Trotz schwierigster Lebensumstände verlieren viele Menschen im Globalen Süden ihre Hoffnung nicht. Eine wichtige Kraftquelle ist ihr Glaube. Er bleibt nicht Theorie, sondern wird gelebt – mitten im Alltag, mitten im Leben.
Als ich in Bolivien in einer Pfarrei mitlebte, konnte ich eindrücklich erfahren, wie Leben und Glaube zusammengehören. Ich lernte von den Menschen, wie das Wort Jesu in ihren Basisgemeinschaften geteilt wird und dann in ihrem Alltag umgesetzt wird. Die Menschen schöpfen aus ihrem Glauben an Jesus immer wieder neue Lebenskraft.
Ein Beispiel: In der Bibel lesen wir, wie Gott spricht:
Ich übergebe euch alle Pflanzen der Erde,
die Samen tragen.
(Gen 1,29)
Die Samen sind ein Geschenk und ein Auftrag zugleich. Daher begannen die Mitglieder einer Basisgemeinschaft auf einem brachliegenden Grundstück einen Gemeinschaftsgarten anzulegen. Gemeinsam wurde der Boden vorbereitet, um dann zu säen, die wachsenden Pflanzen zu pflegen und schlussendlich zu ernten. Während all diesen Arbeiten teilten die Menschen ihre Freuden und Sorgen des Alltags, unterstützten einander, und bei der Ernte wurde gemeinsam gefeiert und getanzt. Aus einem Garten wurden dann viele, denn diese Idee wurde weitergetragen und auch zu Hause umgesetzt.
Das Saatgut wurde zum Zeichen von Würde, Selbstständigkeit und Hoffnung. Es zeigte mir, wie Saatgut und Zukunft untrennbar zusammenhängen, denn ohne die Gärten wäre kaum eine gesunde, ausgewogene Ernährung für die Menschen dort möglich gewesen. Dank dieser gesunden Ernährung haben die Menschen die Kraft und Ausdauer, ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Dieses Gartenprojekt bringt es auf den Punkt, worum es beim Leitsatz der Fastenaktion geht: Ohne Nahrung, ohne Perspektiven und ohne Hoffnung hat Zukunft keine Chance.
Auch wir säen in unserer Gemeinschaft – hier in unserem Pastoralraum – Samen wie gute Taten, Solidarität und Verantwortung füreinander. Oft sehen wir die Ernte noch nicht. Vielleicht werden es erst unsere Nachkommen sein, die dann ernten können. Doch im Vertrauen auf Gott dürfen wir wissen: Kein guter Samen geht verloren. Irgendwann wird er Früchte tragen.

Abendmahl in Bolivien. Maler: Felix Quintanilla.
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