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Leitartikel Februar

Fasnacht? Ohne mich?

 

Die Fasnacht kommt. Mit unerwarteten Sprüchen und Schnitzelbänken ist schon von manchem der Ernst gewichen. Ein berühmter Psychoanalytiker hat mal gesagt, lachen müsse man, wenn etwas überraschend einen inneren Konflikt löse. Hat Gott je gelacht? Wohl eher nicht. Gott hat keinen inneren Konflikt. Er überschaut alles und weiss alles. – Doch einmal kam ihm seine Allwissenheit in die Quere! Nur ein einziges Mal. Da nämlich, wo er dem Vater Abraham, dem Stammvater der Israeliten, in dessen hohem Alter noch ein Kind (den späteren Isaak) versprach. Das Original findet ihr im Buch Genesis, Kapitel 18, Verse 9-15. Leider ist da die fröhliche Pointe nicht aufgeschrieben. Doch ich hab hier geschrieben, wie’s wirklich war!

 

Doch!
Du hast gelacht!

 

Mein Gott. Wie wurde ER da aus der Reserve gelockt. Damals. ER, der alles im Griff hat, verlor die Contenance. Dabei war’s ja schon zum Lachen. In grossen Worten verspricht ER Abraham ein Kind. Obwohl Abraham nicht mehr kann. Und auch seiner Liebsten «geht es nicht mehr, wie es Frauen zu gehen pflegt», sagt der Chronist politically correct und ebenfalls mit einem Lachen auf den Stockzähnen. Der Abraham bleibt diplomatisch.
Nur Sara, Abrahams Frau, die sich derweil im Zelt aufhält, kann nicht anders: «Ach, mein Gott, was redest Du da», sagt sie zu sich. «Lust ist nun wahrlich nicht mehr meins. Ja, vielleicht beim Essen und Witze erzählen. Aber mit Abram? Ach komm. S‘war schön. Aber genug ist genug. Soll ich etwa schwanger spielen?» Sara konnte nicht anders. Sie lachte – Schande! – Gott aus!
Zeltwände sind nicht schalldicht. Und Gott hätte es auch noch durch eine Betonwand gehört: SIE LACHTE! Den Rest hab‘ ich schon gesagt. Gott hört es. Sara, leider, streitet’s ab. «Ich gelacht? Gott behüte!» Das tut ER nicht! ER beharrt: «Doch! Du hast gelacht!»

Ist das nicht wunderschön menschlich? Gott lässt sich zanken! Ja, da verliert der Alles-Denker-Alles-Lenker einen kleinen Moment die Selbstbeherrschung zugunsten der First Lady des Stammvaters. Es steht leider nicht mehr, was dann geschah. Doch ich nehme an, Sara lachte und lachte und lachte.
Und Gott schaute sie verdutzt an und brach dann in ein GÖTTLICH-ALLUMFASSENDES-GELÄCHTER aus. (Das war die erste Fasnacht!) Dem Abraham wars anfangs etwas peinlich. Doch wie soll man sich gegen sowas wehren. ER LACHTE mit. Und es begann ihm zu gefallen. Und ein Jahr später war der Isaak da, ihr Sohn. Nun ja, wessen Sohn? Ein Sohn aus dem DREIEINEN LACHEN. Isaak ist wahrlich nicht der Topshot der Geschichte. Aber eins weiss ich: Er ist der heimlich-Heilige der Fritschene und Grende; der aus dem LACHSTURM Gebor’ne. Auch für mich. Und auch für Dich, Fasnächtler:in! Und auch – für IHN.
(Genesis 18,9-15 und das leider nicht Aufgeschriebene)

 

KI-generierte Bilder. ChatGPT am 16.12.2025. Auftrag: «Zeichne Gott wie er ausser sich ist vor Lachen zusammen mit Abraham und Sara, ebenfalls krampfartig lachend». Und dann: «Super, noch etwas mehr der Ekstase, bitte!»

Matthias Kissling, Pfarreiseelsorger Root

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