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Pfarreiblatt Juli

Einer der Sommerklänge: Das Singen von Amseln an einem Sommertag. (Foto: pixelio.de)

Der Klang des Sommers

Es gibt Klänge, die berühren mich zuinnerst. Dazu gehören im Frühling das erste Summen der Bienen, im Herbst das Rascheln von Baumblättern im Wind, im Winter die tiefe Stille – auch die Stille ist für mich ein Klang. Bei diesen Klängen muss ich innehalten. Und meine Gedanken gehen auf weite Reisen.

Wenn ich an den Sommer denke, sind solche Klänge das Zirpen von Grillen im Gras, das ferne Kindergeschrei aus einer Badi – und besonders der Gesang der Amseln. Oft singen sie ganz zuoberst – auf einem Baum oder einem Dachfirst. Ich weiss: Es singen die Männchen. Jene mit dem sonnengelben Schnabel und ganz in Schwarz. Doch muss es nicht auch jene geben, die zuhören können?

Glaube ist der Vogel, welcher singt,
wenn die Nacht noch dunkel ist.
(Rabindranath Tagore, indischer Dichter)

 

Singen die Amseln an einem sommerlichen Tag in ruhiger Dämmerung – ich vermag kaum in Worte zu fassen, was ich empfinde. Es ergreifen mich Sehnsucht, Wehmut, Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Manchmal muss ich das Lauschen bewusst beenden, um im Moment nicht zu sehr berührt zu werden.

Diese Gesänge der Amseln sind für mich spirituelle Momente. Sie führen mich über mich hinaus und verbinden mich mit Himmel und Erde. Ich verspüre Ewigkeit.

Was berührt Sie selbst zutiefst? Welchen Klang hat der Sommer für Sie?

Ich wünsche Ihnen erfüllende Sommertage.

Andres Lienhard