenberg. Ihr Lehrer war der Mönch Volmar, der ihr später als Sekretär diente. Neben Lesen und Schreiben, Psalmodieren und Handarbeiten hat sich Hildegard eine solide Kenntnis der Bibel, der Kirchenväter und der wichtigsten theologischen Autoren ihrer Zeit angeeignet. Als 1136 Jutta von Sponheim starb, wurde Hildegard zu ihrer Nachfolgerin gewählt. Hildegard diktierte ihre verschiedenen Schriften und schrieb fast 400 Briefe. Sie stand mit den Herrschern und den Päpsten ihrer Zeit in Briefkontakt und scheute sich nicht, die kirchlichen und die weltlichen Amtsträger zu mahnen. Auch ihre Liedersammlung von 77 Kompositionen sind bekannt, ebenfalls ein Singspiel und eine Sammlung von Predigten. Als auf dem Disiboden für den weiblichen Ordensnachwuchs kein Platz mehr war, verliess Hildegard 1150 ihr bisheriges Domizil mit zwanzig Schwestern. Sie gründete auf dem Rupertsberg ihr erstes Kloster. Ein paar Jahre später initiierte Hildegard in Eibingen unweit von Rüdesheim ein weiteres Kloster. Obwohl der Disibodenberger Konvent der Errichtung eines eigenen Frauenklosters auf dem Rupertsberg zugestimmt hatte, machte er ihnen alle erdenklichen Schwierigkeiten. Dabei ging es um Geld und Besitz, aber auch um die prominent gewordene Hildegard, die man gern als Prestigeobjekt auf dem Disibodenberg behalten hätte. «Hildegard hatte den Wunsch, sich aus der Bevormundung durch Abt Kuno und seine Mönche zu lösen». Die neue, in den Jahren 1900 bis 1904 erbaute Benediktinerabtei St. Hildegard, in der heute über 50 Ordensfrauen leben, liegt oberhalb des alten Klosters.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Sprache der Hildegard von damals heute fremd anmutet. Dennoch ist es faszinierend, dass Hildegard in der damaligen Zeit von der «umarmenden Mutterliebe Gottes» schrieb. Und in einem ihrer Hymnen an Sophia schrieb sie:

Du auch
führest meinen Geist
der Deine Lehre trinkt
ins Weite
Wehest Weisheit in ihn
und mit der Weisheit die Freude.

Hildegard starb in den frühen Morgenstunden des 17. September 1179.

Regina Osterwalder (Foto: Ruine des Klosters Disibodenberg, pixabay.com)

 

Der Holunder ist reif – es ist Herbst!

Der Holunder ist reif – es ist Herbst!

Der Herbst beginnt im September, wenn der Holunder reif wird – oder heute am 1. September!  Jedes Jahr am 1. September beginnt der meteorologische Herbst. Die Wetterexpert*innen haben das Jahr in vier Teile aufgeteilt. Sie dauern jeweils drei Monate. Damit lassen sich die Daten und Statistiken der Wetterexpert*innen besser einordnen.

Der astronomische Herbstbeginn richtet sich nach der sogenannten „Tagundnachtgleiche“, wenn die Nacht gleich lange dauert wie der Tag. Der diesjährige Herbstanfang ist in Mitteleuropa am 22. September um 15.31 Uhr.

Geniessen wir ab heute den Herbst – noch verwöhnt uns die Sonne mit hoffentlich angenehmen Temperaturen, mit vielen Früchten, Gemüse und vielem mehr.  Der Herbst ist Reife- und Erntezeit. An vielen Orten wird Erntedank gefeiert. Lassen wir uns ein mit allen Sinnen auf diese wundervolle Zeit!

Text und Foto: Felix Bütler-Staubli

Pfarreiblatt September

Pfarreiblatt September

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Leitartikel: Seid mutig!

Das Motto des eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettags lautet dieses Jahr «Mut» (siehe auch Seite 23). Zuerst bin ich mit diesem Stichwort auf eine Stelle im ersten Korintherbrief gestossen. Dort heisst es: «Seid mutig!» (1 Kor 16,13). In einem digitalen Wörterbuch erfahre ich, dass das griechische Wort dafür auch als «Verhaltet euch wie ein Mann!» übersetzt werden könnte. Da aber Männer genau wie Frauen recht unterschiedliches Verhalten zeigen, hilft mir diese Umschreibung nicht wirklich weiter. Welche Bilder ruft das Wort Mut bei Ihnen hervor? Hier zwei biblische Bilder, die mir eingefallen sind.

Die hässliche Lea (Gen 29,15–30)
Erinnern Sie sich daran, wie sich Jakob in die schöne Rahel verliebt und sieben Jahre lang für ihren Vater Laban gearbeitet hat, um sie sich zu verdienen? Als die sieben Jahre um sind, schmuggelt Laban dem armen Jakob die hässliche ältere Schwester Lea ins Hochzeitsbett. Wie ging es Lea wohl in dieser Situation? Mut kann definiert werden als die Fähigkeit, seine Angst zu überwinden. Ich an Leas Stelle, hätte in dieser Situation grosse Angst vor den Konsequenzen eines solchen Heiratsschwindels für mein zukünftiges Leben gehabt. Aber hatte sie eine andere Wahl, als ihrem Vater zu gehorchen? Welche Alternativen hatte sie? Ist man auch dann mutig, wenn man sich in eine schwierige Situation schickt und versucht, das Beste daraus zu machen?

Die Dirne Rahab (Jos 2)
Zwar hat Mose das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt, aber erst unter Josua wurde das gelobte Land erobert. Zuvor hat Josua jedoch zwei Kundschafter nach Jericho geschickt. Diese vernachlässigen ihre Pflichten und gehen auf direktem Weg zu einer Prostituierten namens Rahab. Dummerweise erfährt der König Jerichos von der Präsenz feindlicher Spione und sendet seine Soldaten aus. Nur dank Rahabs Hilfe gelingt den Kundschaftern die Flucht. Hierin könnte man die stärker politisch ausgerichtete Definition von Mut erkennen, nämlich die Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält. Ihr mutiges Eingreifen hat Rahab denn auch einen Platz in Jesu Stammbaum im Matthäusevangelium eingebracht.

Ist Mut gut?
Beim Nachdenken über Mut habe ich realisiert, dass dieser Begriff für mich intuitiv positiv konnotiert ist. Auch in der Bibel wird Rahab als Heldin dargestellt, weil sie das Volk Gottes unterstützt hat. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die damaligen Bewohner*-
innen Jerichos, die später Opfer der Eroberung wurden, Rahab vielleicht eher eigennützige Motive unterstellen würden – etwa dass sie sich im Falle einer Eroberung absichern wollte. Bei Leas Geschichte stellt sich mir zudem die Frage, welche Ängste man überwinden muss, um als mutig zu gelten und welche Ängste zurecht oder zu Unrecht belächelt oder sogar als krankhaft eingestuft werden. Sie sehen: Fragen über Fragen. Aber lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen.

Christa Grünenfelder

 


 

Ökumenischer Gottesdienst im Rontal
Zum eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag: 19. September, 9.30 Uhr, Pfarrkirche Ebikon

 

Durch die Seele musizieren      

Durch die Seele musizieren      

Manchmal gelingt es nicht beim ersten Mal, Dinge zu erfassen. Diesen Sommer habe ich in der Alphornwoche erfahren, dass es bei jedem Alphorn einen Ort gibt, den die Instrumentenbauer die Seele nennen. Nein, es ist nicht der wuchtige, meist kunstvoll bemalte Klangbecher am Ende des Alphorns – es ist die Engstelle im Mundstück. Der Ton wird durch die Lippen-Vibration erzeugt, durchströmt die sogenannte Seele und gelangt in das immer grösser werdende Klangrohr. Die Engstelle, ein Loch im Holz, wo alles rund herum stimmen muss, damit auch die „Alphorn-Seele“ wohltuend zum Klingen kommt.

Musik kann unsere Seele berühren. Auch wenn wir staunen, wie ein kleines Kind in der Natur – wir vergessen Raum und Zeit und sind einfach einen Moment im Hier und Jetzt – gerade jetzt in der herbstlichen Ernte-Zeit, gibt es viele Möglichkeiten auch mit der Seele die Umwelt wahrzunehmen oder sich an die vergangene Sommerferienzeit zu erinnern, wo wir hoffentlich auch unsere „Seele baumeln lassen“ konnten!

Text und Foto: Felix Bütler-Staubli

 

 

«… Heiter Raum um Raum durchschreiten …»

«… Heiter Raum um Raum durchschreiten …»

Wer kennt es nicht, das Gedicht «Stufen» von Hermann Hesse. Immer wieder wird es zitiert, vorgelesen, abgedruckt oder daraus Zeilen hervorgehoben. Ich habe dies in meinem Mut-Wort vom Sonntag getan und heute noch einmal.

Hermann Hesse (1877–1962) schrieb das Gedicht im Mai 1941, also mitten im Krieg und nach langer Krankheit. Eigentlich erwartet man da eher ein Gedicht mit düsterer Stimmung. Und genau das fällt an diesem Gedicht auf. Es kommt einem ein optimistischer Klang entgegen. «Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten». Der Dichter beschreibt in diesem Gedicht das Leben des Menschen als einen Prozess von Stufen. Er denkt dabei aber nicht allein an die Lebensjahre, sondern an Lebensprozesse, in denen sich der Mensch weiterentwickelt und offen ist für Neues.

Auch wenn nun das neue Schuljahr gerade ein paar Tage alt ist und eben Neues begonnen wurde, so wird es neben dem Schönen, Lustigen, Spannenden ab und zu Schwieriges, Zermürbendes und einiges mehr geben, was auch belastet. Vielleicht helfen dabei die Zeilen aus dem Gedicht «Stufen» von Hermann Hesse, Durchzuhalten und den Mut nicht zu verlieren.

