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Wegkreuz im Langholz bei Hünenberg. Fotos: Silvan Wyss.

Leitartikel Juni

Macht der Gewohnheit

 

11 Kilometer mit dem Velo von zu Hause bis ins Büro – oft kann ich mich nach der Ankunft kaum an diese Fahrten erinnern. Denn obwohl meine Aufmerksamkeit ganz auf dem Verkehr liegt, ist der Geist oft ganz wo anders. Zu einem grossen Teil ist es die Macht der Gewohnheit, die mich und mein Velo in solchen Situationen lenkt.

Selbstverständlichkeiten
Glücklicherweise macht diese Gewohnheit Platz für Anderes: Dass ich morgens nicht darüber nachdenken muss, ob ich an der nächsten Verzweigung links oder rechts abbiegen muss, macht meinen Kopf frei, um beispielsweise Ideen für den Religionsunterricht auszubrüten. Und bestimmt ermöglicht die Macht der Gewohnheit auch in anderen Lebensbereichen die eine oder andere Form von Innovation: Bestimmt werden viele kulinarische Höhenflüge durch das fliessende Wasser aus dem Wasserhahn, die selbstverständliche Verfügbarkeit einer Vielfalt von Gewürzen oder die bequeme Handhabung der Herdplatte erst möglich.

Sehr schnell gewöhnen wir uns an das Gute, den kleinen Luxus im Alltag oder unsere Sicherheit und lassen diese Geschenke zuweilen gedankenlos zur Selbstverständlichkeit werden. Wie sehr uns das alles fehlen würde, bemerken wir oft erst dann, wenn aus irgendeinem Grund einmal tatsächlich etwas wegbricht: Nie bin ich dankbarer für den guten « Hahnenburger» als bei der Heimkehr nach einigen Tagen in Gebieten mit chloriertem Trinkwasser.

Ein Augenöffner
Habe ich mich vielleicht auch etwas allzu sehr an die Gegenwart unseres menschenfreundlichen Gottes gewöhnt? Diese Frage stellte sich mir urplötzlich, als ich bei einem Spaziergang auf ein vermeintlich unscheinbares Wegkreuz traf. «Mein Gott, wie haben wir uns an dich gewöhnt», steht da einsichtig auf dem Querbalken. Was habe ich nicht alles dem Wirken und Walten des «Ich bin, der ich bin» zu verdanken? So wurde das besagte Wegkreuz für mich zu einem Augenöffner. Die Erinnerung an die Inschrift mahnt mich immer wieder, wider der Macht der Gewohnheit achtsamer und dankbarer durch die Welt zu gehen und dabei aufmerksam für die reichen Geschenke Gottes zu werden. Was kann ich beispielsweise auf meinem Arbeitsweg alles hören oder riechen? Was sieht heute ein bisschen anders aus als an all den anderen Tagen? Und wie verändert sich die Welt, wenn ich den entgegenkommenden Velofahrenden ganz bewusst mit einem dankbaren Lächeln begegne? Probiert es doch auch einmal! Es lohnt sich!

 

Silvan Wyss, Leitung Katechese/BIG

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