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Leitartikel Mai

Muttertag? Familientag!

 

Wie jedes Jahr feiern wir am zweiten Sonntag im Mai den Muttertag. Für viele Familien ist er ein fester Bestandteil des Jahreskalenders – fast so selbstverständlich wie Ostern oder Weihnachten. Doch wie zeitgemäss ist ein solcher Feiertag heute überhaupt noch?

Am 10. Mai ist es wieder so weit: Papis sowie kleine und grosse Kinder stürmen Blumenläden, Bäckereien oder Restaurants. Zuhause wird gebastelt, gekocht und geputzt – um das Mami (mindestens) einmal im Jahr so richtig zu zelebrieren. An diesem Tag soll es ihr an nichts fehlen.

Die Ursprünge des Muttertags
Seinen Ursprung hat der Muttertag in den Vereinigten Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er war geprägt von der angloamerikanischen Frauenbewegung der 1860er Jahre. Als Begründerin gilt die Methodistin Anna Marie Jarvis. 1914 wurde der Muttertag dort erstmals als nationaler Feiertag begangen. Weitere Länder folgten, 1917 auch die Schweiz, wo er sich jedoch erst ab etwa 1930 stärker verbreitete. Zunächst von der Heilsarmee vorangetrieben, waren später auch Wirtschaftsverbände der Floristen und Konditoren an der Popularisierung dieses nicht-offiziellen Feiertags beteiligt.

Unterschiedliche Familienmodelle
Früh wurden gerade deshalb kritische Stimmen laut. Der ursprüngliche Gedanke geriet durch die zunehmende Kommerzialisierung des Muttertags in den Hintergrund. Hinzu kommt, dass sich Familienmodelle stark verändert haben. Das klassische Bild der zuhause bleibenden Mutter und des vollzeitarbeitenden Vaters entspricht längst nicht mehr der Realität vieler Familien. Erwerbstätige Mütter sind ebenso selbstverständlich geworden wie teilzeitarbeitende Väter oder Männer, die einen grösseren Teil der Familien- und Hausarbeit übernehmen. Dazu kommen vielfältige Lebensformen: allein oder getrennt Erziehende, Patchworkfamilien usw. Mehrfachbelastungen durch Arbeit, Kinder und Haushalt gehören heute für viele zum Alltag.

Muttertag? Familientag!
In diesem Zusammenhang scheint auch der klassische Muttertag an Relevanz zu verlieren. Oder ist gerade inmitten von Alltagsstress und vielfältigen Anforderungen ein solcher Tag besonders wertvoll? Ein Tag, um innezuhalten und Danke zu sagen – für Fürsorge, Geduld, Organisationstalent und Liebe. Dabei geht es nicht nur um Mütter im engeren Sinn, sondern um all jene Menschen, die Verantwortung übernehmen, begleiten und Familienleben mittragen.

Wertschätzung darf – und soll – natürlich nicht auf einen einzigen Tag im Jahr beschränkt bleiben. Schön ist es dennoch, wenn ein solcher Anlass bewusst genutzt wird: wenn Familien zusammenkommen, Zeit miteinander verbringen und einander Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht weniger als reiner Muttertag – sondern vielmehr als Familientag.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen schönen Familientag!

 

Dunja Kohler-Pfister, Kommunikationsverantwortliche

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