Wir sollen heiter Raum und Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
(Hermann Hesse, Die Gedichte, Suhrkamp Taschenbuch, Bd 2, 676).

Regina Osterwalder (Foto: pixabay.com)

Erster Schultag

Erster Schultag

Einigen steht morgen der erste Schultag bevor, der Beginn einer Lehre oder der erste Arbeitstag an einer neuen Stelle.

Ich erinnere mich noch an ein Foto von meinem ersten Schultag. Ich stand steif da, mit dem braunen Schulranzen am Rücken und eine Schürze hatte ich an. Das war damals die Regel. Die Mädchen mussten Schürzen tragen. Wir hatten vor ein paar Wochen den Wohnort gewechselt und ich kannte keine Mitschülerin. Darum wohl auch die Aufregung. Die Klassen waren damals noch getrennt und die Buben waren auch in einem anderen Schulhaus, aber sie hatten den gleichen Schulweg, was uns Mädchen nicht immer begeisterte. Denn wir bekamen von ihren Streichen auch ab und zu was ab. Auch wenn ich unter dem autoritären Stil einiger Lehrpersonen litt, ging ich doch gerne in den Unterricht. Das Einmaleins war allgegenwärtig – wir beteten es täglich rauf und runter.

«Und in jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben», schrieb Hermann Hesse in seinem Gedicht «Stufen» (Hermann Hesse, Die Gedichte; Suhrkamp Taschenbuch, Bd 2, 676). Möge dieser Zauber lange anhalten und mögen alle beschützt sein im neuen Schuljahr. Das wünsche ich von Herzen jenen, die morgen in ein neues Schuljahr starten oder eine Lehre beginnen.

Regina Osterwalder (Foto: pixabay.com)

Matterhorn im Rock

Matterhorn im Rock

Nein, das ist kein Dessert und auch keine neue Schoggi. Auch habe ich mich bei diesem Titel nicht von der Form dieses Berges inspirieren lassen, der einen stilisierten Rock darstellen könnte.

Es geht darum: Kürzlich durfte ich ein paar Tage in Zermatt verbringen und zum ersten Mal in meinem Leben das Matterhorn sehen. Ein wunderbarer, magischer Berg. Es erstaunt deshalb nicht, dass Mann da unbedingt hinaufwollte. Aber auch die Frauen standen diesem Vorhaben in keiner Weise nach. Vor 150 Jahren, nicht lange nach der unglückseligen Erstbesteigung der Männer, kletterte die erste Frau, die Britin Lucy Walker, auf diesen grossartigen Gipfel. Natürlich war die Ausrüstung zu jener Zeit in keinster Weise mit der heutigen zu vergleichen. Aber erschreckt hat mich vor allem, dass diese wagemutigen Frauen den ausgesetzten Grat in weiten Röcken bestiegen, in Röcken! Da geht es links und rechts 1000 Meter in die Tiefe, der Wind weht und zerrt an den Kleidern, und vor lauter Rock sieht man beim Abstieg nicht mehr, wo die Füsse hintreten. Eine schauerliche Vorstellung. So bewundernswert diese Frauen von damals waren, so stellt sich mir trotzdem die Frage, wie die Kleidermode so bestimmend sein konnte, dass sie die grundlegendsten Aspekte der Sicherheit des Menschen ausser Acht liess. Eine Frau in Hosen muss in jener Zeit so unvorstellbar gewesen sein, dass es selbst in Angesicht der Todesgefahr eines Matterhorngrats keine Frage war, den Rock mit einer Hose auszutauschen.

Ich frage mich bange, welche alten Vorschriften und Vorstellungen uns heute noch bestimmen, ohne dass wir es merken geschweige denn ändern würden – obwohl es ja eigentlich so klar wäre, was zu tun wäre. Dass in der katholischen Kirche Verheiratete und Frauen Priester*innen sein dürften, gehört sicherlich in dieser Kategorie. Lukas Briellmann

Text und Foto: Lukas Briellmann

 

Maria im Baum

Maria im Baum

Lilie, Rose, Pfingstrose, Iris, Veilchen, Akelei, Gänseblümchen, Walderdbeere – all diese Blumen werden seit jeher mit Maria in Verbindung gebracht. Hinter diesen Blumennamen stehen oft Traditionen, die aus vorchristlicher Zeit stammen und Naturgöttinnen als Vorbilder haben. Auch wenn die Kirche in ihrer Lehre immer versucht hat, Maria klar von solchen ausser-christlichen Einflüssen abzugrenzen, liegt es offensichtlich in der Natur des Menschen, in Maria das Weiblich-Göttliche zu suchen. Gott kann und darf nicht einfach nur männlich sein. Insofern hat die moderne Genderfrage die Kirche unbewusst schon sehr lange beschäftigt. Gott: männlich, weiblich oder non-binär?

In den Ferien fand ich in einem alten Olivenbaum eine kleine Marienstatue. Das sah sehr romantisch aus und bot ein tolles Fotomotiv. Auf Wanderungen treffen wir an besonderen, schönen Orten immer wieder auf solche kleinen Zeichen, die Maria mitten in der Natur darstellen. Sie sind Ausdruck dafür, dass unser Gottesglaube weit mehr ist, als wir oft als kirchlich oder christlich definieren. Ist das falsch? Ich denke nein, solche Orte und Zeichen weisen uns darauf hin, dass Gott weitaus grösser ist, als wir uns das vorstellen können, und dass es keinen Ort gibt, an dem wir dies nicht erfahren könnten. Die Natur ist dafür eine gute Lehrmeisterin, die alle unsere Sinne anspricht, das Herz weitet und uns die weibliche Seite Gottes erahnen lässt. Lukas Briellmann

Text und Foto: Lukas Briellmann

Gebet um Weisheit

Gebet um Weisheit

Gott
Gib mir die Gelassenheit, das hinzunehmen, was ich nicht ändern kann.
Gib mir den Mut, das zu ändern, was ich ändern muss.
Und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr, 1892–1971, US-amerikanischer Theologe

 Ausgesucht von Andres Lienhard (Foto: pixabay.com)

Schnell ins Licht

Schnell ins Licht

Autolenkerinnen und -lenker fahren bei schlechter Sicht – in der Nacht oder bei Nebel – schneller als bei guter. Sie haben richtig gelesen: sie fahren bei schlechter Sicht schneller, nicht bei guter.

Wissenschaftlich untersucht wurden 1,2 Millionen Fahrzeugbewegungen in der Stadt Zürich – an verschiedenen, aber gleichbleibenden Stellen und versteckt. Die Autofahrerinnen und -fahrer glaubten sich unbeobachtet.

Das Resultat der Untersuchung war eindeutig: je dunkler es war, desto schneller fuhren die Autos.

Definitive Erklärungen hat die Wissenschaft nicht. Bei schlechter Sicht gibt es weniger Kontraste. Die Menschen in den Autos meinen vielleicht, sie seien langsamer unterwegs. Oder sie glauben, bei Dunkelheit nicht ertappt zu werden.

Ich kann mir einen weiteren Grund vorstellen: Die Dunkelheit hat für uns Menschen etwas Negatives. Unbewusst wollen wir sie möglichst rasch hinter uns lassen. Wir wollen Klarheit.

Das würde ich positiv sehen: Das Dunkle, Ungute in unserem Leben möglichst rasch zurücklassen, damit wir wieder im Licht sind.

Achten Sie beim Autofahren in der Nacht auf Ihren Tacho!

Andres Lienhard (Foto: pixabay.com)

Sommergefühle

Sommergefühle

Dank Corona endlich mal wieder meine Reisekiste aufgeräumt und ein Heft mit Gedichten gefunden, die ich in meiner Schul- und Studienzeit geschrieben habe. Eines passt in den August. Es trägt den Titel:

Sommerhauch

Zwitscher
Murmel
Alles vermengt sich
Die Sonne lässt
die Grenzen verwischen
Alles flieht
Weit weg
Ich bin da
Ich lebe

Was wollten Sie schon lange mal aufräumen? Vielleicht liegen dort ja auch ein paar Überraschungen bereit …

Text und Foto: Christa Grünenfelder

Glück gehabt

Glück gehabt

Ich sehe es als grossen Glücksfall, in der Schweiz geboren zu sein. Schweizerin zu sein, macht mich ein bisschen stolz und vor allem sehr dankbar. Heute danke ich ganz besonders all jenen, die dafür gekämpft und allen Männern, die vor 50 Jahren dafür gestimmt haben, dass wir Frauen das Stimm- und Wahlrecht bekommen – auch wenn es bei Gott lange genug gedauert hat.

Im Hinblick auf Gendergerechtigkeit gibt es nach wie vor viel zu tun, in der Schweiz, weltweit und ja, in der römisch-katholischen Kirche. Aber ich denke, an einem Tag wie heute dürfen wir auch feiern, dass Vieles gut läuft in unserem Land. Für diejenigen, die dabei der Nationalhymne an diesem speziellen 1. August mal einen femininen Touch geben möchten, habe ich hier einen Textvorschlag erarbeitet:

Trittst im Morgenrot daher,
Seh’ ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabene, Herrliche!
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer*innen, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Heimatland,
Gott, mein Gott, im hehren Heimatland.

Kommst im Abendglühn daher,
Find’ ich dich im Sternenheer,
Dich, du Menschenfreundliche, Liebende!
In des Himmels lichten Räumen
Kann ich froh und selig träumen!
Denn die fromme Seele ahnt
Denn die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Heimatland,
Gott, mein Gott, im hehren Heimatland.

Ziehst im Nebelflor daher,
Such’ ich dich im Wolkenmeer,
Dich, du Unergründliche, Ewige!
Aus dem grauen Luftgebilde
Tritt die Sonne klar und milde,
Und die fromme Seele ahnt
Und die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Heimatland,
Gott, mein Gott, im hehren Heimatland.

Fährst im wilden Sturm daher,
Bist du selbst uns Hort und Wehr,
Du, allmächtig Waltende, Rettende!
In Gewitternacht und Grauen
Lasst uns kindlich ihr vertrauen!
Ja, die fromme Seele ahnt,
Ja, die fromme Seele ahnt,
Gott im hehren Heimatland,
Gott, mein Gott, im hehren Heimatland.

 

Text und Foto: Christa Grünenfelder

Unterwegs am Bach

Unterwegs am Bach

Unterwegs am Bach, der von den Engstligen-Wasserfällen Richtung Kander fliesst, freue ich mich an der Schönheit der Natur.

1 Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie groß bist du!

10 Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.

12 An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.

13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
aus deinen Wolken wird die Erde satt.

14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde

15 und Wein, der das Herz des Menschen erfreut.

Aus: Psalm 104

Ich wünsche auch Ihnen beglückende Erfahrungen!

Wort und Bild: Beat Jung

 

 

 

1. Welttag der Grosseltern und älteren Menschen

1. Welttag der Grosseltern und älteren Menschen


«St. Anna selbdritt»: Die Hl. Anna mit ihrem Grosskind Jesus auf dem Arm und der schützenden Hand über ihrer Tochter Maria, der sehr jungen Mutter Jesu (Altarbild in der St. Anna-Kapelle Ebikon)

 

Im Heiligenkalender unserer Kirche erwartet uns morgen Montag, 26. Juli, der Gedenktag der Heiligen Joachim und Anna. Nach der Überlieferung waren sie die Eltern Marias. Auf dem Altarbild der St. Anna-Kapelle in Ebikon (nahe der Ladengasse) fehlt aber der Hl. Joachim, dafür sind Maria und das Jesuskind dabei. Das Bildmotiv dieser Generationen-Dreiergruppe ist seit dem Mittelalter bekannt unter dem speziellen Namen «Sankt Anna selbdritt» (d. h. zu dritt).

In den Evangelien kommen Anna und Joachim nicht vor. Aber in ausserbiblischen Überlieferungen sind die Namen schon im 3. Jahrhundert bekannt und finden im Mittelalter Eingang in den Heiligenkalender der katholischen Kirche.

Papst Franziskus – er wird im Dezember 85 Jahre alt – macht 2021 aus dem Gedenktag der Heiligen Joachim und Anna erstmals den katholischen «Welttag der Grosseltern und älteren Menschen». Dieser Welttag soll jeweils am vierten Sonntag im Juli begangen werden. Die schwierige Situation der Grosseltern und älteren Menschen in der Corona-Pandemie war ein Grund, warum der Papst diesen Welttag ins Leben gerufen hat. Vor allem aber soll damit die generationenverbindende Rolle der Grosseltern in der Weitergabe des Glaubens gewürdigt werden. Das alte Andachtsbild mit der Hl. Anna als Grossmutter, Maria als Mutter und Jesus als Kind erlebt damit ein «aggiornamento» – eine Aktualisierung in unsere Zeit hinein.

Beat Jung (Foto: Marcel Bucher)

 

Auf- und Untergänge

Auf- und Untergänge

Ich bin gerne aktiv in der Natur unterwegs. Wenn ein neuer Tag sich ankündigt, ist es spannend, zu sehen, wie die Sonne langsam aufgeht. Jetzt im Sommer muss für dieses Phänomen sehr früh aufgestanden werden. So ist es im Moment erholsamer, den Feierabend mit den langen Abenden und dem späten Sonnenuntergang draussen zu geniessen.
Am schönsten ist für mich dieses Naturschauspiel, wenn es Wolken hat. Denn dann ist das Farbenschauspiel um ein vielfältiges schöner.
Hand aufs Herz: Ist es nicht auch im Leben so, dass die schwierigen Stunden uns prägen und formen und unser Leben schön und spannend machen?

Søren Kierkegaard (dänischer Philosoph, Theologe und religiöser Schriftsteller) schreibt:

«Man kann das Leben nur rückwärts verstehen,
aber leben muss man es vorwärts».

So oder so wünsche ich Ihnen in diesen Sommerwochen, viele tolle Stunden in der Natur mit schönen Sonnenauf- und -untergängen.

Text und Foto: Nicole Sigrist

Zehn Schritte zu mehr Geschwisterlichkeit

Zehn Schritte zu mehr Geschwisterlichkeit


Illustration © 2021 Katholische Kirche im Kanton Luzern

Die katholische Landeskirche Luzern schlägt „Zehn Schritte zu einer geschwisterlichen Kirche von Frauen und Männern“ vor. Die von einer Arbeitsgruppe erarbeiteten Schritte sollen zu einer Kirche führen, die „Gleichberechtigung im Sinne des Reiches Gottes“ konsequent umsetzt. Mehr dazu lesen Sie im Juni-Pfarreiblatt und auf → www.geschwisterliche-kirche.ch.

 

 

Kirchensteuern sei Dank!

Kirchensteuern sei Dank!

Wissen Sie, was Sie mit Ihrer Kirchensteuer ermöglichen … und dass weit mehr als 90 % der von Ihnen bezahlten Kirchensteuer «in Ihrer Gemeinde» bleibt, um hier vieles zu bewirken?

Auf → www.kirchensteuern-sei-dank.ch entdecken Sie gleich selbst, wo Ihr Geld hinfliesst.

In den Pfarreiblattausgaben von Mai und Juni finden Sie zusätzliche Informationen und zeitgleich auch auf unserer Website.

Wertschätzende Pastoral – uns ein Herzensanliegen

Wertschätzende Pastoral – uns ein Herzensanliegen

Zu einer wertschätzenden Seelsorge gehört auch das Segnen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*personen und Intersexuellen (LSBTI). Die Kongregation für die Glaubenslehre hat verkündet, dass es nicht möglich ist, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Diese Mitteilung stösst auf Kritik und verletzt homosexuelle und lesbische Menschen. Unser Bischof Felix Gmür hat auf diese Nachricht auf Twitter reagiert: «Das vatikanische Segnungsverbot für homosexuelle Paare entspricht der traditionellen Lehre. Theologie und Seelsorge müssen sich jedoch auch in diesem Bereich weiterentwickeln. Dazu dient unsere Regenbogenpastoral.»

In einem Schreiben an die Seelsorger*innen teilt Bischof Felix Gmür mit, dass kein Mensch vom Segen Gottes ausgeschlossen sei. Er unterstützt eine wertschätzende Pastoral gegenüber lesbischen und schwulen Menschen, für die wir auch im Pastoralraum Rontal einstehen. Seit Jahren schon gibt es in unserem Bistum Basel die → «Regenbogenpastoral» in Anerkennung der verschiedenen Lebensentwürfe und vielfältigen Liebesgemeinschaften, die Menschen wählen. Wir vertreten die Ansicht, dass nicht die sexuelle Orientierung, sondern die gegenseitige Liebe das Zentrale ist, das Menschen miteinander verbindet. Es ist diese Liebe, die Gott segnet, und die Sexualität ist das Geschenk, das Gott uns dabei gibt. Und so sind bei uns alle Menschen willkommen, ihre Liebe unter den Segen Gottes zu stellen.

Beat Jung, Leitender Priester
Regina Osterwalder, Pastoralraumleiterin und Gemeindeleiterin Ebikon
Lukas Briellmann, Gemeindeleiter Root
Felix Bütler-Staubli, Gemeindeleiter Buchrain-Perlen

Pfarreiblatt August

Pfarreiblatt August

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Leitartikel: Das Kreuz in der Flagge

Es gibt Zeichen und Symbole, die sind allgegenwärtig. Zeichen und Symbole helfen bei der Orientierung. Ohne sie ist der Strassenverkehr undenkbar. Die Technik ebenso. Auch in den Beziehungen gibt es sie – denken wir an Ringe, Blumen, kleine Aufmerksamkeiten.

Ein Zeichen ist auch unsere Schweizer Flagge. Das weisse Kreuz auf rotem Grund. Das Symbol geht auf die Schlacht bei Laupen im Kanton Bern im Jahr 1339 zurück. Schweizer Soldaten nähten es auf ihr Hemd, um sich gegenseitig zu erkennen. Zum offiziellen Zeichen unseres Landes wurde es im Jahr 1848.

Dabei darf unsere Flagge nicht irgendwie aussehen. Alles ist genau festgelegt. Ihr Rot ist die Pantone-Farbe 485C. Die Arme des Kreuzes sind exakt um einen Sechstel länger als breit. Und neben derjenigen des Vatikans ist die Schweizer Flagge weltweit die einzige in quadratischer Form.

Alltägliches wird mit der Zeit kaum mehr beachtet. Der Inhalt wird nicht mehr bewusst wahrgenommen. Unserer Flagge geht es ebenso. Darum der Hinweis: Gross in der Mitte – ein Kreuz. Das Kreuz. Es ist das christliche Kreuz.

Egal, was in früheren Zeiten unter diesem Zeichen alles geschehen ist, Rühmliches und Unrühmliches: Das christliche Kreuz ist Zentrum unserer Flagge. Die Politik hat bei ihrer Offizialisierung bewusst darauf Bezug genommen. Der christliche Glaube war allgegenwärtig.

Was immer dieses Zeichen auslöst: Das Kreuz erinnert auch heute an Jesus. An das, was er gesagt und getan hat. Dass Jesus vorgelebt hat: Nicht Gewalt, Egoismus und Reichtum führen zum Glück, sondern Friedensbereitschaft, gegenseitige Achtung und Liebe. Kein Mensch ist weniger «wert» als ein anderer. Jeder Mensch ist einzigartig. Wir sind aufeinander angewiesen.

Das Kreuz in unserer Flagge ist weiss, hell. Für mich bedeutet dies: Das Kreuz möchte nicht niederdrücken. Sondern Hoffnung, Mut und Vertrauen schenken. Umflossen wird das Kreuz vom Rot, der Farbe der Liebe. Sie geht in alle Ecken, in alle Himmelsrichtungen. Liebe, echte Liebe, sollen alle Menschen erfahren können.

Unsere Nationalflagge – ein herausforderndes Zeichen. Die Schweiz darf zu ihrer Geschichte und ihren Werten stehen.
Gleichzeitig sind wir – gerade als Christi*nnen – aufgerufen, das Zentrum unserer Flagge lebendig zu erhalten. Den Geist von Jesus zu leben. Dort wo wir denken, reden und handeln.

Andres Lienhard, Pfarreiseelsorger Ebikon

Pfarreiblatt Juli

Pfarreiblatt Juli

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Leitartikel: Juli – die perfekte Welle

Im Sommer 2004 veröffentlichte die deutsche Popgruppe «Juli» den Song «Die perfekte Welle». Der Song passt wunderbar zum Sommerfeeling und wurde ein grosser Hit. Doch dann, ein paar Monate später, ereignete sich das furchtbare Erdbeben im Indischen Ozean, das einen riesigen Tsunami auslöste. Die gigantische Welle kostete über 200 000 Menschen das Leben. Die Betroffenheit war auf der ganzen Welt so gross, dass es unmöglich wurde, den Hit «Die perfekte Welle» weiterhin zu spielen.

Unterschiedliche Wellen
Seit mehr als einem Jahr wird die Welt von einer anderen Art Welle erfasst: die Pandemie, ausgelöst durch das Coronavirus. Auch hier ist das Ausmass riesig. Mittlerweile ist es auch nicht bei nur einer Welle geblieben. Weitere folgten und legten nicht nur das gesellschaftliche Leben in weiten Teilen lahm, sondern forderten auch viele Todesopfer und Langzeitbeschwerden bei Erkrankten.

Vom Meer lernen
Mittlerweile sind wir wieder im Sommer angelangt. Für viele beginnt die Ferienzeit. Die Planung war auch in diesem Jahr nicht einfach. Die Voraussetzungen änderten sich ständig. Wohin können wir überhaupt fahren? Welche Auflagen gibt es, wenn wir ans Meer wollen? Wird es Reisebeschränkungen für Ungeimpfte geben?

Vor vielen Jahren erzählte mir John von seinem Glaubensweg und verglich ihn mit seiner Erfahrung als Surfer. Das Meer lehrt uns, dass wir von etwas Grösserem umgeben sind, das wir nicht kontrollieren und planen können. Nur wenn wir uns darauf einlassen, können wir es für uns nutzen. Seine Augen leuchten, als er vom Gefühl erzählte, wenn man eine perfekte Welle erwischt: diese Energie, dieses Getragen sein, das Salz, die Sonne, die Gischt war für ihn vergleichbar mit seiner Gotteserfahrung. Es gibt Wellen, die können zerstören. Aber es gibt auch Wellen, die tragen, geben Kraft, lassen das Herz sprudeln vor Freude, eröffnen eine spirituelle Dimension. Wir können das Meer des Lebens, in dem wir uns befinden, nicht ändern, aber wir können versuchen, die Kräfte und Strömungen gut zu nutzen und uns von den Wellen tragen zu lassen, so wie sie eben kommen. Diese Sommerzeit, ja jeder Tag bietet diese Möglichkeit an, von der auch der Refrain des Songs «Die perfekte Welle» singt:

Das ist die perfekte Welle,
das ist der perfekte Tag,
lass dich einfach von ihr tragen,
denk am besten gar nicht nach.
Juli

Lebe in den Sommer hinein und finde an jedem Tag etwas, das dich trägt!

Text und Foto: Lukas Briellmann

Pfarreiblatt Juni

Pfarreiblatt Juni

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Leitartikel: Kirchensteuer gut angelegt

Die Aussage eines Kirchgängers «ihr seid ja nur interessiert an meiner Kirchensteuer» stimmt so für alle, die in der Pfarreiseelsorge engagiert sind, nicht. Was aber stimmt: Dank der Kirchensteuern können die Kirchgemeinden im Rontal Personal anstellen, Kirchen und Gebäude, also Kulturgüter renovieren und in Stand halten, lokale Vereine unterstützen, Räume zur Verfügung stellen und vieles mehr.

Die Dienstleistungen der Kirchen im Rontal sind vielfältig und sind dank der Kirchensteuern möglich. Weit über 90 Prozent der Kirchensteuern bleibt in der Region. Die Katholische Kirche im Kanton Luzern lanciert aufgrund der steigenden Kirchenaustritte die Kampagne «Kirchensteuern sei Dank», um die Menschen darüber zu informieren, wie viel Gutes mit den Kirchensteuern bewirkt wird.

Zum Beispiel Dienst am Nächsten
Dank der Kirchensteuern der katholischen und reformierten Kirchen im Rontal konnte die Ökumenische Fachstelle Diakonie Rontal aufgrund der grossen Nachfrage seit Anfang dieses Jahres aufgestockt werden. Diese soziale Einrichtung berät und unterstützt Menschen im Rontal und versteht sich als Drehscheibe. Ein Projekt der Fachstelle ist beispielsweise der Kleiderraum. Seit Oktober 2020 gibt es ihn im Pfarreiheim Ebikon für armutsbetroffene Menschen im Rontal. Der grösste Teil der Kirchensteuern fliesst in die Seelsorge vor Ort, in der Menschen und ihre Angehörige durch’s Leben begleitet werden – von der Taufe über die Hochzeit, in Beziehungs- und Lebenskrisen, bei Krankheit und bis zum Tod. Dafür erhalten die Mitarbeitenden ihren Lohn. Hinter allen Angeboten in den Pfarreien und im Pastoralraum Rontal stehen Mitarbeiter*innen, die mit viel Herzblut ihre seelsorgerlichen Dienste tun.

Zum Beispiel Medien
Wenn Sie diesen Artikel lesen, dann halten Sie ein zentrales Printmedium in den Händen – das Pfarreiblatt (ausser, wenn Sie den Artikel online lesen – und auch Online-Kommunikation ist uns wichtig). Dank der Kirchensteuern wird dieses Medium finanziert und sind Sie regelmässig und monatlich darüber informiert, was hier im Rontal im kirchlichen Alltag tagtäglich geschieht und auf die Beine gestellt wird. Informationen über Angebote werden auch auf den Websites und auf anderen digitalen Medien aufgeschaltet. So verfügt beispielsweise die Pfarrei Root über eine → Facebook-Seite und Sie sind eingeladen, auf → www.kathrontal.ch unseren → Blog «Mut-Worte» zu abonnieren.

Zum Beispiel Bildungsauftrag
Ausgebildete Religionslehrpersonen sind im Rontal im Bereich BIG (Begegnung im Glauben) tätig. Sie unterrichten die Kinder und Jugendlichen im Religionsunterricht und bereiten sie auf die Sakramente vor. Sie begleiten sie durch Weitergabe und Stärkung des Glaubens im Religionsunterricht und darüber hinaus in der Katechese. In den sogenannten → WAPF-Angeboten (Wahlpflichtanlässe) wird den Lernenden die Chance geboten, Menschen mit einer Geschichte zu begegnen und in verschiedenen Angeboten besondere Erfahrungen zu machen. Dazu wählen die Schüler*innen aus einem umfangreichen ausserschulischen Angebot aus. Sie können sich beispielsweise anmelden für den Anlass «Pilgern auf dem Jakobsweg» oder «Dem Himmel entgegen … joggen aufs Michaelskreuz!» Auf dem Weg zum Michaelskreuz werden Pausen gemacht, in denen Impulse zum Nachdenken, Grübeln, Schmunzeln und meditieren gegeben werden. Glaube wird damit nicht nur als geistiger Akt, sondern auch körperlich erfahrbar.

Wollen Sie noch mehr erfahren, was Sie mit Ihren Kirchensteuern alles möglich machen? Weitere Informationen erhalten Sie im Faltblatt der katholischen Kirche im Kanton Luzern (dem Juni-Pfarreiblatt beiliegend und in unseren Kirchen, Pfarrämtern und Pfarreiheimen aufliegend), auf → www.kirchensteuern-sei-dank.ch oder natürlich immer auch in Begegnung und in Gesprächen mit den kirchlichen Mitarbeiter*innen im Rontal.

Regina Osterwalder, Pastoralraumleiterin

Pfarreiblatt Mai

Pfarreiblatt Mai

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Leitartikel: Gegrüsset seist du Maria

Im Hinblick auf den Marienmonat Mai habe ich mich auf die Suche nach Maria gemacht. Mich fasziniert an Maria, dass eine Frau, über die wir aus der Bibel nur wenig wissen, über Jahrhunderte hinweg auf unterschiedlichste Weise vielen Menschen zum Vorbild geworden ist. Etwa meiner Grossmutter, die zusammen mit anderen Frauen die Lourdesgrotte in Wangs pflegte und regelmässig morgens mit Nachbarinnen den Rosenkranz betete. Oder einigen feministischen Theologinnen, für die Maria eine Frau mit starkem Glauben ist, die mutige Entscheidungen trifft und von Gerechtigkeit träumt. Diesen Aspekt wollte ich weiterverfolgen.

Was schätzen Sie an Maria?
Natürlich ist es problematisch, wenn Maria oder andere Berühmtheiten zu einem idealen Menschen zurechtgestutzt werden, den man sich selber oder anderen als ein Vorbild vor die Nase hält, das man nie erreichen kann. Aber sich jemanden zum Vorbild zu nehmen, kann auch etwas sehr Kraftvolles sein. Gerade wenn das Vorbild ein Mensch ist, den man gut kennt und von dem man auch schon die Schattenseiten gesehen hat. Das hat mich auf die Idee gebracht, einige Menschen in meinem Umfeld nach den Marias ihres Lebens zu fragen. Konkret habe ich sie gefragt, ob sie eine Maria kennen und was sie an ihr schätzen.

Eine Vielfalt von Antworten
Die Antworten waren unglaublich spannend. Marias sind unsere Schwestern, Freundinnen, Nachbarinnen, Tanten, Schwiegermütter und vieles mehr. Marias können fein kochen, sind grosszügig und schenken vorbehaltlos Vertrauen. Sie stellen ihre Küche bei Regenwetter als Holzchueli-Stall für ihre Grosskinder zur Verfügung und scheuen harte Arbeit nicht. Sie sind intelligente Powerfrauen, die die Welt im Sturm erobern und bereit sind, sich auch nach einem grossen Streit um Versöhnung zu bemühen. Marias laden ein, sich gemeinsam für Frauenanliegen einzusetzen und ermöglichen inspirierende Begegnungen. Auch gibt es Sagenerzählerinnen mit Gespür für das Übersinnliche unter den Marias, die es gleichzeitig schaffen, als junge Witwen ihre fünf Kinder durchzubringen. Es war für mich sehr inspirierend, von diesen Marias zu hören und ich hatte den Eindruck, dass es auch den Befragten Freude bereitete, von ihren Marias zu erzählen.

Ich kann dieses Experiment nur empfehlen. Natürlich kann man auch einen anderen Namen wählen. Aber Maria war für mich ein guter Start. Auch wenn ich dabei nicht direkt etwas über die biblische Maria gelernt habe, so habe ich diese im Schreibprozess doch irgendwie tiefer ins Herz geschlossen. Schliesslich war sie auch einfach irgendeine Maria, als Gott an ihre Tür geklopft hat.

Christa Grünenfelder, Pfarreiseelsorgerin

Pfarreiblatt April

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Leitartikel: Sehen oder staunen

Sehen ist Physik. Auch die Medizin befasst sich mit dem Sehen. Kameras imitieren das menschliche Sehen. Technik simuliert das Sehen verschiedener Tiere. Aber sehen wir tatsächlich, was wir sehen?

Sehen ist etwas sehr Individuelles. Reines, unverfälschtes Sehen gibt es nicht, Sehen ist immer auch Interpretation. Wir sehen, weil unsere Umgebung Licht unterschiedlich reflektiert oder absorbiert. Jedoch wissen wir erst, was wir sehen, wenn unser Gehirn diese Impulse interpretiert. Ich nehme «etwas» anders wahr als Sie, deute es anders, gebe eine andere Bedeutung. Und spätestens seit dem kleinen Prinzen von St. Exupéry wollen wir nicht nur mit den Augen sehen, sondern auch mit dem Herzen – das macht die Sache auch nicht unbedingt einfacher.

Zeit und Entfernung
Dann wären da noch die optischen Täuschungen, die uns Streiche spielen und ausserdem die Faktoren «Zeit» und «Entfernung», die uns verwirren können. Es stellt sich sogar die Frage, ob wir überhaupt sehen, was wir sehen oder ob das, was wir sehen, gar nicht (mehr) existiert. Stellen Sie sich vor, ein Stern ist 2000 Lichtjahre entfernt und erlischt heute. Dann erfahren wir dies erst in 2000 Jahren. Oder umgekehrt: Wir sehen heute noch Sterne, die zur Zeit Jesu bereits erloschen waren.

Ostern sehen oder glauben
Ich versuche, das Ganze umzukehren. Wenn wir davon ausgehen, dass Jesus vor gut 2000 Jahren auf unserem Planeten geboren, kreuzigt und begraben wurde und auferstand … und wir uns vorstellen, dass wir von einem etwas mehr als 2000 Lichtjahre entfernten Himmelskörper aus auf diese Erde blicken würden: Könnten wir dann heute sehen, was damals in Jerusalem oder anderswo geschah?
Oder ist es gar nicht entscheidend, dies zu sehen, weil «glauben» im christlichen Kontext wichtiger ist als «sehen»?

Was sind schon 2000 Jahre?
2000 Lichtjahre sind nichts. Nichts im Vergleich zu den 100 000 Lichtjahren Durchmesser «unserer» Milchstrasse. Darin blicken wir höchstens 100 000 Jahre in die Vergangenheit. Und das wiederum ist nichts – denn es ist nur ein Bruchteil der Zeit, die ein Stern existiert. Über all diese Dimensionen können wir letztlich nur staunen – wie auch über das Wunder von Ostern.

Marcel Bucher, Kommunikationsverantwortlicher des Pastoralraums (Foto: pixabay.com)

Pfarreiblatt März

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Leitartikel: Auf der Suche nach dem goldenen Faden


Das MISEREOR-Hungertuch 2021/2022 «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» von Lilian Moreno Sánchez. (Bild: © MISEREOR)

 

Mit den Hungertüchern wurde eine mittelalterliche Tradition wiederbelebt. Da viele Gläubige damals des Lesens unkundig waren, wurden vor Ostern nicht nur Altäre und Kreuze mit Stoffbahnen verhüllt, sondern auch biblische Szenen auf Hungertücher gemalt. Analphabet*innen bekamen so Zugang zur Heiligen Schrift.

Dieses Jahr hat das Misereor-Hungertuch die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez geschaffen. «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» (Ps 31,9) ist der Titel dieses Hungertuches, das aus drei Teilen besteht. Es ist ein Triptychon – alle Teile gehören zusammen.

Ein Röntgenbild
Als Grundlage diente der Künstlerin ein Röntgenbild. Es zeigt den Fuss eines Menschen, der im Oktober 2019 in Chile gegen die soziale Ungleichheit im Land demonstrierte und dabei verletzt wurde. Besonders junge Demonstrant*innen wehrten sich dort gegen die steigenden Lebenskosten und die dadurch zunehmende soziale Ungleichheit. Die schwarzen Linien aus Zeichenkohle zeigen die Umrisse des verletzten Fusses. Der menschliche Schmerz wird durch das Schwarz symbolisiert und verbindet ihn mit der Leidensgeschichte Jesu. Die leicht und beschwingt wirkenden Linien weisen trotz gebrochenen Füssen hin auf Hoffnung und auf die Kraft, die Wandel herbeiführen kann.

Strassenstaub und Blumen
Das Hungertuch ist auf gebrauchten Leintüchern gestaltet worden. Sie stammen aus einem Krankenhaus und einem bayerischen Frauenkloster. Mit der Bettwäsche ging die Künstlerin in Santiago de Chile auf den «Platz der Würde». Auf diesem Platz wurde der Mensch verletzt, dessen Fuss das Hungertuch zeigt. Hier hat Lilian Moreno Sánchez Strassenstaub in den Stoff gerieben. Er erinnert an den Mut der protestierenden Menschen, die für ihre Rechte einstanden, aber auch an die Gewalt. Die zwölf Blumen aus Blattgold symbolisieren Schönheit und Kraft. Schmerz und Leiden können überwunden werden. Gold ist die Farbe der Ewigkeit und weist hin auf Gott, der neues Leben schenkt.

Der Faden
Der Stoff des Hungertuches wurde auseinandergeschnitten, wieder zusammengelegt und mit goldenem Faden genäht. Die Künstlerin sagt dazu, dass der goldene Faden an Nähte von Chirurgen oder an bleibende Narben erinnert. Dieser Faden soll Heilung und Zukunft ermöglichen. Der goldene Faden – Erinnerung an unsere biblischen Vorväter und Vormütter, die beteten «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» (Psalm 31,9).

Regina Osterwalder, Pastoralraumleiterin

Pfarreiblatt Februar

Pfarreiblatt Februar

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Leitartikel: Etwas Gutes sagen

In der ersten Februarwoche finden traditionsgemäss verschiedene Segnungen statt. Segnen heisst auf Lateinisch «benedicere», was übersetzt heisst: etwas Gutes sagen. In den Gottesdiensten der kommenden Tage sagt Gott uns etwas Gutes zu. Und es ist doch wohltuend, wenn ich als Mensch so von Zeit zu Zeit ganz ausdrücklich eine besondere Zuwendung erlebe.

Bei der Kerzensegnung am Fest «Darstellung des Herrn» (2. Februar, Lichtmess) spricht Gott uns Licht zu. In jedem Leben gibt es dunkle Ecken, die wir nicht gerne ausleuchten, sondern gerne in der Dunkelheit lassen. Gott möchte uns ermuntern, gerade auch diese Punkte ins Licht zu halten und in seinem Licht zu betrachten. Dann kann zum Beispiel eine alte Verletzung plötzlich in einem neuen Licht erscheinen. Oder ich kann eine «dunkle» Seite an mir, die ich eigentlich nicht wahrhaben will, annehmen als etwas, das zu mir gehört.

Atemnot und Hoffnung
Mit dem Festtag des heiligen Blasius am 3. Februar ist die Halssegnung verbunden. Sie geht zurück auf eine Legende, die besagt, dass der Heilige einen Jungen vor dem Ersticken bewahrt hat. Er hat den Hals des Jungen von einigen Fischgräten befreit. Dass uns durch Fischgräte das Ersticken droht, ist wohl äusserst selten. Aber was müssen wir tagtäglich alles schlucken, oder was lässt uns schwer atmen? Angefangen von kleinlicher Kritik durch Mitmenschen bis zu einschränkenden Entscheidungen unserer Staatsgremien. Dies alles gehört zu den Grenzen dieser Zeit in unserer Welt und unseres Menschseins. Gottes Zuspruch kann uns helfen, uns durch solch unliebsame Erfahrungen nicht lähmen zu lassen und hoffnungsvoller der Zukunft zu begegnen.

Brot und Dankbarkeit
Mit dem Festtag der heiligen Agatha am 5. Februar ist die Brotsegnung verbunden. Für uns ist es sozusagen selbstverständlich, jeden Tag Brot auf dem Tisch zu haben. Das ist nicht für alle Menschen so. Das heisst nun nicht, dass wir uns ständig mit einem schlechten Gewissen an den Tisch setzen sollen. Aber das gesegnete Brot des Agatha-Tages kann uns daran erinnern, dass auch unser tägliches Brot letztlich eine Gabe Gottes ist.

Segnung und Stärkung
Sich von guten Wünschen – den Segnungen – betreffen lassen, ist wie eine zusätzliche Stärkung in dieser speziellen Zeit und im winterlichen Alltag. Wir freuen uns, Sie bei den Segensfeiern zu begrüssen. Angaben zu den Gottesdiensten finden Sie → hier.

Felix Bütler-Staubli

 

Pfarreiblatt Januar

Pfarreiblatt Januar

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Leitartikel: Hundert Jahre Pfarreiblatt im Rontal

«Liebe Pfarrkinder» – lautete die Begrüssung der Leserinnen und Leser des ersten St. Martins-Boten vor hundert Jahren. Dieses «Kirchliche Anzeigenblatt für die Pfarrgemeinde Root», erschien am 1.1.1921 erstmals. In Dierikon, Gisikon, Honau und Root wirkte damals Pfarrer Josef Bucher. Er setzte mit dem St. Martins-Boten den Grundstein für unser heutiges Pfarreiblatt.

«Neue Zeiten verlangen neue Wege», schrieb damals Pfarrer Bucher und rief sein Pfarreiblatt als «modernes Mittel der Seelsorge» ins Leben, um das Wort Gottes über den Kirchenraum hinaus zu verbreiten und damit «alle, alle zum göttlichen Heiland zu führen».

Pfarreiblatt heute
Die Zeiten haben sich seither erneut geändert. Grundwerte unseres Glaubens sind geblieben – aber will das heutige Pfarreiblatt noch immer «alle zum Heiland führen»? Sicher nicht. Wichtig bleibt jedoch, dass das Pfarreiblatt von einer Kirche berichtet, in der Gott nah bei uns Menschen sein und uns im Alltag berühren möchte. Im Alltag heisst: diese Begegnung kann genauso gut bei einer frühmorgendlichen Andacht in der Kirche, auf einem Waldspaziergang, beim gemeinsamen Mittagessen, während eines Bastelnachmittags, im Kleiderraum, beim Besuch der «Gassechuchi», im gemeinsamen Gesang wie auch beim Feierabendbier oder in einem Online-Angebot stattfinden. Diese Vielfalt im Pastoralraumleben zeigt das Pfarreiblatt. Es informiert über Aktivitäten und Angebote. Es regt mit spirituellen Inhalten zum Nachdenken an, es öffnet den Blick über unsere Kirchentüre hinaus, über die Pfarreigrenzen hinweg.

Pfarreiblatt morgen?
Ist das Pfarreiblatt noch zeitgemäss? Gibt es modernere Kommunikationsmittel, die wir nutzen können und teilweise bereits einsetzen? Wir sind unterwegs und suchen nach Möglichkeiten, verschiedene Kommunikationsmittel zu verwenden und zu kombinieren. Wir möchten mit verschiedenen Mitteln unterschiedliche Menschen ansprechen. Das Pfarreiblatt wird dabei weiterhin eine Rolle spielen und sich weiter entwickeln.

Änderungen im Pfarreiblatt
Mit der aktuellen Pfarreiblattausgabe führen wir folgende Änderungen ein:

  • Seitenreihenfolge: Sie finden ab sofort die Inhalte immer in gleicher Reihenfolge: Pastoralraumseiten – Gottesdienste – Pfarreiseiten – Chronik/Adressen – Agenda – Seiten der Zentralredaktion des Vereins Kantonales Pfarreiblatt Luzern.
  • Angepasste Darstellung der Gottesdienste an Wochenenden: Samstagabendgottesdienst erscheint als zugehörig zum Sonntagsgottesdienst.
  • Gendergerechte Sprache: Die Sprache unseres Pfarreiblatts richtet sich an alle Menschen. Wo es den Lesefluss nicht stört, verwenden wir ab sofort nicht nur weibliche und männliche Formen, sondern den sogenannten «Genderstern». Aus Leserinnen und Lesern werden dadurch Leser*innen.

Dankeschön
Dass das Pfarreiblatt etwas zu berichten hat, verdanken wir vielen motivierten Menschen. Freiwilligen und Mitarbeiter*innen, welche Anlässe organisieren und im Pfarreiblatt dazu einladen. Menschen, welche am Leben des Pastoralraums teilhaben und über Erlebtes berichten. Pfarreiangehörige, welche uns Mitarbeiter*innen mit neuen Ideen anregen und uns mit Rückmeldungen unterstützen.

Dass das Pfarreiblatt etwas bewirken kann, haben wir gleichzeitig Ihnen, liebe*r Leser*in verdanken. Danke für Ihr Interesse!

Marcel Bucher, Kommunikationsverantwortlicher des Pastoralraums Rontal

 

Kleiderraum für Menschen mit KulturLegi im Rontal

Kleiderraum für Menschen mit KulturLegi im Rontal

Seit Oktober 2020 gibt es im Pfarreiheim Ebikon den Kleiderraum für armutsbetroffene Menschen im Rontal.

Die ökumenische Fachstelle Diakonie Rontal ist eine diakonische Organisation der katholischen Kirchen Buchrain-Perlen, Ebikon und Root sowie der evangelischen Teilkirchgemeinden Buchrain-Root und Ebikon. Die Fachstelle setzt die «Kirche, die das soziale Handeln lernt und lehrt» um – auch mit einem Kleiderraum für armutsbetroffene Menschen im Rontal, die oft nicht über genügend Mittel verfügen, dringend benötigte Kleider für sich und vor allem auch für die Kinder zu beschaffen.

Im Kleiderraum können nicht mehr benötigte Kleider und Haushaltswäsche (Küchentücher, Frottee- und Bettwäsche) in einwandfreiem und sauberem Zustand abgegeben werden. Ausschliesslich Armutsbetroffene aus dem Rontal können an bestimmten Tagen nach Voranmeldung, unter Vorweisung der Kulturlegi und nach Bezahlung einer Pauschalabgabe von 15 Franken diese Secondhand-Sachen erhalten. Freiwillige Helferinnen und Helfer beaufsichtigen nicht nur die Herausgabe, sie sorgen auch dafür, dass die erhaltenen Sachen ordentlich bereitgestellt werden.

Kleiderspende ist möglich wochentags in Kleiderkiste
Pfarreiheim, Dorfstrasse 7, 6030 Ebikon
Freitag ganztags möglich (8 bis 20 Uhr, Freitag vorzugsweise bis 16 Uhr)
Die Kiste befindet sich links im Eingangsbereich

 

Wir danken Ihnen für die Spende von sauberen Kleidern.

Kontakt für Kleiderspenden und Abholtermine:
uta.siebel@kirchenrontal.ch
041 440 13 04, 077 503 13 42

→ Hier finden Sie die Daten, an denen der Kleiderraum geöffnet ist.

Pfarreiblatt Dezember

Pfarreiblatt Dezember

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Leitartikel: (K)ein Platz in der Herberge

Wer kennt sie nicht – die Krippenspiele. Die Rollenzuteilung ist nicht leicht, denn die Buben wollen den Josef spielen und die Mädchen natürlich die Rolle der Maria übernehmen. Ochs und Esel, die Hirten und die Engel müssen aber auch besetzt werden und natürlich der Wirt, der mit polternder Stimme das Paar abweist mit den Worten: «Hier hat es keinen Platz mehr für euch – die Herberge ist voll».

Das vermasselte Krippenspiel
Nun war da also Walter. Eigentlich wollte er den Schäfer mit der Flöte sein. Aber Frau Schmitt hatte ihm eine andere wichtige Rolle zugedacht. Es kam der Moment, wo Josef auftrat und mit Maria an die Tür der Herberge klopfte. Walter stand hinter der Tür und fragte barsch: «Was wollt ihr?» Und wir kennen die Antwort von Josef und Walter sprach mit kräftiger Stimme: «Die Herberge ist voll». Josef erklärt ihm die Situation, dass sie schon überall vergeblich gefragt haben und sie von weither kommen. Walter blickte wieder streng. Doch Josef liess nicht locker: «Das hier ist meine Frau Maria. Sie ist schwanger und braucht einen Platz zum Ausruhen. Ihr habt doch sicher ein Eckchen für sie. Sie ist müde …». Da entstand eine lange Pause, so dass es für die Zuhörenden ein bisschen peinlich wurde. Der Souffleur flüsterte: «Nein! Schert euch fort!» Und nun – der Wirt ging nicht mehr zurück in die Herberge. Er sah dem Paar nach, das eben den Weg fortsetzen wollte. Walter blieb stehen, die Stirne sorgenvoll gefurcht. Und plötzlich wurde dieses Krippenspiel anders als alle bisherigen. «Bleib hier, Josef!» rief Walter. «Bring Maria wieder her!». Sein Gesicht verzog sich zu einem breiten Lächeln. «Ihr könnt mein Zimmer haben!». Manche Leute meinten, Walter habe das Spiel vermasselt und verdorben. Aber viele hielten es für das weihnachtlichste aller Krippenspiele, die sie je gesehen hatten.

Einen Platz bekommen oder haben
Das Kind in der Krippe, dann erwachsen geworden, wird Menschen einen Platz geben oder sie vom Rand in die Mitte zurückholen. Wer Menschen einen Platz gibt, sie in die Mitte zurückholt, wie der Rabbi aus Nazareth, bei dem wird Gottes Gerechtigkeit spürbar und erfahrbar. Diese Menschen verkörpern die Barmherzigkeit Gottes. «Barmherzigkeit verweist auf die mütterliche Dimension Gottes: Das hebräische Wort für «Barmherzigkeit» (rachamim) ist der Plural von «Gebärmutter» (rechem), deren Wortwurzel «Wärme» bedeutet (cham). Wenn ein Mensch einen Platz hat im Herzen eines Menschen, dann wird ihm warm ums Herz.

Das wäre auch ein Weihnachtsgeschenk – Menschen einen Platz geben, so dass es ihnen warm ums Herz wird. Warmherzige und frohe Festtage.

Regina Osterwalder
(Foto: pixabay.com)

 

Pfarreiblatt November

Pfarreiblatt November

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2+2=4

2+2=4 … Das ist richtig, aber ist es deswegen auch wahr? Ist es nicht wahr, dass sich ein Team von vier Leuten, zusammengesetzt aus jeweils zwei Leuten unterschiedlicher Gruppen, gut harmonierend zusammenarbeitend, sich nach mehr als nur vier Leuten anfühlt? Der «gute Geist», der als fünfte Kraft mitwirkt? Dann wäre es richtig, dass 2+2=4 ist, gleichzeitig aber wäre 5 auch wahr.

Richtig und wahr wird häufig in der gleichen Art und Weise benutzt, obwohl die Wörter unterschiedliche Bedeutungen haben. In der Logik wird der Wahrheitsgehalt einer Aussage mit «wahr» und «falsch» bezeichnet. Und als in der Aufklärung schliesslich der Verstand und das rationale Denken über alles gestellt wurden, sind «wahr» und «richtig» endgültig gleichgesetzt worden und «falsch» als das Gegenteil.

Richtig ist jedoch etwas, das wissenschaftlich, mathematisch oder eben logisch eindeutig ist. Man könnte einfach sagen: beweisbar. Bei «wahr» kommt ein Beziehungsaspekt dazu: wie stehe ich zu der Aussage? Ist die Sache für mich wahr? Was bedeutet es mir?

Jesu Geburt zu Bethlehem
Weihnachten rast auf uns zu. Ist es richtig, dass Jesus in Bethlehem auf die Welt kam, unterwegs mit seinen Eltern? Ist es richtig, dass er, der Erlöser der Menschheit, in einem Stall in armseligen Verhältnissen geboren wurde und die ersten «Gratulanten» Hirten von der Weide waren? Ist es richtig, dass ein Stern drei Weise (oder drei Könige?) zu dem Stall gelotst hat?
Für mich ist es wahr. Ob es richtig ist, weiss ich nicht. Aber für mich macht es Sinn, dass Jesus nicht in einem Palast geboren wurde, dass nicht viele Könige und Herrscher von überall herkamen, um ihm wie einem Kaiser zu huldigen. Ich fühle mich diesem Jesus viel näher, seinen Eltern, die danach flüchten mussten. Zu diesem Jesus kann ich von Geburt an eine Beziehung aufbauen und diese an Weihnachten feiern, in dem ich mich mit den Hirten identifiziere, die dem Wunder der Geburt eines hilfebedürftigen Babys beiwohnen, der schliesslich für mich da sein wird und sein Leben am Kreuz geben wird.

Pastoralraum Rontal
Es ist richtig, dass vor vier Jahren im November durch Zusammenschluss der Pfarreien Buchrain-Perlen, Ebikon und Root der Pastoralraum Rontal gegründet wurde. Ist es deswegen wirklich schon für alle wahr? Es wird noch Zeit brauchen, bis die Menschen in den Pfarreien, im Pastoralraum, eine Beziehung zu diesem Verbund aufgebaut haben. So lange ist es noch nicht wahr, aber richtig. Aber es ist wichtig, dass wir uns dieser Beziehungsarbeit immer wieder stellen, damit es in uns wahr werden kann und Früchte bringen kann. Genauso wie Jesu Geburt.

Johannes Frank

(Bild: Tiramisu, pixabay.com)

Pfarreiblatt Oktober

Pfarreiblatt Oktober

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Jetzt ist die Zeit, Farben zu sammeln!

Im Kinderbuch «Frederick» von Leo Lionni sammeln die Mäuse eifrig Essens-Vorräte für den Winter. Nur Frederick schert aus: Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Wie recht er hatte, zeigte sich gegen Ende des Winters. Jetzt ist es Oktober: Zeit, Farben zu sammeln! Langsam geht das Jahr 2020 dem Winter zu. Es ist Erntezeit. «Herr, es ist Zeit» schreibt Rilke in seinem Herbstgedicht. «Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein; gib ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin, und jage die letzte Süsse in den schweren Wein.»

Farben zum Leuchten bringen
Wie die Natur im Herbst noch einmal ihre ganze Farbenpracht entfaltet, so hat der Glaskünstler André Bréchet (1921–1993) Farben in die moderne Saint-Nicolas de Flue-Kapelle im Weiler Mormont bei Courchavon, zwischen Pruntrut und Bure in der Ajoie, gebracht. Weil keine grossen Mittel vorhanden waren, wurde diese Kapelle auf Initiative von Abbé Bitschy 1976 von Maurergesellen aus Europa gebaut, ohne Architekt und ohne Bauunternehmung. Um keine statischen Probleme zu schaffen, hat sich der Künstler für Dutzende von kleinsten Fenstern mit bunten Glasbausteinen in den Betonwänden entschieden. Entstanden ist ein Bijou, das man so abgelegen auf dem Land nicht erwarten würde!

Leben ist bunt
Der Herbst mit seinen Farben macht uns bewusst, wie vielfältig das Leben ist. Wenn wir jetzt Farben sammeln, haben wir Nahrung für die Seele, wenn der Nebel kommt und die Farben verblassen.

Beat Jung, leitender Priester im Pastoralraum Rontal

Pfarreiblatt September

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Mit Poesie ins Paradies

«Praxis bedeutet: den Ort, an dem du jetzt stehst, zum Paradies zu machen, das Himmelreich unter deinen Füssen zu entdecken». Dieser Satz stammt von dem Zen-Meister Kodo Sawaki (1880–1965). Und wie machen wir das? Jede und jeder auf ihre/seine Art und Weise. Wir entdecken Dinge oder machen Erfahrungen. Eine entdeckt die Musik, ein anderer die Natur und manche die Poesie. Andere fühlen sich beim Waldlauf oder auf einer Bergtour dem Paradies etwas näher. Während der Corona-Zeit entdeckte ich über facebook das Video «Aus dem Homeoffice eines Schauspielers». Da rezitierten bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler das Hohelied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief (1. Kor 13,1–13). Im Hintergrund ertönte Klaviermusik von Johann Sebastian Bach. Ich habe diesen biblischen Text noch nie so wunderbar rezitiert gehört. Dieser Beitrag hat mich tief berührt. In diesem Moment atmete ich einen Hauch Paradiesluft.

Literatur als Partnerin
Was oder wer Ihnen, werte Lesende, ab und zu ein wenig Paradiesluft herzaubert oder Sie das für sich oder für andere tun – das macht den Alltag erträglicher, erfrischend, interessant, abwechslungsreich, stimmungsvoll und vieles mehr. Neben der Musik kann auch die Poesie den Alltag durchaus bereichern. Und dann gibt es auch immer wieder Theologinnen und Theologen, die überzeugt davon sind, dass Predigende von der Literatur lernen können. Das war nicht immer so. Es gab in der Geschichte eine Zeit, da war man in der Kirche überzeugt davon, dass die Literatur für den Glauben nachteilig oder sogar schädlich sei. Im Zweiten Vatikanischen Konzil aber wurde festgehalten, dass die Literatur und die Kunst von grosser Bedeutung sind. Literatur wird «als Partnerin im Suchen nach dem Glücken des Menschen gewürdigt» – so der Theologe Erich Garhammer, dessen Forschungsschwerpunkt dem Gespräch und der Auseinandersetzung mit der modernen Literatur galt.

Ab und zu ein wenig Paradiesluft
Von Horst Bienek, Schriftsteller, (1930–1980) gibt es folgenden Text:

Wörter
meine
Fallschirme
mit euch
springe
ich
ab
Ich fürchte nicht die Tiefe
wer euch richtig
öffnet
schwebt

Horst Bienek, Gleiwitzer Kindheit. Gedichte aus zwanzig Jahren, 1976 Carl Hanser Verlag, München

Beim Lesen von Gedichten oder Romanen kann es sein, dass die Lesenden eigene Erfahrungen, Krisen oder positive Erlebnisse an dem Gelesenen gedeutet und ausgedrückt finden. Das Gelesene lässt mich Welten entdecken, mit denen ich vielleicht nie in Kontakt gekommen wäre oder denen ich sonst aus dem Weg gehen würde. Und manchmal provoziert Literatur zu neuem Denken und «löst Schwarz-Weiss-Töne auf», so Garhammer. Und dann wird einem Tiefe zuteil, von der man vorher kaum eine Ahnung hatte.
Lassen wir uns manchmal doch mit Wörtern der Dichterinnen und Dichter fallen und fallen dann ein wenig ins Paradies. Viel Vergnügen dabei.

Regina Osterwalder, Gemeindeleiterin Pfarrei Ebikon/Pastoralraumleiterin

Pfarreiblatt August

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Grenzüberschreitung als Chance

Ich bin im Dreiländereck in Basel aufgewachsen. Seit meiner Kindheit gehörten Grenzen immer zu meiner Umgebung. Schon in den Sechzigerjahren war es ohne weiteres und ohne Bürokratie möglich, die Landesgrenzen auf einem Sonntagsspaziergang oder einer Velotour zu überschreiten. Die Grenzen hatten für mich nie etwas Einschränkendes, sondern waren immer viel mehr eine Erweiterung meines Horizontes und die Chance, etwas Neues zu entdecken. Leider ist dies nicht überall auf der Welt so.

Uneingeschränkte Reiselust
Heutzutage wird mehr gereist als je zuvor. Besonders die beiden Monate Juli und August sind Zeiten des Reisefiebers. Ganz Europa macht sich auf den Weg von Nord nach Süd, Ost nach West, von den Ufern der Meere in die Berge und umgekehrt. Grenzen gibt es keine mehr; wenigstens werden sie nicht als Hindernisse angesehen. Höchstens das Budget grenzt unsere Reiselust ein.

Grenzen als Schutz
Im scharfen Kontrast zu dieser grenzenlosen Freiheit haben wir in der ersten Hälfte dieses Jahres das Begrenztwerden in allen Lebensbereichen erfahren. Die Landesgrenzen wurden in ganz Europa geschlossen, dazu Schulen, Restaurants, Bars, Geschäfte und vieles mehr. Gottesdienste waren nicht mehr möglich. Die persönliche Freiheit wurde eingegrenzt. «Zuhausebleiben» war das Motto. Nicht Distanzen zurücklegen war angesagt, sondern Distanz wahren wurde zur Regel. Und auf einmal war Mitten im Jahr eine Ruhe da, die man sonst nur von den Sommerferien kennt. Die Strassen waren fast menschenleer und es gab sogar keine Staus mehr. Das kleine Virus, das keine Grenzen kannte, zeigte uns unsere Grenzen auf.
Seitdem ist uns vieles wieder bewusster: Reisen ist ein Privileg, Gesundheit ein Geschenk, Freiheit keine Selbstverständlichkeit, Solidarität nicht nur ein Wort, ein stabiles politisches System unbezahlbar. Ganz gemäss dem Sprichwort «Weshalb denn in die Ferne schweifen, wenn doch das Gute liegt so nah?» entdeckte die Schweiz wieder die nähere Umgebung und ihre eigene Schönheit.

Mut zur Horizonterweiterung
Mit diesen sehr entgegengesetzten Erfahrungen im Hintergrund lässt sich neu fragen, was Grenzen für uns bedeuten: Einschränkung oder Schutz, Einschluss oder Ausschluss, Abgrenzung oder Horizonterweiterung? In der Bibel finden sich verschiedene Beispiele für den Umgang mit Grenzen. Es gibt Ausgrenzung von Kranken und solchen, die nicht konform mit den Gesetzen waren. Da finden sich Fälle von Diskriminierung von Frauen, Fremden und Menschen anderer Hautfarbe und Kultur. Und natürlich wird auch von Kriegen gegen die Bedrohung von aussen berichtet. Doch die Grundbotschaft der Bibel und vor allem auch das Wirken Jesu zielt darauf hin, Grenzen zu überwinden, Verständnis zu schaffen und Gemeinschaft zu fördern. Gerade die Ausgegrenzten haben dies wohltuend und heilsam erfahren. Und letztlich weist sein Weg auch über die letzte Grenze unseres Daseins hinaus, den Tod.

Der Glaube macht frei und eröffnet neue Horizonte. Dies ist die Grundbotschaft Jesu und der Bibel. Wenn wir als glaubende Menschen unser Leben und Reisen, unser gesellschaftliches Zusammenleben und auch unsere Kirche als eine ständige Grenzüberschreitung im Sinne einer Horizonterweiterung verstehen, dann eröffnen sich unbekannte Welten und neues Leben wird möglich. Nutzen wir nicht nur die Sommerferien dafür.

Lukas Briellmann

Pfarreiblatt Juli

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Ferienzeit – Entdeckungszeit

Die Frühlingsferien fielen buchstäblich ins Wasser. Das sonnige Wetter hat hier vieles wettgemacht. Das Wiedersehen mit meiner Cousine in Holland musste ich in den Kamin schreiben. Gut – man kann ja auch per Skype in Kontakt treten. Und nun stehen die Sommerferien vor der Tür. Jetzt, beim Schreiben dieses Artikels, ist noch vieles unsicher, was das Reisen im Sommer betrifft.
Viele von uns nutzen die Ferienzeit – vor allem im Sommer – um zu reisen, andere Länder kennenzulernen oder ans Meer zu fahren, um sich von der Sonne wärmen zu lassen und im kühlen Nass zu schwimmen. Kinder werden Sandburgen bauen und zuschauen, wie sie von den Wellen wieder aufgelöst werden.
Doch Ferienzeit heisst ja nicht nur reisen. Es gibt Menschen, die können nicht mehr weg oder können sich Ferien weder in der Schweiz noch im Ausland leisten. Und dieses Jahr werden es vermutlich noch mehr Menschen sein. Sie kommt und ist dann da – eben diese Ferienzeit.

Zur Ruhe kommen
Menschen, die zwischen Beruf, Familie und Privatleben eingespannt sind, haben unzählige Termine. Wir holen schnell ein Glas Wasser, kochen schnell das Mittagessen, gehen schnell noch einkaufen, schauen schnell die Hausaufgaben an, holen schnell die Post aus dem Briefkasten, gehen rasch in den Keller.
Und dann ist sie da – die Ferienzeit. Als erstes kommt das zur Ruhe kommen. «Abefahre» sagen wir dann auch. So einfach gelingt dieser Übergang von rasch zu herunterfahren nicht. Dazu brauchen die einen ein paar Stunden, andere einen Tag bis mehrere Tage. Manchen gelingt es kaum oder gar nicht. Sie brauchen das Tempo auch in den Ferien.

Die Seele baumeln lassen
Warum sich nicht mal auf das Herunterfahren konzentrieren und diese Momente des zur Ruhe Kommens auskosten und in der kommenden Ferienzeit bewusst angehen? Es könnte ja sein, dass wir Dinge entdecken, die wir sonst kaum bemerken oder geniessen können. Die Stille zum Beispiel, das Herumhüpfen der Spatzen, das Zirpen der Grillen, das Rascheln der Blätter im Wind, das Bellen eines Hundes, den eigenen Atem, spielende Kinder.

Ich wünsche Ihnen eine erholsame Ferienzeit.

Regina Osterwalder

 

 

Pfarreiblatt Juni

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Findet es statt oder nicht?

«Findet es statt oder nicht?» – eine Frage, die kirchliche Gruppierungen wie Blauring und Jungwacht seit Anfang März stets begleitete. Diese ungewisse Zeit fordert auch von jungen Menschen viel Flexibilität und Geduld.

Schon lange ist klar, dass im Juli 2020 ein grosses Highlight für die Scharen im Kanton Luzern stattfinden wird – das Kantonslager (kurz: KALA 2020). Ein Lager mit 59 Jungwacht- und Blauringscharen aus dem Kanton Luzern, welche in Rotkreuz gemeinsam ein Zeltlager durchführen. Ein Vorhaben, welches ungefähr zwei Jahre Vorlaufzeit benötigt und für das schon viele ehrenamtliche Stunden investiert wurden. Die Vorfreude ist gross und es ist schon viel Kreativität in die mögliche Lagerplatzgestaltung investiert worden. Erste Materialbestellungen sind erledigt und auch die Feinplanung des Programms läuft auf Hochtouren. Dann plötzlich ist er da – der Stillstand. Ein Virus löst einen abrupten «Stopp» bei der ganzen Vorbereitung aus und ab diesem Punkt herrscht grosse Unsicherheit. Kann das Lager durchgeführt werden oder nicht?

Abgesagt …
Woche für Woche vergeht. Gespannt werden die Medienkonferenzen des Bundesrats, aber auch die Weisungen von JuBla Schweiz erwartet. Immer dabei ist die «Hoffnung». Die Hoffnung, dass das Lager stattfinden wird.
Dann der definitive Entscheid: Das Kantonslager wird auf den Sommer 2021 verschoben.

… aber die Hoffnung bleibt …
Auf einmal ist nichts mehr so wie vorher. Ungewissheit herrscht. Ein Sommer ohne Zeltlager? Unvorstellbar. Trotz grosser Ungewissheit ist da aber immer noch die «Hoffnung», welche die Scharen motiviert. Denn JuBla-Schweiz empfiehlt, ein normales Sommerlager zu planen. Ein sportliches Vorhaben, da nur noch wenige Wochen für die gesamte Vorbereitung (Lagerplatzsuche, Programm erstellen und vieles mehr) bleiben. Und trotz ungewisser Planung ist eine grosse Motivation und Zuversicht zu spüren. Die Leiterinnen und Leiter sind voll in der «neuen» Planung und ich wünsche ihnen von Herzen ein Happyend dieser aussergewöhnlichen Zeit.

Nicole Oppliger-Burri, Jugendarbeiterin RPI/Präses Jungwacht Ebikon